München - Sechs Spiele, ein Punkt, 6:17 Tore. Der Hamburger SV hat den schlechtesten Saisonstart seiner 49 Bundesligajahre hingelegt. Grund genug für die Verantwortlichen, einem neuen Trainer das Ruder zu übergeben. Interimstrainer Rodolfo Esteban Cardoso soll den Bundesliga-"Dino" möglichst schnell aus dem Tabellenkeller führen - Grundstein dafür wäre ein Erfolg bei den zuletzt formstarken Stuttgartern am Freitag (ab 20 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio).

Obwohl die HSV-Elf zuletzt chronisch erfolglos war, will der neue Coach die Mannschaft nicht von Grund auf verändern - nur vier Tage hat der Argentinier bis zur Partie beim VfB.

"Ich werde nicht alles umwerfen"

"Kurzfristig lassen sich nur Details ändern, ich werde auch nicht alles umwerfen. Die Mannschaft braucht Stabilität und Sicherheit. Sie soll genau wissen, was sie am Freitagabend zu tun hat", erklärte Cardoso, der wieder eine positivere Einstellung einfordert: "Wir müssen wieder an uns glauben, brauchen Leben in der Mannschaft und die Überzeugung, dass wir Spiele gewinnen können."

Cardoso formuliert klare, kurzfristige Ziele: "Die Spieler sind jetzt mehr denn je gefordert. Für den HSV geht es in dieser Situation nur darum aus dem Tabellenkeller zu kommen. Über etwas anderes brauchen wir nicht zu reden", sagte der neue Trainer. Vor den Stuttgartern hat der ehemalige Freiburger Mittelfeldregisseur Respekt, rechnet sich aber dennoch etwas aus: "Ich habe das Spiel gegen Freiburg gesehen. Die stehen hinten sehr gut, lassen kaum Chancen zu. Da müssen wir auf den richtigen Moment warten. Aber ich bin überzeugt, dass wir dort etwas holen können."

Mancienne und Diekmeier fallen aus

Hamburg muss allerdings ohne Michael Mancienne (Muskelfaserriss) auskommen, was auf der rechten Defensivseite für Probleme sorgen könnte, da auch Michael Diekmeier (Knie) angeschlagen ist. Tomas Rincon oder Jeffrey Bruma stünden als Ersatz bereit.

Gute Chancen auf einen Einsatz besitzt auch Romeo Castelen, der sich nach guten Leistungen bei Cardosos U 23 das Stammspieler-Trainingsleibchen überstreifen durfte, sowie der Deutsch-Chinese Zhi Gin Lam, ebenfalls aus der U 23. ine Option ist Paolo Guerrero, der nach seiner Kapselverletzung ins Mannschaftstraining zurückgekehrt ist. Die ein oder andere Überraschung könnte es also vielleicht doch geben beim HSV.

Boulahrouz warnt vor dem Ex-Club

Abwehrsorgen wie die Hamburger hat der VfB derzeit nicht - die Defensive (erst vier Gegentore) ist in dieser Saison der große Rückhalt der Schwaben. Khalid Boulahrouz, der sich in dieser Saison wieder einen Stammplatz erkämpft hat, warnt vor seinem Ex-Club: "Wir lassen uns nicht davon blenden, wie die Tabelle aussieht. Wir nehmen den HSV sehr ernst und gehen konzentriert ins Spiel", erklärte der Niederländer, der von seiner Zeit bei den "Rothosen" (2004 bis 2006) nur Positives zu berichten hat. "Ich hatte zwei schöne Jahre beim HSV. Ich habe noch Kontakt zu einigen Menschen im Verein, von daher ist es natürlich ein besonderes Spiel für mich", sagt Boulahrouz.

Dritter Sieg in Serie winkt

Die Entlassung von Michael Oenning sieht der 29-Jährige als kleinen Vorteil für die Hamburger: "Der Trainerwechsel kann neue Energie auslösen, die Spieler merken jetzt vielleicht, dass es an ihnen und nicht mehr am Trainer liegt." Trotzdem glaubt Boulahrouz fest an einen Sieg seiner Mannschaft: "Wenn wir all unsere Qualitäten einbringen, werden wir die Partie für uns entscheiden. Wenn wir gut drauf sind, müssen wir vor keiner Mannschat Angst haben."

Ein Sieg am Freitagabend wäre der dritte Erfolg in Serie, Stuttgart könnte auf Tuchfühlung zu den oberen Tabellenplätzen gehen. Personell ist die Lage beim Team von Trainer Bruno Labbadia entspannt, Änderungen in der zuletzt erfolgreichen Elf sind nicht zu erwarten.