Köln – Als Thomas Delaney im Januar 2017 beim SV Werder Bremen vorgestellt wurde, kannte ihn in Deutschland kaum jemand. Der damals 25-Jährige konnte sich beim FC Kopenhagen zwar in der Champions League beweisen, war aber außerhalb von Dänemark dennoch ein unbeschriebenes Blatt. 180 Bundesliga-Minuten später war er dann bereits in aller Munde. Sein künftiger Club Borussia Dortmund und der FC Bayern München waren seine ersten beiden Gegner in Deutschland – und Delaney bestand die Feuerprobe mit Bravour.

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Die Zuschauer im Weserstadion waren sich schnell einig: Dieser neue Däne mit der Nummer 6 ist eine echte Verstärkung. Obwohl er erst seit wenigen Wochen zum Team gehörte, marschierte Delaney am 21. Januar 2017 unermüdlich voran. Immer wieder schmiss er sich bei seinem Bundesliga-Debüt in Zweikämpfe, forderte den Ball und spielte kluge Pässe. Er war auf Anhieb der Dreh- und Angelpunkt im Bremer Spiel und hatte bei seinem ersten Auftritt gleich die meisten Ballbesitzphasen in seinem Team. Eine bemerkenswerte Bilanz für einen Neuling. Trotz der Niederlage hätte sein Debüt aus persönlicher Sicht kaum besser laufen können.

Gleich bei seiner ersten Bundesliga-Partie zeigte Thomas Delaney gegen den BVB eine bärenstarke Leistung
Gleich bei seiner ersten Bundesliga-Partie zeigte Thomas Delaney gegen den BVB eine bärenstarke Leistung © imago / Sielski

Auch eine Woche später gegen den FC Bayern München genügte Delaney im zentralen Mittelfeld wieder höchsten Ansprüchen und hatte großen Anteil daran, dass Werder bis zum Abpfiff an einem Remis schnupperte. Bereits nach dieser Partie war klar, dass den Bremern mit Delaney ein ganz starker Transfer gelungen war. Zukünftig soll er bei Borussia Dortmund seine vielseitigen Qualitäten einbringen - und es spricht viel dafür, dass er das Spiel des BVB bereichern wird.

Kleines Fragezeichen bei Delaneys Passsicherheit

"Ich möchte ein Anführer sein!“, hatte Delaney bei seiner Vorstellung in Bremen erklärt. Diesem Anspruch ist er von Beginn an auf beindruckende Art und Weise gerecht geworden. Auf und neben dem Platz. Delaneys Spiel ist äußerst komplett. Starkes Pressingverhalten und aggressive Zweikampfführung paart er mit dynamischen Läufen in die Tiefe, scharfen Flanken und präzisen Diagonalbällen. Zudem ist er dank seiner Kopfballstärke und einem wahren Hammer im linken Fuß auch durchaus torgefährlich. Ausbaufähig ist vor allem seine Passquote, die in der abgelaufenen Saison lediglich 72 Prozent betrug. Allerdings ist dies auch dem Umstand geschuldet, dass Delaney nur selten einen Sicherheitspass spielt, sondern häufig das Risiko im Spiel nach vorne sucht.

Der 26-Jährige kam im Bremer 4-3-3-System zumeist als Achter zum Einsatz, spielte in der vergangenen Saison aber auch als alleiniger Sechser oder als zentraler Spieler einer Dreierabwehrkette. Für Delaney ist das kein Problem: "Die Formation interessiert mich nicht. Ich will Fußball spielen, will laufen. In Kopenhagen haben wir hauptsächlich ein 4-4-2 gespielt, in der Nationalmannschaft ein 3-5-2 oder 5-3-2. Das macht für mich keinen großen Unterschied", verriet er im Januar 2017.

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Lucien Favre bekommt also einen äußerst flexiblen Spieler, der mit seiner aggressiven und von starker Physis geprägten Spielweise ein wenig an einen anderen Linksfuß erinnert, mit dem der Schweizer Trainer bei Borussia Mönchengladbach große Erfolge feierte. Unter Favre entwickelte sich Granit Xhaka zum Bundesliga-Star und führte die Fohlenelf in die Champions League. Eine ähnlich tragende Rolle könnte nun auch Delaney beim BVB einnehmen.

Dabei hatte Delaney einige Probleme, als er aus der Jugend des FC Kopenhagen zu den Profis stieß: "Ich musste noch einmal komplett von vorne anfangen, denn alle Dinge, die mir gegen Jugendteams gelangen, funktionierten plötzlich nicht mehr", erinnert sich Delaney an seine Anfangszeit als Profi. Er hat damals seine eigene Strategie entwickelt, die ihm den Durchbruch ermöglicht hat. "Um aufzufallen musste ich kämpfen und klüger sein als der Rest", so Delaney.

Kampfgeist und Spielintelligenz haben ihn nicht nur zu Borussia Dortmund gebracht, sondern auch zu einer großen Persönlichkeit reifen lassen. Und genau diese Eigenschaft schätzen sie beim BVB an ihrem Neuzugang. "Thomas Delaney ist ein physisch und charakterlich starker Spieler, der mit seiner offenen Art und seinem ausgeprägten Siegeswillen hervorragend in unsere Mannschaft und zum gesamten BVB passt", erklärte Michael Zorc. Der so gelobte kann es jedenfalls kaum erwarten, für Dortmund aufzulaufen: "Der BVB ist für mich einer der Top-10-Vereine in Europa und einer der beiden Top-Clubs in Deutschland – und das Stadion ist sowieso das beste in ganz Europa! Ich verspreche, dass ich immer mit viel Herz spielen werde und freue mich schon jetzt extrem auf die sportliche Herausforderung beim BVB", so Delaney. Mal sehen, wie viele Bundesliga-Minuten er diesmal braucht, um sich in die Herzen der Fans zu spielen.

Florian Reinecke