Mainz - Dank Daniel Caligiuri hat der SC Freiburg in einem turbulenten Spiel erstmals in seiner Vereinsgeschichte das Halbfinale des DFB-Pokals erreicht. Unbeirrt von einem völlig verkorksten Start und insgesamt vier Aluminium-Treffern gewann das Team von Trainer Christian Streich das Viertelfinale beim 1. FSV Mainz 05 verdient mit 3:2 (2:2, 0:2) nach Verlängerung.

Damit sorgten die Breisgauer für einen weiteren Höhepunkt in einer bislang herausragenden Saison und sind nun nur noch einen Schritt von der ersten Endspiel-Teilnahme in Berlin entfernt.

Caligiuri schnürt Doppelpack



"Wir haben am Anfang Probleme gehabt und waren sehr unsortiert. Aber die Mannschaft hat alles gegeben, wie immer, und dann waren wir die Glücklichen. Wir haben gewonnen, weil diese Mannschaft Moral hat. Wenn wir heute verloren hätten, hätte sie trotzdem Moral gehabt. Ich bin dankbar dafür, dass ich diese Mannschaft trainieren darf", sagte Chefcoach Christian Streich.

Der eingewechselte Ivan Santini (86.) und der zwei Mal erfolgreiche Caligiuri (90.+3/FE, 108.), drehten das Spiel für die Breisgauer. Shawn Parker (2.) und Niki Zimling (4.) hatten die Gastgeber mit einem Blitzstart 2:0 in Führung gebracht. Doch die Gäste nutzen die Überzahl, nachdem FSV-Verteidiger Zdenek Pospech (65.) wegen wiederholten Foulspiels die Gelb-Rote Karte gesehen hatte.

"Typischer Pokalfight"



Für Trainer Thomas Tuchel eine Schlüsselszene: "Wir haben uns völlig allein um den Lohn der Arbeit gebracht, und das tut sehr weh. Nach dem schnellen 2:0 haben wir keine Sicherheit reinbekommen. In der zweiten Halbzeit haben wir es sehr viel besser gemacht und hatten totale Kontrolle über das Spiel. Es war eher eine Frage der Zeit, bis das 3:0 fällt. Mit der Gelb-Roten Karte haben wir uns einen Bärendienst erwiesen, damit haben wir uns selbst einen extremen Schaden zugefügt."

Die Mainzer verpassten damit ihren zweiten Sprung ins Semifinale des Cupwettbewerbs nach 2009. Damals hatten sie das Endspiel von Berlin durch eine Niederlage bei Bayer Leverkusen (1:4 n. V.) verfehlt. "Es war ein typischer Pokalfight. Nach dem Anfang waren wir alle guter Dinge. Aber der Freiburger Sieg ist nicht unverdient", sagte Präsident Harald Strutz: "Natürlich ist es für uns besonders dramatisch, wenn man in der dritten Minute der Nachspielzeit einen Strafstoß bekommt, doch den kann man geben."

Mainz überrumpelt Freiburg



Dabei wirkten die Gastgeber hochmotiviert und legten einen Blitzstart hin. Zuerst nutzte der zuletzt in der Bundesliga rotgesperrte Stürmer Parker einen klugen Pass von Chinedu Ede, der zu seinem Saison-Startelfdebüt kam, und schoss aus rund neun Metern zur frühen Führung des Tabellenachten ein.

Nur zwei Minuten später nutzte der vom FC Brügge gekommene Däne Zimling den Schockzustand der Freiburger und erzielte aus 16 Metern seinen zweiten Treffer im vierten Spiel für Mainz. Dabei gab SC-Keeper Oliver Baumann keine glückliche Figur ab.

Sport-Club dreht auf



Freiburg brauchte einige Zeit, um sich von dem schnellen Rückstand zu erholen. Coach Christian Streich jedenfalls sah sich früh zum Wechseln gezwungen und brachte für Außenverteidiger Vegar Hedenstad den offensivstarken Jonathan Schmid (12.), der gleich einige Akzente setzen konnte.

Danach entwickelte sich ein Duell auf Augenhöhe, in dem die passsicheren Breisgauer immer mehr die Initiative übernahmen, während Mainz überraschend den Faden verlor. Johannes Flum (31./37. ) verpasste gleich zwei Mal per Kopf den Anschlusstreffer. Die beste Chance der ersten Halbzeit vergab aber Oliver Sorg, der mit einem Aufsetzer nur die Latte des FSV-Gehäuses traf, in dem Ersatzkeeper Heinz Müller eine Bewährungschance erhalten hatte.

Joker Santini sticht



Nach dem Wechsel versuchten die Gäste, den Druck zu forcieren. Doch erst in den letzten fünf Minuten überschlugen sich die Ereignisse. Zunächst traf der Sport-Club durch Matthias Ginter ein zweites Mal die latte (85.). Nach einem weiteren Aluminium-Treffer von Schuster Sekunden später war Santini zur Stelle und drückte den Ball über die Linie. In der Nachspielzeit köpfte Pavel Krmas abermals an die Latte.

Nach einem Foul von Nikolce Noveski an Santini in der Nachspielzeit entschied Deniz Aytekin auf Strafstoß. Caligiuri ließ sich davon nicht beirren und verwandelte sicher. Durch sein zweites Tor in der Verlängerung wurde der 25-Jährige endgültig zum Mann des Tages. In der Schlussphase vergab Freiburg einige Konterchancen kläglich.

1. FSV Mainz 05: Heinz Müller - Pospech, Svensson, Noveski, Zabavnik - Baumgartlinger, Zimling (63. Marco Caligiuri) - Nicolai Müller, Ede (72. Ivanschitz) - Szalai, Parker (70. Diaz).

SC Freiburg: Baumann - Hedenstad (13. Schmid), Ginter, Krmas, Sorg - Schuster, Makiadi - Max Kruse, Daniel Caligiuri - Rosenthal (84. Santini), Flum (62. Guede).

Schiedsrichter: Aytekin

Tore: 1:0 Parker (2.), 2:0 Zimling (4.), 2:1 Santini (86.), 2:2 Daniel Caligiuri (90.+3), 2:3 Daniel Caligiuri (108.)

Zuschauer: 23.517

Gelb-Rote Karte: Pospech wegen wiederholten Foulspiels (65.)

Gelbe Karten: Heinz Müller, Baumgartlinger - Rosenthal (2), Krmas, Makiadi