Hier geht es zu Teil 1 des Interviews mit Carsten Cramer

bundesliga.de: Wie wichtig ist in diesem Zusammenhang die Präsenz der Profi-Mannschaften vor Ort?  Der FC Bayern hat gerade eine USA-Reise hinter sich.

Cramer: Diese Reise war gut und positiv, weil auch das wieder die Bundesliga stärkt. Bayern hat zudem mit Audi, Allianz und Adidas Partner, die einen anderen strategischen und auch geografischen Ansatz wählen als zum Beispiel Borussia Dortmund. Das beißt sich dann überhaupt nicht. Jeder verfolgt zwar primär seine Interessen, aber am Ende profitiert davon das große Ganze – die Bundesliga.

"Eine Koordinierung macht hochgradig Sinn."

bundesliga.de: Sind hier alle Vereine gefordert, als Markenbotschafter der Bundesliga aufzutreten?

Cramer: Ja, wobei allerdings eine gewisse Koordinierung hochgradig Sinn macht. Sonst schlagen nachher fünf Bundesligisten innerhalb von zwei Wochen in Peking auf. Natürlich muss jeder für sich seine Zielmärkte definieren. Aber das sollte und muss über die DFL abgestimmt und koordiniert sein.

bundesliga.de: Wird auch der BVB demnächst auf weite Reisen gehen?

Cramer: Allein die Höflichkeit gebietet es, auch einmal den Menschen im Ausland einen Besuch abzustatten. Aber wir als Borussia Dortmund haben uns entschieden, nur dort hinzugehen, wo wir auch Interesse an einer nachhaltigen Entwicklung haben. Also auf keinen Fall irgendwo hinfliegen, zwei Freundschaftsspiele absolvieren, dafür eine gewisse Summe einstreichen und wieder zurück nach Hause. Das ist nicht unser Ansatz. Wenn wir schon solchen Aufwand betreiben, dann soll auch Herzblut darin stecken und dann soll es auch nachhaltig sein.

bundesliga.de: Der BVB wird in Kürze - ebenso wie auch schon die DFL - eine Repräsentanz in Singapur eröffnen.

Cramer: Wir haben durch Marktforschung festgestellt, dass wir in Südost-Asien schon einen ordentlichen Bodensatz an Reichweite generiert haben. Deswegen konzentrieren wir uns in einem ersten Schritt mit der Eröffnung unseres Büros in Singapur auf diesen Raum. Wir glauben neben der Steigerung der Medienerlöse auch im Bereich des Sponsorings und des Merchandisings weitere Vorzüge zu gewinnen. Alles, was wir dort machen, muss aber in der Konsequenz dazu führen, den Menschen dort auch die persönliche Aufwartung zu machen. Dazu gehören natürlich auch unsere wichtigsten Protagonisten - unsere Spieler. Danach lechzen die Leute, gerade im asiatischen Raum. Dort sind die Gesichter viel wichtiger, als es bei uns der Fall ist.

"Fußball made in Germany hat im asiatischen Raum einen hohen Stellenwert."

bundesliga.de: Die Bundesliga findet in Asien generell immer mehr Anhänger und dürfte damit in Sachen Vermarktung große Potenziale bieten.

Cramer: Fußball made in Germany hat im asiatischen Raum einen hohen Stellenwert, der aber leider immer noch im Schatten der englischen Premier League steht. Vieles, was wir machen, ist zurzeit darauf ausgelegt, Reichweite zu generieren. Ich finde es bärenstark, dass die Bundesliga die TV-Rechte für China an CCTV vergeben hat und damit gezielt auf Reichweite setzt und nicht auf Geld. Wir bekommen deutlich weniger Geld als die Engländer, die ihre Rechte an einen Pay-TV-Sender verkauft haben. Aber wir erreichen die Menschen dort. So können wir Reichweite aufbauen, und das ist am Ende Gold wert.

bundesliga.de: Was kann man noch tun, um in Zukunft die Schere zur Premier League zu schließen?

Cramer: Man sollte sich im Leben niemals mit etwas abfinden. Aber vielleicht muss man sich damit arrangieren, dass es immer einen gewissen Abstand gibt, der auch historischen und gesellschaftlichen Zusammenhängen geschuldet ist. Die Engländer an sich erfahren auf bestimmten Märkten historisch bedingt eine andere Wahrnehmung. Aber die Bundesliga an sich besitzt sehr viel Potenzial. Ich bin auch überzeugt, dass die Art und Weise, wie in der Bundesliga Fußball gespielt wird, sehr interessant ist. Daher denke ich, dass die Schere kleiner wird. Aber sich darüber zu definieren, diese Lücke irgendwann zu schließen, scheint mir die falsche Motivation zu sein.

bundesliga.de: Kann die Bundesliga schon in Kürze den anderen Top-Ligen Europas in Spanien und Italien den Rang ablaufen?

Cramer: Ich finde die Entwicklung der Bundesliga generell beeindruckend und glaube trotzdem, dass wir weiterhin Luft nach oben haben. Und ich bin überzeugt, dass die Primera Division oder die Seria A als Format auf Dauer hinter der Bundesliga liegen werden, weil sich diese beiden Ligen ausschließlich über ihre ein, zwei Top-Marken definieren, aber weniger über den Wettbewerb. Das ist unsere Chance und daran wird die Bundesliga weiter arbeiten.

Das Gespräch führte Dietmar Nolte

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