Zusammenfassung

  • Der 3:0-Erfolg gegen den HSV hat Borussia Dortmund Mut für das Pokal-Halbfinale gemacht
  • "Müssen dafür sorgen, dass wir noch zweimal nach Berlin fahren"
  • "Die Finalteilnahme in Berlin wäre wie ein Sahnehäubchen"

Dortmund - Nach dem bitteren Aus in der Europa League hingen die Köpfe unendlich tief, nach dem 3:0-Sieg über den Hamburger SV ist bei Borussia Dortmund zumindest wieder Platz für neue Ziele. "Wir müssen jetzt dafür sorgen, dass wir noch zweimal nach Berlin fahren in dieser Saison", richtete Mats Hummels den Blick nach vorne. Reise eins führt am Mittwoch ohne Pierre-Emerick Aubameyang zum Pokal-Halbfinale in die Hauptstadt. Reise zwei wäre das Endspiel – und weniger soll es auch nicht sein.

Nachdem der große Traum vom Europapokalsieg ausgeträumt ist, will sich Dortmund nicht titellos aus dieser sonst so überragenden Saison verabschieden. "Wir wollen jetzt den DFB-Pokal holen", brachte Hummels seine Vorstellungen von einem versöhnlichen Saisonende auf den Punkt. Auch Michael Zorc schwor die Mannschaft auf die Mission Pokalfinale ein: "Es war von Anfang an unser erklärtes Ziel, auch wieder nach Berlin ins Endspiel zu kommen. Jetzt stehen wir kurz davor, und darauf müssen wir jetzt unsere ganze Kraft ausrichten."

Aufgrund einer Knochenabsplitterung muss der BVB allerdings auf Top-Torjäger Pierre-Emerick Aubameyang verzichten. Alternativ könnte es zum Einsatz von Adrian Ramos kommen, der von Hertha BSC zu den Schwarz-Gelben wechselte.

 "Wir haben den Sieg souverän nach Hause gebracht"

Dabei ist dem Sportdirektor durchaus bewusst, dass sich der lange Schatten aus Liverpool so einfach nicht abschütteln lässt. Zu groß war der Wunsch des ganzen Vereins, mit dem Gewinn der Europa League ein ganz dickes Ausrufezeichen zu setzen. Und zu bitter schmecken noch immer die Umstände des Ausscheidens, die Partie an der Anfield Road trotz einer 3:1-Führung am Ende nichts ins Ziel gebracht zu haben (Nachlesen im Blog). Viel und intensiv sei darüber noch vor dem HSV-Spiel gesprochen und diskutiert worden, erzählte Mats Hummels. Zudem gab es eine Videoanalyse von Thomas Tuchel. "Da haben wir  eindrucksvoll gezeigt bekommen, dass wir sowohl verdient als auch selbstverschuldet rausgeflogen sind. Das hat dann noch einmal einen Tick mehr weg getan", gestand der Kapitän (Hummels-Interview).

© imago

Mit dem Erfolg über den Hamburger SV aber hat der BVB den ersten Schritt hinaus aus der großen Depression gemacht, "auch wenn wir zunächst nicht mir breiter Brust rausgegangen sind", wie Gonzalo Castro hinterher zugab. "Anfangs war es noch ein bisschen fahrig, aber mit zunehmender Dauer hat die Mannschaft das gut gemacht. Am Ende haben wir den Sieg souverän nach Hause gebracht", lobte Zorc. Auch Hummels war zufrieden: "Wir haben nicht unser bestes Saisonspiel abgeliefert, aber ein gutes, solides, konzentriertes Spiel mit einem sehr schönen Ergebnis."

Youngster Pulisic trifft vorne, hinten steht die Null

Die Partie gegen die Hanseaten brachte zwei Erkenntnisse, die auch mit Blick auf die Pokalaufgabe am Mittwoch helfen könnten. Zum einen überzeugte der BVB bei seinen Angriffsversuchen vor allem in der ersten Halbzeit, als die Partie noch ausgeglichen war, mit Effektivität. Der Treffer von US-Boy Christian Pulisic nach 38 Minuten war der erste Schuss, der direkt auf das Gehäuse von René Adler ging. Dass der 17-Jährige damit zum viertjüngsten Torschützen der Bundesliga-Historie avancierte, kommentierte Michael Zorc schmunzelnd: "Unsere Jungs sind hier immer früh dran. Mir gefällt die erfrischende Art, wie er Fußball spielt." (Zur Pulisic-Infografik)

Zum anderen brachte die Mannschaft ein Spiel endlich mal wieder zu Null über die Zeit, was zuletzt nicht mehr gelungen war. Vier Gegentore in Liverpool, zwei Gegentreffer auf Schalke, zwei Gegentore auch daheim gegen Bremen – die lange Zeit so stabile Abwehrarbeit der Borussia hatte in den letzten Wochen ordentlich geschwächelt.

"Erneute Finalteilnahme wäre ein Sahnehäubchen"

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Gerade nach dem Aus in Liverpool sei die defensive Mentalität in der Mannschaft noch einmal ein Thema gewesen, ließ Mats Hummels durchblicken. Und nicht zuletzt mit Blick auf die schwere Aufgabe in Berlin und die Aussicht auf einen Pokaltriumph schrieb der Kapitän seiner Mannschaft nach dem HSV-Spiel noch einmal deutliche Worte ins Stammbuch: "Wenn du eine große Mannschaft sein willst und Titel gewinnen willst, musst du mit elf Mann verteidigen und mit elf Mann angreifen. Dann bist du richtig gut."

Dass diese Mentalität auch am Mittwoch für einen Erfolg nötig sein wird, daran zweifelt bei der Borussia niemand. "Hertha BSC hat schon viele Jahre diesen Traum, in der eigenen Stadt endlich mal ins Finale zu kommen. Jetzt stehen sie kurz davor und daher wird diese Partie für uns ein ganz hartes Stück Arbeit“", mahnte Michael Zorc. Die Hoffnung des Sportdirektors aber ist, dass sich die eigene Mannschaft für den großen Aufwand in der gesamten Spielzeit am Ende doch noch belohnen wird: "Wir spielen eine sehr, sehr gute Saison. Für uns wäre die erneute Finalteilnahme in Berlin so etwas wie ein Sahnehäubchen."

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte