Köln - Ganz am Ende einer über weite Strecken grandiosen Hinrunde gingen Borussia Dortmund die Körner aus. Bis zur 83. Minute führte der BVB beim 1. FC Köln mit 1:0, dann schlug die Geißbockelf noch zweimal zu und bescherte den Westfalen eine vermeidbare 1:2-Niederlage. Das ändert aber nichts an einem der bemerkenswertesten Comebacks der Bundesliga-Geschichte, das die Borussia binnen zwölf Monaten von Platz 17 am Jahresende 2014 bis auf Rang 2 im Winter 2015 hinaufkatapultierte.

38 Punkte stehen unterm Strich auf der Dortmunder Habenseite. Es ist die beste Hinrunde seit der Meisterschaftssaison 2010/11 und die viertbeste Hinserie in der Bundesliga-Geschichte des BVB überhaupt. Zudem haben die Dortmunder bereits nach 17 Spieltagen exakt die Torausbeute der kompletten Vorsaison erreicht. Die bereits erzielten 47 Tore sind Bestwert in der Bundesliga, mit 18 Treffern liegt ferner Pierre-Emerick Aubameyang auf Platz 1 der Torschützenliste.

22 Siege in 30 Pflichtspielen

In Köln bestritt Borussia Dortmund sein 30. Pflichtspiel der Saison, 22 davon gewann die Mannschaft des neuen Trainers Thomas Tuchel. Trotz der überragenden Werte ärgerten sich die Borussen verständlicherweise über die Niederlage in Köln. Denn dank des Tores von Sokratis nach 18 Minuten lag der BVB bis in die Schlussphase der spannenden Partie mit 1:0 in Führung. Doch dann schlugen die Domstädter durch Simon Zoller und Anthony Modeste in den letzten sieben Minuten noch zweimal zu.

"Es ist komplett unsere eigene Schuld, dass wir das Spiel noch verloren haben", ärgerte sich Abwehrmann Sven Bender. "Wir hatten sehr viel Druck gegen uns in der zweiten Halbzeit und es nicht geschafft, uns so zu wehren, dass wir das Spiel zu gewinnen. Ein dreckiges 1:0 wäre in Ordnung gewesen." Doch "dreckige 1:0-Siege" gehörten in diesem Halbjahr nicht zum Repertoire der Dortmunder. Bei zehn ihrer zwölf Hinrundensiege distanzierte der BVB seine Gegner um mindestens zwei Tore.

Kein Grund, Trübsal zu blasen

In Köln schien der ersatzgeschwächten Mannschaft am Ende die Kraft zu fehlen, dem vom extrem enthusiastischen Kölner Publikum nach vorne gepeitschten FC Paroli zu bieten. "Köln hat durch ein sehr mutiges und aggressives Verteidigungsverhalten das Spiel auf eine sehr emotionale Ebene gehoben. Dadurch wurde es offen und sehr kräftezehrend. Wir hatten viel Druck, dann passiert uns ein Fehler, wie er vorkommen kann", analysierte Thomas Tuchel nüchtern.

Der angesprochene Fauxpas unterlief Keeper Roman Bürki, der nach einer Rückgabe einen fatalen Fehlpass spielte, den Kölns Zoller zum Ausgleich nutzte. "Die Kölner hatten mehr Chancen als wir, aber wir konnten mit Kampf dagegenhalten. Das Gegentor ist natürlich sehr bitter", haderte Bürki. So vermeidbar die Niederlage auch war, für den BVB besteht nach diesem ersten Halbjahr dennoch kein Grund Trübsal zu blasen. "Insgesamt war es eine sehr gute Hinrunde, auch wenn das Ergebnis heute sie im Augenblick natürlich etwas schmälert", bilanzierte der Dortmunder Kapitän Mats Hummels.

Verdienter Urlaub

Auch Thomas Tuchel zog ein positives Hinrundenfazit. "Niederlagen in Köln gehören dazu, um zusammenzuwachsen. Es ist unverzichtbar, dass so etwas passiert. Insgesamt sind wir sehr froh, wie sich die Mannschaft Tag für Tag entwickelt, die guten Ergebnisse sind das Resultat einer besonderen Haltung", meinte der Coach im Interview mit bvb.de. "Wir alle wissen, wie wichtig die täglichen Trainingsinhalte sind. Sie sorgen dafür, dass wir zu einer Gewinner-Mannschaft werden. Jetzt haben wir es aber erst einmal alle verdient, in den Urlaub zu gehen. Auch ich."

Aus Köln berichtet Tobias Gonscherowski