Donetsk - Jürgen Klopp guckte im mächtigen Mediensaal der Donbass-Arena leicht verdattert. Denn so eine Frage hatte Dortmunds Trainer vor einem Champions-League-Spiel wohl noch nie gestellt bekommen. Ob er Angst habe, dass sich seine Spieler beim Tschechen Thomas Hübschmann, der scheinbar gerade an Windpocken leide, anstecken könnten.

Klopp fasste sich schnell und antworte wie gewohnt mit einer Prise Humor. "Das ist ja wie Ebola. Aber ich denke, dass sich die UEFA damit befassen wird, ob der Spieler auflaufen darf."

Der kleine Exkurs in die Medizin wich aber sogleich wieder den sportlich wichtigeren Themen. Und vor dem Achtelfinal-Hinspiel bei Shakhtar Donetsk (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) merkte man dem BVB-Tross die ungemeine Anspannung deutlich an.

"Achtelfinale ist Motiviation genug"



Nach der 1:4-Pleite am Samstag vor heimischer Kulisse () gegen den Hamburger SV glaubt Klopp aber nicht, dass seine Kicker davon in irgendeiner Weise einen Knacks mitbekommen haben.

"Natürlich wäre es angenehmer, wenn wir das Spiel gewonnen hätten. Aber meine Mannschaft muss ich nicht extra motivieren. Für alle ist es das erste Achtelfinale in der Champions League. Das ist Motivation genug", sagte er auf Nachfrage von bundesliga.de.

Doch wie bereitet man sich auf ein Team vor, das sich in Fachkreisen zwar schon einen Namen gemacht, sich für den gemeinen Fan aber eher als Exot in die Runde der letzten 16 der "Königsklasse" geschmuggelt hat (Giovane Elber im Interview). Zumal sich Shakhtar seit November 2012 in der Winterpause befindet und sich gerade erst auf die im März beginnende Rückrunde der ukrainischen Liga vorbereitet.

Intensive Video-Vorbereitung



"Über Real Madrid oder Manchester City bekommt man zwar einfacher Informationen zu den Spielern. Aber unsere Analyse-Abteilung hat im Trainingslager von Shakhtar viele Videos mit Spielsequenzen aufgenommen, auf die wir Zugriff haben. So können wir uns über jeden Donetsk-Spieler detailliert vorbereiten", erklärte Kapitän Sebastian Kehl, der bei der Pressekonferenz neben Klopp am Rednerpult Platz genommen hatte. (XL-Galerie: Schlüsselduelle)

Auch dank dieser Videos werden die "Schwarz-Gelben" sicherlich zu der Erkenntnis gekommen sein, dass der Trip in die Ukraine kein Selbstläufer werden wird. Die Favoritenrolle kann Borussia Dortmund dennoch nicht von sich weisen. "Donetsk ist eine gefährliche Mannschaft. Sie haben eine Mischung aus Talent und Spielfreude. Wir müssen ans obere Limit gehen. Und wir wollen ein unangenehmer Gegner sein. Das soll man uns auf dem Platz ansehen", so Klopp.

Brasilianer prägen das Spiel der Ukrainer



Dabei wird der Gegner aber nicht typisch ukrainisch daherkommen. Denn gleich acht Brasilianer verdienen ihr Geld bei Shakhtar. Und alle acht sind im Mittelfeld und Sturm beheimatet. Die "Amtssprache" bei den Angriffen der Hausherren wird demnach portugiesisch sein.

"Ich befasse mich eigentlich nicht damit, was auf dem Platz besprochen wird. Wichtig ist die Leistung. Und die wird bei den vielen Südamerikanern sicherlich ganz gut sein", meinte Kehl.

Nach dem Abpfiff werden dann alle BVB-Spieler und Verantwortlichen über den ukrainischen Meister schlauer sein - und hoffentlich ohne Windpocken aber dafür mit einem Sieg im Gepäck wieder die Heimreise antreten können.

Aus Donetsk berichtet Michael Reis