Monte Carlo - Mit einem mulmigen Gefühl macht sich Club-Boss Hans-Joachim Watzke von Borussia Dortmund auf die Reise zur Auslosung der Champions League ins mondäne Spielerparadies Monte Carlo. Im Gepäck nach zwei sportlich und wirtschaftlich erfolgreichen Jahren "die einzige Altlast", die dem deutschen Double-Gewinner das Leben in der Gruppenphase erneut schwer zu schaffen machen dürfte.

Denn während Bayern München als Stammgast in der "Königsklasse" der Gruppen-Auslosung im Fürstentum Monaco am Donnerstagabend (ab 17:45 Uhr im Live-Ticker) entspannt entgegensieht, weil in Topf eins gesetzt, und auch Schalke 04 in Topf zwei lediglich ein topnotiertes Team zugelost werden kann, droht dem BVB vier aufgrund seines weiterhin niedrigen Koeffizienten in Topf vier eine Hammer-Gruppe.

Ebenfalls in Topf vier wäre Borussia Mönchengladbach gelandet. Dafür hätten die "Fohlen" aber ein Wunder im Rückspiel bei Dynamo Kiev gebraucht, der 2:1-Erfolg am Mittwochabend reichte nicht.

"Der FC Barcelona, Juventus Turin und Manchester City" skizzierte Watzke spontan als Horrorvision für die am 18. September beginnenden Gruppenspiele. Diese Konstellation ist möglich, weil der BVB wie im Vorjahr nur im letzten Lostopf landen wird. Zu ändern wäre dies nur mit sportlichen Erfolgen in Europas Fußball-Beletage. Im letzten Jahr wurde die große Chance verpasst.

"In der Bringschuld für den deutschen Fußball"



Nach dem blamablen Aus als Gruppen-Schlusslicht im letzten Wettbewerb und heftigen Kritiken ist nunmehr Wiedergutmachung angesagt. "Wir sind nicht nur in der Bringschuld für den deutschen Fußball, sondern zunächst für uns selbst, weil wir in der vergangenen Saison unsere eigenen Erwartungen nicht erfüllt haben. Es ist unsere Herausforderung, in der Champions League zumindest zu überwintern und für den deutschen Fußball die entsprechenden Punkte zu holen", sagte Sportdirektor Michael Zorc.

Trainer Jürgen Klopp ist davon überzeugt, dass seine Champions-League-Greenhorns in den letztjährigen Duellen mit Arsenal, Piräus und Marseille ihre Erfahrungen gemacht haben, und sich der BVB anders präsentieren wird. "Wir brauchen vor keinem Gegner Angst zu haben, aber Erfahrung ist in diesem Wettbewerb ein großer Faktor", ergänzte Watzke.

Fußball-Feste und weitere Millionen-Einnahmen sind auf jeden Fall garantiert. 30 Millionen Euro flossen trotz des frühen Scheiterns dennoch aufs BVB-Konto, Finalist München kassierte sogar 60 Millionen Euro. Im kommenden Wettbewerb hat jeder Teilnehmer das erhöhte Startgeld in Höhe von 8,6 Millionen Euro (Vorjahr: 7,2 Mio.) sicher, dazu kommen die Leistungsprämien der Europäischen Fußball-Union (UEFA): 500.000 Euro (Vorjahr: 400.000) für ein Unentschieden und 1,0 Millionen Euro (Vorjahr: 800.000) für einen Sieg.

FCB auf Martinez fokussiert - Draxler träumt



"Deshalb wollen wir uns in der Bundesliga auch für den übernächsten Wettbewerb qualifizieren", sagte Zorc und verwies auf die Bayern, die ihre immense wirtschaftliche Kraft als Stammgäste in der "Königsklasse" erwarben.

Als topgesetztes Team winken den Bayern machbare Aufgaben. Folglich konzentrierte man sich in München in den vergangenen Tagen mehr auf den Transfer von Javier Martinez als auf das Auslosungsspektakel im Grimaldi Forum in Monte Carlo.

Und auf Schalke, Halbfinalist im Wettbewerb 2010/11, meinte Torjäger Klaas-Jan Huntelaar: "Ich wünsche mir als Gruppenkopf eine Mannschaft aus England oder Spanien. Einen Gegner aus Italien hätte ich nicht so gerne, denn die spielen immer so defensiv." Sein 19 Jahre junger Teamkollege Julian Draxler, der schon sechs Champions-League-Spiele bestritt, hegt nur einen Traum: "Ich möchte gern einmal gegen den FC Barcelona oder Real Madrid spielen - aber erst im Achtelfinale."