München - Fast 400 Bundesliga-Spiele hat Jürgen Kohler für Waldhof Mannheim, den 1. FC Köln, Bayern München und Borussia Dortmund bestritten.

Fünf Mal war er Deutscher Meister, dazu Champions-League-Sieger, Welt- und Europameister. Im exklusiven Gespräch mit bundesliga.de sagt der 44-Jährige, wem er in dieser Saison besonders die Daumen drückt, wer sein Titelfavorit ist und warum er immer noch große Sympathien für den 1. FC Köln hegt.

bundesliga.de: Wie sehr freuen Sie sich auf den Bundesliga-Auftakt?

Jürgen Kohler: Es ist immer schön, wenn die Bundesliga in die neue Saison startet. Ich freue mich auf die Spiele, das macht richtig Spaß. Die Bundesliga ist gut aufgestellt. Die Fans fiebern dem Start entgegen, ich auch.

bundesliga.de: Worauf freuen Sie sich am meisten? Und was erwarten Sie von den neuen Stars wie Raul oder Michael Ballack?

Kohler: Ich freue mich auf die vollen Stadien und die tolle Atmosphäre. Und ich bin gespannt auf die neuen Stars wie Raul. Jetzt werden auch noch Namen wie Robinho als weitere potenzielle Neuzugänge gehandelt, obwohl ich mir das ehrlich gesagt nicht vorstellen kann. Michael Ballack ist ja kein neuer Star, sondern ein alter Bekannter, der nach einigen Jahren im Ausland wieder zurückkommt.

bundesliga.de: Am 1. Spieltag treffen in den Partien Bayern-Wolfsburg, HSV-Schalke und Dortmund-Leverkusen gleich einige Favoriten in direkten Duellen aufeinander.

Kohler: Das ist ein hochinteressanter Spielplan. Es geht gleich am Anfang richtig los. Da trifft die Creme de la Creme aufeinander. Keiner weiß ja so genau, wo er steht. Da werden sicher einige überraschende Ergebnisse purzeln. Es gibt gleich drei Topspiele, in denen sogar eventuell drei Auswärtssiege möglich sind. Diese sechs Mannschaften werden sicher um den Titel mitspielen.

bundesliga.de: In Dortmund treten zwei Ex-Vereine von Ihnen gegeneinander an. Wie sind dort Ihre Sympathien verteilt?

Kohler: Ich hoffe, dass Dortmund gewinnt. Ich habe da sehr lange gespielt, sieben Jahre lang, und habe dadurch einfach mehr Sympathien für den BVB. In Leverkusen hatte ich als Sportdirektor auch eine gute Zeit. Als ich kam, stand die Mannschaft auf dem 17. Tabellenplatz. Wir haben dann den Klassenerhalt geschafft und uns in der nächsten Saison für die Champions League qualifiziert. Wir hatten einige Erfolge. Ich war zwei Jahre dort, das vergessen die meisten Leute. Trotzdem drücke ich dem BVB in diesem besonderen Spiel die Daumen.

bundesliga.de: Wie beurteilen Sie die Entwicklung der beiden Clubs?

Kohler: Leverkusen hat in den vergangenen zehn, zwölf Jahren einen Sprung nach vorne gemacht und sich positiv entwickelt. Das ist ein sehr gut geführter Verein. Auch die Borussia hat sich unter Trainer Jürgen Klopp sehr positiv entwickelt. Ich hoffe, dass sie sich für den internationalen Wettbewerb qualifiziert. Die Chancen stehen nicht schlecht. Aber niemand sollte den wenig bekannten Gegner (FK Agdam Qarabaq, die Red.) unterschätzen. Die Borussia kann für Furore sorgen.

bundesliga.de: Was trauen Sie Ihrem ehemaligen Club 1. FC Köln zu?

Kohler: Im Prinzip habe ich dem 1. FC Köln ja meine internationale Karriere zu verdanken. Da habe ich meine ersten Europacupspiele gemacht. Ich bin immer gerne in Köln in diesem tollen Stadion. Ich mag die Menschen, die Stimmung im Stadion. Man muss abwarten, welche Rolle der Verein spielen kann. Es wird keine leichte Saison. Ich bin gespannt, wie sich die vielen interessanten jungen Spieler wie Stephan Salger oder Taner Yalcin entwickeln.

bundesliga.de: Fehlt von Ihren Ex-Vereinen der Bundesliga nur noch der FC Bayern. Sind die Münchener auch für Sie der große Meisterschaftsfavorit? Vor wem müssen sich die Bayern in Acht nehmen?

Kohler: Bayern München wird immer der Titelfavorit Nummer eins sein. Das wird sich auch nicht ändern. Sie haben einfach den am besten besetzten Kader und sind in der Breite sehr gut aufgestellt. Ich denke, sie sind der Favorit. Der VfL Wolfsburg rüstet mächtig auf. Da bleibt abzuwarten, ob es wieder ein Happy End wie in der vorletzten Saison geben kann.

bundesliga.de: Abschlussfrage: Wer könnte das Überraschungsteam der Saison werden?

Kohler: Ich hoffe, dass Borussia Dortmund die Überraschungsmannschaft der Saison wird und vielleicht auch ganz vorne mitmischen kann. Das Zeug dazu haben sie meiner Meinung nach. Allerdings hat die Mannschaft noch keine Erfahrung mit der Mehrfachbelastung durch die internationalen Spiele. Wenn die Truppe die Gruppenphase der Europa League erreicht, muss man einmal gucken, wie sie das wegsteckt.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski