Dortmund - Spiele werden im Sturm entschieden, Meisterschaften in der Abwehr. Diese alte Fußballweisheit trifft auch auf den neuen Deutschen Meister Borussia Dortmund zu. Denn bei allem spektakulären Offensiv-Feuerwerk, das der BVB regelmäßig gezündet hat, gerät beinahe in Vergessenheit, dass die Dortmunder die mit riesigem Abstand beste Abwehr (19 Gegentore in 32 Spielen) der Bundesliga vorweisen können.

Dabei fing die Saison gar nicht so gut an. Gleich im ersten Spiel blieb die Borussia gegen Bayer Leverkusen chancenlos. Mit 0:2 verloren die Klopp-Schützlinge zum Auftakt, beide Gegentore fielen noch vor der Halbzeitpause. Seitdem hat Dortmund in keinem weiteren Spiel mehr als ein Gegentor bekommen. 14 Mal spielte der BVB zu Null, nur 18 Mal bejubelten die Kontrahenten einen eigenen Torerfolg.

Viererkette besteht aus Youngstern

Die Dortmunder Abwehr lässt sich kaum aus den Angeln heben und steht bombensicher. Dies ist umso erstaunlicher, da keine erfahrenen Haudegen ihr Werk verrichten, wie sie noch von Jürgen Kohler und Christian Wörns bei der letzten Dortmunder Meisterschaft 2002 in Reinkultur verkörpert wurden.

Die Meisterdefensive des Jahres 2011 ist eine aus Youngstern bestehende Viererkette, in der der 25-jährige rechte Außenverteidiger Lukasz Piszczek der Senior ist. Die Innenverteidiger Mats Hummels (22) und Neven Subotic (22) und auch der Linksverteidiger Marcel Schmelzer (23) sind alle Jahrgang 1988.

Jung aber erfahren

Doch bei all ihrer Jugend sind die Dortmunder Defensivkünstler alles andere als unerfahren. Seit drei Jahren bilden Hummels, Subotic und Schmelzer einen eingespielten Abwehrblock, in den sich zum Beginn dieser Spielzeit der polnische Nationalspieler Lukasz Piszczek nahtlos einfügte.

Alle Mitglieder dieser "Vierergang" spielen längst in ihren Nationalmannschaften eine wichtige Rolle. Subotic verfügt über WM-Erfahrung, Hummels und Schmelzer gehörten zudem der deutschen U-21-Europameistermannschaft von 2009 an. Und auch in der Bundesliga sind sie seit Jahren mit jeweils knapp 100 Einsätzen feste Größen.

Auch für den Spielaufbau wichtig

Im Gegensatz zu ihren fußballerisch eher limitierten Vorgängern Wörns und Kohler liegen die Qualitäten der Meisterspieler 2011 nicht nur in der Defensive, sondern auch im Spielaufbau. Dabei setzt insbesondere Mats Hummels seine Mannschaftskollegen mit sehenswerten Pässen immer wieder gekonnt in Szene.

"Vor allem Mats Hummels ist ein richtig guter Fußballer und mit seiner hervorragenden Spieleröffnung und Passgenauigkeit ganz wichtig für den Spielaufbau", adelte Weltmeister Jürgen Kohler seinen Nachfolger in einem Interview mit bundesliga.de. "Sein Nebenmann Neven Subotic stabilisiert die Abwehr mit seiner Schnelligkeit, seiner Zweikampfstärke und seinem guten Kopfballspiel."

BVB setzt Maßstäbe

Auf den Außenbahnen haben Piszczek und Schmelzer mit Patrick Owomoyela und Dede zwei etablierte Stammspieler verdrängt. Die Dortmunder Defensive besteht allerdings nicht nur aus der Viererkette. Die gesamte Mannschaft spielt ein sensationelles Pressing.

Im defensiven Mittelfeld stopft Sven Bender jedes Loch. Und im Tor des BVB steht mit Roman Weidenfeller ein erfahrener Keeper, der sich vielleicht in der Form seines Lebens befindet.

Nicht zu unterschätzen ist auch die Tatsache, dass die eingespielte Viererkette der Borussen über die gesamte Saison vom in anderen Mannschaftsteilen grassierenden Verletzungspech verschont blieb. So konnte der BVB neue Maßstäbe setzen, die vielleicht sogar in einem neuen Bundesliga-Rekord münden. Den hält der FC Bayern mit lediglich 22 Gegentoren aus der Saison 2006/07. Noch.

Tobias Gonscherowski