Wenn es um seinen wohlverdienten Urlaub geht, zieht es Felix Magath am liebsten nach Puerto Rico. Fußballerisch dürfte der Trainer des VfL Wolfsburg aber eher Italien-Fan sein.

Besonders scheint es ihm der Catenaccio angetan zu haben. Der Defensiv-Stil wurde in den 60er und 70er Jahren von Trainer Helenio Herrera bei Inter Mailand kultiviert – und zwar ziemlich erfolgreich.

Titel en masse

Die Norditaliener wurden in dieser Zeit drei Mal Meister, gewannen zwei Mal den Europapokal der Landesmeister und den Weltpokal. Diese Erfolgsbilanz scheint Magath bei der Zusammenstellung seiner Mannschaft für die neue Saison im Kopf gehabt zu haben.

Nach dem Transfer von Weltmeister Cristian Zaccardo hat der Trainer und Manager des VfL Wolfsburg nämlich auch dessen Team-Kollegen Andrea Barzagli von US Palermo in die VW-Stadt geholt. Der Innenverteidiger ist, wie Zaccardo, italienischer Nationalspieler und Weltmeister.

"Die Qualität, die wir brauchen"

Durch die Verpflichtung des 1,86 Meter großen Defensivmannes haben die "Wölfe" einen absoluten Hochkaräter mit Führungsqualitäten ins Team geholt. In Palermo war der 27-jährige Barzagli seit der Saison 2007/08 Mannschaftskapitän. Bei der "Squadra Azzurra" spielt er meist neben Fabio Cannavaro von Real Madrid in der Innenverteidigung.

"Es spricht für unsere Arbeit, dass ein Spieler dieses Formats zum VfL Wolfsburg wechselt. Er bringt die Qualität mit, die wir in unserem Kader brauchen - auch im Hinblick auf die UEFA-Cup-Teilnahme", freut sich Magath über den Neuzugang.

Kapitän in Palermo

Der am 8. Mai 1981 in Fiesole geborene Abwehrspieler lernte das Fußballspielen bei AC Rondinella Calcio im nahe gelegenen Florenz. Dort spielte er zweieinhalb Jahre in der Serie D, bevor er 2001 nach Pistoiese in die zweithöchste Spielklasse wechselte. Allerdings konnte er sich nicht durchsetzen und kehrte für kurze Zeit nach Rondinella zurück.

In der darauffolgenden Saison spielte Barzagli in der Serie C für Ascoli Calcio. Durch überzeugende Leistungen wurden einige Erstligaclubs auf ihn aufmerksam. 2003 entschied er sich für einen Wechsel zu Chievo Verona und gehörte direkt zum Stammkader. Nach einem Jahr verließ der damals 23-Jährige Verona und ging zum US Palermo.

Welt- und Europameister

In fünf Jahren in der Serie A bestritt der Nationalspieler 171 Spiele und erzielte dabei sechs Tore. In der vergangenen Saison stand er in 34 der 38 Partien auf dem Platz - 32 Mal über die volle Distanz.

Genau wie Mannschaftskamerad Zaccardo wurde Barzagli 2004 mit Italien U 21-Europameister. Kurz darauf, am 17. November 2004, debütierte er beim 1:0-Sieg gegen Finnland in der A-Nationalmannschaft. Beim WM-Triumph 2006 in Deutschland kam der Defensivmann im Achtelfinale gegen Australien und im Viertelfinale gegen die Ukraine zum Einsatz.

Meniskusriss bei der EURO

In der Qualifikation zur EURO 2008 gehörte der 23-malige Nationalspieler zum Stammkader von Coach Roberto Donadoni und bestritt sieben Spiele für Italien. Bei der EURO in Österreich und der Schweiz kam er zu einem Einsatz, bevor er sich einen Riss des Innenmeniskus im linken Knie zuzog.

In seiner ersten Saison bei Wolfsburg hat Trainer Magath den VfL in den UEFA-Cup geführt. In dieser Saison soll es noch weiter nach oben gehen. Ob dies auch im Catenaccio-Stil geschehen wird ist unklar. Mit zwei Italienern in der Defensive könnte es aber durchaus dazu kommen.

Gregor Nentwig