Neapel - Eng ging es zu im Presseraum des Stadion San Paolo. Dicht gedrängt standen und saßen die rund 20 Kamerateams und 100 Journalisten im tiefen Inneren der altehrwürdigen Spielstätte des SSC Neapel. Aber mittlerweile hat sich auch bis nach Italien rumgesprochen, dass Borussia Dortmund zu den ganz großen Clubs in Europa zählt - mit einem der wohl unterhaltsamsten Trainer im Business: Jürgen Klopp.

Und "Kloppo" ließ sich einen Tag vor dem Auftakt der Gruppenphase (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) nicht lange bitten, auch wenn er im Hinblick auf die erfolgreiche vergangene Saison keine Rückschlüsse auf die Zukunft zulassen wollte. "Das ist jetzt ein völlig neuer Wettbewerb mit sehr, sehr starken Mannschaften", sagte Klopp auf Nachfrage von bundesliga.de.

Hexenkessel als Trumpf



Von seinen Kickern erwarte er deshalb taktisch und spielerisch auch nichts besonderes, nichts anderes im Vergleich zum großen Coup 2012/13 mit der Teilnahme am Endspiel in Wembley. "Ich erwarte einfach nur, dass wir in Neapel standhalten. Wir müssen uns einzeln auf die Spiele konzentrieren, uns darauf einlassen und erfolgreich sein", so Klopp.

Doch das könnte gegen die Italiener eine schwierige Aufgabe werden, denn trotz des Abgangs von Top-Torjäger Edinson Cavani nach Paris schätzt Dortmunds Trainer den SSC stärker als vergangenes Jahr: "Neapel kann den Titel gewinnen. Die Mannschaft spielt sehr lebendigen Fußball, uns nicht unähnlich. Und sie haben das Geld, das sie für Cavani bekommen haben, sinnvoll investiert."

Zudem haben die Himmelblauen noch einen weiteren Trumpf im Ärmel: das Stadion San Paolo. Meist ist die baufällige Arena schon zwei Stunden vor Anpfiff fast voll besetzt. Der Begriff Hexenkessel passt wohl in wenigen anderen Spielstätten so treffend.

Zorc und Watzke warnen



Aber die Dortmunder beängstigt das nicht. Im Gegenteil. "Das ist für uns Fußballer immer ein Highlight. Innerhalb der Mannschaft ist die Vorfreude sehr groß", meinte Nuri Sahin.

BVB-Geschäftsführter Hans-Joachim Watzke will sich von der Kulisse auch nicht beeindrucken lassen. "Die Stimmung ist nicht das Problem. Neapel hat eine Bombenmannschaft, das ist das Problem", erklärte er.

Und Sportdirektor Michael Zorc ergänzte: "Neapel ist die zweite Kraft in Italien geworden. Dort zu bestehen wird nicht einfach. Da müssen wir eine Top-Leistung bringen."

Klopp: "In unserer Gruppe gibt es keinen Favoriten"



Dass die Partie schon vorentscheidend im Kampf um den Gruppensieg werden könnte, daran glaubt Klopp nicht. "Es spielen die Vereine aus Topf 3 und 4 gegeneinander. Das wäre ja komisch, wenn wir die Favoriten wären. In unserer Gruppe gibt es keinen Favoriten. Das wird wahrscheinlich wieder die spannendste Gruppe in der Vorrunde."

Doch unter Wert wollte der Erfolgscoach sein Team vor der zahlreichen italienischen Presse dann doch nicht verkaufen. "Wir wissen, dass wir auch nicht so schlecht sind. Wir haben unsere Grenzen noch nicht gesehen und wir wollen sie so schnell auch nicht sehen. Wir haben noch viel Potenzial, um uns weiterzuentwickeln", so Klopp. Hoffentlich ist davon dann auch schon wieder viel im proppenvollen Stadion San Paolo zu sehen.

Aus Neapel berichtet Michael Reis