Köln - In den letzten Wochen war nach den Niederlagen von Borussia Dortmund meist noch gerechnet worden, wie große der Abstand zu den Champions-League-Plätzen ist. "Damit ist spätestens jetzt Schluss“, sagte Sportdirektor Michael Zorc nach der bitteren 0:2-Pleite gegen Eintracht Frankfurt. "Es geht nur darum, bis Weihnachten zumindest, so viele Punkte wie möglich zu holen, um diese Abstiegsplätze zu verlassen. Alles andere wäre Schönfärberei."

Inzwischen steht der BVB auf dem 18. Tabellenplatz mit elf Punkten. Schlechter war der Club nach 13 Spieltagen zuletzt 1985/86. Damals konnte der Abstieg gerade noch in der Relegation gegen Fortuna Köln verhindert werden.

Die große Baustelle lag dabei auch gegen die Hessen einmal mehr an der mangelnden Torausbeute. Von 17 Torschüssen wurde kein einziger verwertet, was nicht zuletzt auch am überragenden Frankfurter Schlussmann Felix Wiedwald lag. Hinzu kommen acht Aluminium-Treffer, öfter hat nur Leverkusen Pfosten oder Latte getroffen (zwölf Mal).

Infografik: BVB mit mieserabler Trefferquote

 

Nur jeder 17. Torschuss erfolgreich

Ein Problem, dass sich wie ein zäher Kaugummi durch die Saison zieht, denn insgesamt landet nur jeder 17. Schuss in den Maschen des Gegners. Nur der HSV, der 25 Versuche für ein Tor braucht, ist in der Liga aktuell schlechter. Durchschnittlich treffen die Bundesligisten bei jedem elften Torschuss. Immerhin werden die Möglichkeiten herausgespielt. Die Offensive hat in der laufenden Saison bereits 222 Torschüsse abgegeben. Hier waren nur Leverkusen (245) und die Bayern (243) besser.

Jürgen Klopp erklärte die Situation wie folgt: "Wir kommen immer ordentlich rein. Wir vergeben dann aber richtig große Chancen. Die erste Möglichkeit des Gegners ist fast immer ein Tor. Das ist nicht zu erklären. Und schon nimmt das Ding wieder Fahrt auf. Das zu durchbrechen, ist eine große Herausforderung vor der wir stehen."

Gegner sind hingegen effizient

Gleichzeitig verwerten die Gegner der Borussen in der laufenden Spielzeit bisher 75 Prozent der Torchancen gegen den BVB. Das ist der schlechteste Wert der Liga. So wie zum Beispiel auch gegen Frankfurt, als Marco Russ nach einem Fehlpass aus der eigenen Hälfte den Ball direkt in die Nahtstelle der Dortmunder Abwehr passte. Sebastian Kehl beschrieb die Szene so:  "Es war eine ganz blöde Situation. Die schlagen einfach den Ball raus, und am Ende fällt das 0:1." Und Jürgen Klopp fügte hinzu: "Das hat uns weh getan, das hat man gesehen und gespürt."

Dass Selbstzweifel jetzt fehl am Platz sind, betonte Sven Bender nach der Partie: "Es ist wichtig, dass wir die Geschichte immer noch mit ein bisschen Selbstvertrauen angehen. Wir können alle kicken, können alle kämpfen. Das müssen wir jetzt auf den Platz bringen."

Karol Herrmann