Dortmund - Sein Comeback war einer der Schlüssel zum Erfolg – und Mats Hummels sieht den BVB nach dem 1:0-Sieg über die TSG Hoffenheim jetzt auch auf einem guten Weg, den Tabellenkeller möglichst noch vor der Winterpause wieder zu verlassen.

Nach dem Erfolg sprach der Mannschaftskapitän, auf Anhieb wieder zweikampfstärkster Spieler auf dem Platz, über den Schlüssel zum Erfolg, lobte die Rolle von Ilkay Gündogan und Sebastian Kehl, hielt ein Plädoyer für Jürgen Klopp und warf einen Blick voraus auf die nächsten Aufgaben der Borussia.

Frage: Mats Hummels, die Erleichterung über diesen Sieg war nach dem Abpfiff quasi greifbar.

Mats Hummels: Die Erleichterung war beim Abpfiff natürlich groß. Aber das war nach dem Sieg gegen Gladbach auch schon so. Auch da hatten wir gehofft, einen Schritt unten raus zu machen. Da ist es uns nicht gelungen. Jetzt haben wir in der Bundesliga bis zur Winterpause noch drei sehr schwere Aufgaben vor der Brust, zunächst in Berlin. Dort haben wir uns traditionell immer schwer getan. Der klare Sieg letzte Saison war die große Ausnahme. Aber wir werden alles dafür geben, dass wir uns bis zum Winter noch ein bisschen weiter unten heraus kämpfen.

Frage: Stimmt es, dass Sebastian Kehl die Mannschaft vor dem Spiel mit einer emotionalen Rede heiß gemacht hat?

Hummels: Das kann er einfach!. Er hat mich vorher gefragt, ob ich etwas sagen will oder ob er das tun soll. Ich habe ihm gesagt, er soll das mal ruhig machen. Denn Kehli macht das wirklich fantastisch. Er findet die richtigen Worte und lebt das auch auf dem Platz, das ist das Wichtige. Es war aber auch die ganze Woche schon so, das wir alle unheimlich viel Gas gegeben haben im Training und uns in jeder Situation gepusht haben. Wir wissen alle, wie wichtig es ist, dass wir uns bis zum Winter noch möglichst weit rausbuddeln. Uns war schon Mitte der Woche klar, dass wir gegen Hoffenheim kämpferisch auf jeden Fall elf Mann auf dem Platz haben, die alles raushauen, was sie haben.

"Zu Null zu spielen ist der erste wichtige Schritt"

Frage: Wie sehr hat Sie der Wechsel im Tor von Roman Weidenfeller zu Mitch Langerak überrascht?

Hummels: Der Trainer hatte schon verlauten lassen, dass es eventuell einen Wechsel geben könnte. Es war auch keine große Umstellung. Das Wichtigste ist eh’, dass wir so spielen, dass der  Torwart möglichst wenig zu tun hat. Und egal, mit wem im Tor – ich hoffe einfach, dass wir noch öfter zu Null spielen als wir das bislang in dieser Saison geschafft haben.

Frage: Wie wichtig ist dieser Zu-Null-Sieg gegen Hoffenheim?

Hummels: Das ist für uns alle extrem wichtig, weil es Sicherheit und Stabilität gibt. Wenn man wie wir nach 13 Spieltagen schon 21 Gegentore kassiert hat, verleiht das auch jedem Gegner die Hoffnung, gegen uns etwas holen zu können. Zu Null zu spielen ist der erste wichtige Schritt, an dem jede Mannschaft arbeiten muss, die Erfolg haben will.

Frage: Hat sich der BVB dieses Mal bewusst auf die einfachen Dinge konzentriert - vor allem sicher zu stehen und eher lange Bälle zu spielen?

Hummels: Es war nicht unbedingt unser Ziel, aber manchmal ist es aus der Situation heraus einfach erforderlich. Wenn der Gegner Druck macht und wir gerade nicht in der Situation sind, uns mit 15 Kurzpässen zu befreien, dann schlägt man den Ball eben auch mal weit. Aber wir hatten auch viele fußballerische Momente, die wunderbar waren. Wir hätten noch viel mehr Tore schießen können. Wir hatten viele gute Chancen  - und hätten eigentlich noch mehr Chancen haben müssen aufgrund der vielen Balleroberungen in der zweiten Halbzeit. Und an der Chancenverwertung werden wir auch noch ein bisschen arbeiten.

"Wir wissen alle, dass Jürgen Klopp hier der richtige Mann ist"

Frage: Erstmals seit dem Finale in Wembley hat der BVB wieder mit der Viererkette Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer agiert. Trotz wenig gemeinsamer Spielpraxis sah das sehr gut aus.

Hummels: Wir haben drei, vier Jahre in dieser Formation zusammen gespielt. Da war es klar, dass es nicht zu großen Abstimmungsschwierigkeiten kommt. Das kann im Spiel immer mal vorkommen, aber wichtig ist das Große und Ganze – und das hat gegen Hoffenheim sehr gut funktioniert.  Es ist aber auch in diesem Fall nicht wichtig, in welcher Besetzung wir spielen,  Es zählt, dass jeder zu hundert Prozent seine Aufgabe erfüllt. Auch die Jungs vor uns – hätten die nicht gut verteidigt, hätten wir auch mit dieser Viererkette noch ein Tor kassiert. Es geht nur als Mannschaft – egal, wo man steht. Wenn man erfolgreich sein will, dann funktioniert das nur, wenn alle Elf – und am besten noch alle auf der Bank und auf der Tribüne – gemeinsam arbeiten.

Frage: Wie wichtig ist es, dass Ilkay Gündogan wieder 90 Minuten auf dem Platz stehen kann?

Hummels: Er hat klasse gespielt gegen Hoffenheim. Wir wissen alle, was für ein fantastischer Spieler er sein kann. Das muss man in Dortmund keinem erzählen. Er hat hier rund eineinhalb Jahre vor seiner langen Verletzung einen der besten Sechser bzw. Achter der Welt gegeben. Und man merkt jetzt, dass er von Woche zu Woche immer besser hinein findet. Ich hoffe natürlich, dass wir ein bisschen länger davon profitieren können. Aber erst einmal ist jetzt wichtig, dass wir auf dem Platz hart arbeitenden Leute haben. Fußballspielen kann bei uns eigentlich jeder.

Frage: Jürgen Klopp hatte die Mannschaft auf harte Arbeit eingeschworen und sich selbst in den letzten Tagen sehr kämpferisch gegeben.

Hummels: Das war nicht nur bei ihm so, sondern bei uns allen. Die Stimmung war trotz des 18. Tabellenplatzes in der Woche sehr gut. Wir haben auch Späße gemacht. Wichtig ist es, auf dem Platz dann konzentriert zu arbeiten. Das haben wir getan. Der Trainer lebt das vor, aber die Mannschaft lebt es genauso. Wir machen es nicht nur nach, es kommt auch aktiv aus der Mannschaft. Wir haben viel miteinander gesprochen.

Frage: Wie haben Sie die Rücktrittsdiskussion um den Trainer wahrgenommen?

Hummels: Das war eine Sache, die von außen herein getragen worden ist. Wir reden darüber mannschaftsintern nicht. Wir wissen alle, dass Jürgen Klopp hier der richtige Mann ist und dass er ein fantastischer Trainer ist. Wir wollen und werden zusammen aus dieser Situation heraus kommen.

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte