München - Stephan Lehmann hatte wohl eine Vorahnung. Beim Einmarsch der Meisterhelden vergangener Tage begrüßte der Stadionsprecher des FC Bayern München auch Alexander Zickler. "Er war der Rekordjoker der Bundesliga", rief Lehmann vor dem Spiel gegen den SC Freiburg. Dabei hatte der frühere Bayern-Stürmer die Bestmarke zu diesem Zeitpunkt noch inne. Doch ausgerechnet vor seinen Augen knackte Freiburgs Edeljoker Nils Petersen den Rekord.

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"Das ist auch Schicksal", sagte Petersen. "Er hat wahrscheinlich noch nie ein Spiel des SC Freiburg gesehen - und dann passiert es genau heute." In der 67. Minute betrat der Torjäger der Freiburger den Rasen, begleitet von den typischen Sprechchören der mitgereisten Fans.  "Jetzt geht’s los", tönte es vom Oberrang der Allianz Arena. Allein acht Mal war Petersen in dieser Saison schon als Einwechselspieler erfolgreich, in München kam in der 76. Minute das neunte hinzu. Innerhalb einer Spielzeit schaffte das zuvor nur Viorel Ganea 2002/03 für den VfB Stuttgart.

Petersen stolz auf Rekord

Insgesamt war es Petersens 19. Joker-Tor in der Bundesliga, damit überholte der 28-Jährige den bisherigen Rekordhalter Zickler. Stars wie Claudio Pizarro oder Robert Lewandowski finden sich in den Top 10 dahinter. "Man steht mit seinem Namen in der Riege der großen Namen, das finde ich nicht so schlecht", freute sich Petersen über diesen Meilenstein.

Gerne hätte der Goalgetter neben seinem persönlichen Erfolgserlebnis mit seiner Mannschaft auch noch etwas Zählbares aus dem Gastspiel beim alten und neuen Deutschen Meister mitgenommen. Auch wenn das Ergebnis mit 1:4 am Ende doch noch deutlich ausfiel, hatten die Breisgauer lange Zeit Chancen auf einen Punktgewinn. "Wir hätten den Bayern gerne die Party genommen, am liebsten mit einem Sieg", sagte Petersen. "Damit hätten wir uns auf Platz fünf geschossen."

Mit Dortmund-Schal vor dem Fernseher

So wurde der Aufsteiger durch den Sieg des 1. FC Köln in der Tabelle noch aus den Europapokal-Rängen verdrängt, hat als Tabellensiebter aber dennoch eine Chance aufs internationale Geschäft. Sollte Borussia Dortmund am kommenden Samstag das DFB-Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt gewinnen, berechtigt auch der siebte Platz zur Teilnahme an der 3. Qualifikationsrunde zur Europa League. Petersen will sich jedenfalls mit Fanartikeln eindecken. "Ich kaufe mir alles - wenn es Glück bringt, ganz egal", sagte er. "Die ganze Mannschaft ist nächste Woche Dortmund-Fan. Dann schauen wir mal, wofür es reicht."

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Auf die Frage, welchen Schal denn Christian Streich am Samstag tragen werde, antwortete der SC-Trainer lapidar: "Keinen - außer einen rot-weißen mit ein bisschen schwarz." Schließlich könne man den Ausgang des Endspiels nicht beeinflussen. "Wenn es so kommt, freuen wir uns. Dann sind wir in den letzten viereinhalb Jahren zwei Mal im Europapokal gewesen", fügte Streich an. Als Freiburg wäre das "unglaublich".

Die Saison des Aufsteigers war in der Tat auch so sensationell. Vor allem nach teils deutlichen Niederlagen trat die junge Mannschaft immer wieder besonders gefestigt auf und holte genau dann die nötigen Punkte, um nie ernsthaft in Abstiegsgefahr zu geraten. "Wir wussten schon vor der Saison, dass wir viele Rückschläge erleiden werden. Aber wir kommen über unsere Präsenz und unsere Gesamtheit", erklärte Petersen das Erfolgsgeheimnis.

Spieler erfüllen Streichs mutige Prognose

Als Schlüsselerlebnis bezeichnete er die Partie bei Hertha BSC am 1. Spieltag, als der Sport-Club kurz vor Schluss ausglich, durch einen Treffer in der Nachspielzeit aber doch noch verlor. "Eine Woche später, hat der Trainer eine Ansprache gehalten und gesagt: Wenn wir gut spielen, landen wir im ersten Drittel", erinnerte sich Petersen. "Mutige Ansage nach so einem Start, dachte jeder. Aber wir haben es gepackt. Wir sind zwar nicht im ersten Drittel, aber Siebter. Damals waren weit weg davon."

Ein Punktgewinn damals und die Freiburger stünden jetzt in der Tabelle vor der Hertha auf Platz sechs. Das Schicksal hat eben gerne ein Faible für Ironie, der neue Rekordjoker Petersen lieferte am Samstag selbst den Beweis dafür.

Aus München berichtet Maximilian Lotz

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