Hamburg - Nach dem Schlusspfiff kam die Ehrenrunde vor der Nordkurve ins Stocken. Erschöpft und ermattet saßen die Spieler des Hamburger SV auf dem Rasen vor den Stehplätzen der treuesten Fans und warteten auf das Kommando zum gemeinsamen Jubeltanz. Aber das verzögerte sich, denn irgendwie war die Siegerzeremonie nicht mehr so ganz parat.

"Unsere Fans waren glaube ich auch nicht mehr ganz sicher, wie sie das feiern müssen", erklärte Abwehrchef Johan Djourou nach dem 1:0 gegen Bayer 04 Leverkusen gegenüber bundesliga.de. Fast auf den Tag genau sieben Monate war es her, dass der HSV zuletzt vor heimischem Publikum einen Dreier einfuhr. Gegner damals wie heute: die Leverkusener.

Nicht verdient aber mit Leidenschaft

Mit dem Sieg verließen die "Rothosen" erstmals seit dem 2. Spieltag wieder die Abstiegsränge. Djourou trat aber sofort auf die Euphoriebremse: "Wir dürfen uns jetzt ein bisschen freuen. Aber es waren nur drei Punkte, ein kleiner Schritt. Daran müssen wir nun unbedingt anknüpfen."

Die gut 52.000 Zuschauer in der Imtech Arena sahen auch keine überzeugenden Hausherren, richtig verdient war der knappe Erfolg in einer intensiven und hart geführten Partie nicht.

Aber die Hamburger waren sich vor dem Anpfiff im klaren, dass sie mit Schönspielerei gegen den Offensivwirbel der Gäste nicht weit kommen würden. "Die Mannschaft hat Charakter gezeigt. Das war wichtiger, als spielerisch zu überzeugen", stellte Djourou fest.

"Wir befinden uns nicht in der günstigsten Situation. Da helfen uns Sahnefußball oder Tiki-Taka nicht weiter. Da brauchen wir erst einmal Kampf und Leidenschaft. Und dieses Mal wurden wir für den Aufwand belohnt", meinte auch Lewis Holtby, der zum zweiten Mal zusammen mit Rafael van der Vaart in der Startelf auflief.

Holtby und van der Vaart harmonieren

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Und das Experiment von Trainer Joe Zinnbauer ging auf. Van der Vaart und Holtby kommunizierten viel und teilten sich die Aufgaben, vor allem in der Defensive, perfekt auf. Das sah auch Holtby so: "Ich verstehe mich mit Rafa auf und abseits des Platzes hervorragend. Als ’Doppel-8’ haben wir gut harmoniert und gestanden." Und Van der Vaart ergänzte: "Lewis und ich können sehr gut zusammen auf dem Platz stehen."

Durch den aufopferungsvollen Einsatz aller HSV-Spieler hielt Torhüter Jaroslav Drobny nun schon zum dritten Mal die Null. Und das gelang ihm gegen Titelfavorit FC Bayern München sowie die vermeintlichen Champions-League-Anwärter Borussia Dortmund und nun Leverkusen.

Am kommenden Spieltag geht die Reise zum VfL Wolfsburg, der sich neben Borussia Mönchengladbach als Bayern-Jäger positioniert hat. Die Marschroute für das kleine Nordderby zeigte Djourou deutlich auf. "Nach so einem Auftritt muss es in der nächsten Partie immer in die gleiche Richtung gehen", forderte der Schweizer. Es ist also wieder Kampf und Leidenschaft angesagt, denn, so Marcell Jansen, "schöner Fußball ist dann erst Schritt zwei oder drei".

Michael Reis