Mönchengladbach - Mohamadou Idrissou ist einer der schillerndsten Figuren der Bundesliga. Der Kameruner, der 2000 nach Deutschland auszog, um sein Fußballglück zu suchen, hat einige Hochs und Tiefs hinter sich. Vor der Saison wechselte er von Freiburg nach Gladbach und versucht nun, mit der Borusssia den Klassenerhalt zu packen.

Warum seine Karriere immer wieder ins Stocken geriet, welche Streiche er ausheckte und wie sich die Freiburger Fans an "Mo" rächten, erfahren Sie hier. Zehn Dinge über Mohamadou Idrissou, die Sie (vielleicht) noch nicht wussten...

Schwere Kindheit

Der kleine Mohamadou hat es nicht leicht in seiner Kindheit. "Mo" wächst in Yaounde, der Hauptstadt Kameruns auf und wird bereits im Alter von drei Jahren Halbwaise, als sein Vater bei einem Autounfall ums Leben kommt. Fortan zieht seine Mutter Mairamou ihn alleine groß - und will ihren Sohn vom runden Leder fernhalten. Der hat aber nur Fußball im Sinn und findet manche Notlüge, um seinen Traum, Profifußballer zu werden, nicht platzen zu lassen. "Ich habe ihr immer irgendwelche Geschichten erzählt, wenn wir gespielt haben", grinst er verschmitzt.

Anfänge in Deutschland

Nach seinen Anfängen in Kamerun bei Racing Bafoussam und Coton Sport de Garoua versucht Idrissou im Alter von 20 Jahren sein Glück in Deutschland. Beim damaligen Oberligisten FSV Frankfurt sorgt er gleich mit 15 Toren in 18 Spielen für Aufmerksamkeit und wechselt anschließend eine Liga höher zum SV Wehen. Dort bildet Idrissou zusammen mit Saber Ben Neticha das torgefährlichste Sturm-Duo der Regionalliga Süd. Der Angreifer bleibt erneut nur ein Jahr und wechselt vor der Saison 2002/03 in die Bundesliga nach Hannover.

Wechselbäder

Idrissou schlägt zunächst auch bei den "Roten" ein und trifft in seiner ersten Bundesliga-Spielzeit insgesamt neun Mal. Durch verschiedene Eskapaden macht es sich der Stürmer jedoch in den folgenden Jahren selbst schwer - und er wird sogar vom damaligen 96-Cheftrainer Ewald Lienen zeitweise aus dem Kader geschmissen. Nach einem kurzen Abstecher beim französischen Club SM Caen kehrt er wieder zu den Niedersachsen zurück, doch der Erfolg stellt sich nicht mehr ein. Auch in den zwei Jahren beim MSV Duisburg (2006-2008) findet er nicht zu seiner alten Form zurück.

Neuanfang im Breisgau

Als der Kameruner schon als "One-Hit-Wonder" tituliert wird, wagt er in der 2. Bundesliga noch einen Versuch beim SC Freiburg - und der Knoten platzt tatsächlich. In der Rückrunde der Saison 2007/08 trifft "Mo" zwar nur drei Mal, doch in den folgenden beiden Spielzeiten kommt er auf insgesamt 22 Tore. Mit dem SCF steigt Idrissou zudem 2009 in die Bundesliga auf und zeigt auch in der deutschen Eliteliga sein Können.

Hier bin ich Mensch...

Fernab vom urbanen Trubel findet Idrissou im Schwarzwald ideale Bedingungen. "Bei uns kann er tatsächlich Idrissou sein", nennt der SCF-Trainer Robuin Dutt das Erfolgsgeheimnis. Im Breisgau ist "Mo" gesetzt und blüht richtig auf. Die Freiburger Fans lieber den exzentrischen Stürmer, der viel singt und lacht, für jeden Scherz zu haben ist. Die obligatorische Bierdusche nach dem Aufstieg in die Bundesliga nimmt Dutt gerne in Kauf.

Verhinderter Strip

Nachdem der Aufstieg mit dem SC Freiburg vorzeitig perfekt ist , plant Idrissou für das Heimspiel gegen die SpVgg Greuther Fürth ein besonderes Vorprogramm. Zur Feier des Aufstiegs will er sich im Stadion entblättern. Daraus wird jedoch nichts - der Frauenschwarm musste seine Klamotten anlassen. Der Grund: Freiburgs Trainer Dutt hatte etwas dagegen: "Das habe ich ihm verboten. Auch, weil meine kleine Nichte im Stadion ist", so Dutt augenzwinkernd.

Tragödie bei den "Unzähmbaren Löwen"

2003 darf Idrissou zum ersten Mal das Trikot der kamerunischen Nationalelf überstreifen. Vorläufiger Höhepunkt seiner Nationalmannschaftskarriere ist der 2. Platz beim Confederations Cup 2003, wo der Angreifer in allen fünf Spielen zum Einsatz kommt. Auch in der tragischen Halbfinal-Begegnung gegen Kolumbien, als sein Mitspieler Marc-Vivien Foé auf dem Spielfeld kollabiert und später verstirbt, ist Idrissou aufgestellt. Die WM 2010 verläuft für den "Mo" und seine Teamkameraden mit dem Vorrunden-Aus enttäuschend.

"Mein absoluter Lieblingsverein"

Vor der laufenden Saison wechselt Idrissou von Freiburg nach Gladbach - sein absoluter Lieblingsverein, wie er sagt. Nachdem es in der Anfangszeit mit drei Treffern hervorragend läuft, zeigt die Formkurve mit zunehmender Spielzeit nach unten. "Mo" verliert seine Torgefahr, die "Fohlen" werden nach unten durchgereicht. Nachdem er am letzten Hinrundenspieltag aus dem Kader fliegt, schenkt ihm Trainer Michael Frontzeck nach der Winterpause wieder das Vertrauen. In den ersten drei Rückrundenspielen spielt der Kameruner auf der linken Seite und findet langsam wieder zu alter Form zurück.

Schalk im Nacken

Idrissou ist für jeden Spaß zu haben - und sei er auch noch so schräg, wie er in einem Radiointerview verrät. "Ich ärgere mich nicht, wenn ich nach dem Training in die Kabine komme und sehe, dass meine Klamotten im Kühlschrank, meine Badeschlappen im Wäscheraum oder meine Autogrammkarten mit schwarzem Edding bemalt sind. Da bin ich einfach ein cooler Typ. Ich freue mich einfach mit den Jungs zusammenzuarbeiten. Ein richtiger Spaßvogel ist Marco Reus und auch Karim Matmour ist lustig".

Wer den Schaden hat...

Während seiner Freiburger Zeit hatte Idrissou den Wunsch geäußert, einmal bei einem Champions-League-Verein zu spielen. Nach seinem Wechsel an den Niederrhein und dem Negativlauf der Borussia in der Hinrunde, nahmen die kreativen SCF-Fans diese Steilvorlage natürlich dankend an. "Idrissou spielt Champions League auf PS3, die ganze Nacht, von zwölf bis acht", sangen sie - während ihr Team die "Fohlen" mit einer 3:0-Packung nach Hause schickte.