Zusammenfassung

  • Lucien Favre wurde heute bei Borussia Dortmund offiziell als Cheftrainer vorgestellt

  • Favre: "Wenn der BVB kommt, kannst du das als Trainer nicht ablehnen – das ist unmöglich"

  • Morgen startet der Schweizer mit seiner Mannschaft in die Saisonvorbereitung

Dortmund - Mit der Vorstellung von Lucien Favre als neuem Cheftrainer hat bei Borussia Dortmund eine neue Zeitrechnung begonnen. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke geizte bei der Vorstellung nicht mit Vorschusslorbeeren für seinen erklärten Wunschkandidaten. Und Favre gab das Lob gerne zurück: "Wenn der BVB kommt, kannst du das als Trainer nicht ablehnen – das ist unmöglich."

Die Vorfreude stand Aki Watzke ins Gesicht geschrieben. "Wir sind sehr froh, Lucien Favre jetzt hier zu präsentieren, nachdem wir öfter schon versucht haben, zusammen zu kommen", verriet der BVB-Boss, dass der Schweizer schon im Vorjahr Wunschkandidat der Borussia gewesen sei. Damals erhielt Favre in Nizza keine Freigabe, der Kontakt sei aber nie abgerissen. Und Watzke schob auch gleich hinterher, was den 60-Jährigen aus seiner Sicht als Trainer auszeichnet: "Er hat auf seinen früheren Stationen in Zürich, Berlin, Gladbach und Nizza nicht nur erfolgreich gearbeitet, sondern immer auch das vorhandene Potenzial voll ausgeschöpft."

>>> Kehl: "Ein Privileg, bei Borussia Dortmund zu arbeiten"

Sportdirektor Michael Zorc präzisierte das Lob für den neuen Übungsleiter: "Lucien arbeitet gerne mit jungen Spielern, entwickelt Spieler gerne und macht sie besser." Zudem hätten Mannschaften unter seiner Regie immer eine klare Struktur und eine klare Spielphilosophie mit sehr gutem Spielaufbau gehabt: "Lucien mag Mannschaften, die den Ball haben und das Spiel entwickeln wollen. Und das immer mit einer sehr guten Balance zwischen Offensive und Defensive."

Michael Zorc (r.) und Hans-Joachim Watzke (l.) freuen sich über ihren neuen Trainer Lucien Favre
Michael Zorc (r.) und Hans-Joachim Watzke (l.) freuen sich über ihren neuen Trainer Lucien Favre © imago / Kirchner-Media

"Wir müssen auch kontern können"

Lucien Favre selbst hörte aufmerksam zu, wirkte aber fast ein wenig angespannt und eingeschüchtert auf dem schwarz-gelben Podium. Öffentliche Auftritte sind nicht gerade seine Lieblingsdisziplin, große Reden nicht sein Ding. Er freue sich sehr auf die Herausforderung beim BVB: "Das wird sehr spannend." Bei Fragen nach dem künftigen Personal und möglichen Transfers blieb der ruhige und sachliche Favre eher vage. Kam die Sprache aber auf Taktik und Spielidee, funkelten seine Augen.

>>> bvb.de: Was alles für Favre gesprochen hat

Denn was er sich für den BVB in der Zukunft vorstellt und wie er seine Mannschaft sehen will, davon hat Lucien Favre eine ganz klare Vorstellung: "Wir müssen das Spiel machen, von Anfang an. Wir müssen das Spiel im Mittelfeld beherrschen, intelligent Lücke nach vorne finden. Wir müssen es auch beherrschen, sehr, sehr hoch zu spielen. Und wir müssen auch kontern können – wer nicht kontern kann, ist keine große Mannschaft."

Video: BVB-Achterbahnfahrt 2017/18

"Ein Neustart braucht Geduld - die haben wir"

Das alles werde Zeit brauchen, bat der Schweizer zugleich um Geduld. Die will der BVB ihm geben, machte Hans-Joachim Watzke deutlich. Und forderte zugleich auch Geduld vom schwarz-gelben Umfeld: "Es ist wichtig, dass Lucien Favre nicht mit einer unrealistischen Erwartungshaltung überfrachtet wird. Wir haben bei unserer Analyse einiges festgestellt, was wir verbessern müssen – auch Dinge, bei denen man länger braucht." Auch die notwendigen Korrekturen am Kader nähmen sicher zwei Transferperioden in Anspruch: "Das kann man nicht in einem Rutsch lösen".

>>> Alle Testspiele der Sommervorbereitung im Überblick

Ziel für den trotz allem „hochambitionierten BVB“ bleibe allerdings zu jeder Zeit und damit auch im Jahr eins unter Favre die Qualifikation für die Champions League. "Das war’s dann aber auch", stellte Watzke klar. "Wir haben keine Titelträume, sondern eine realistische Erwartungshaltung. Ein Neustart braucht Geduld – die haben wir!"

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte