Zusammenfassung

  • Erstmals seit dem 20. Spieltag stand Nuri Sahin wieder in der BVB-Startelf.

  • Beim Sieg gegen Stuttgart überzeugt er im Dortmunder Mittelfeld.

  • Vor dem Derby gegen Schalke 04 erhöht die Tabellenkonstellation die Brisanz.

Dortmund - Mittelfeldstratege Nuri Sahin durfte endlich mal wieder in der Startelf ran – und führte Borussia Dortmund mit einer überzeugenden Leistung zum klaren 3:0-Erfolg über den VfB Stuttgart. Nach der Partie sprach der 29-Jährige über schwierige Zeiten für den BVB, seine persönliche Situation und die Ziele für den Endspurt der Saison – Derbysieg und Vize-Meisterschaft inklusive.Erst

Frage: Nuri Sahin, was war das Wertvollste an diesem Sieg über Stuttgart?

Nuri Sahin: Die drei Punkte, ganz klar. Und dass ich gespielt habe. (lacht) Nein, ganz im Ernst: Es war wichtig, dass wir in einer schwierigen Phase nicht in Rückstand geraten sind, dass wir dagegen gehalten und uns dann in der zweiten Halbzeit freigeschwommen haben. Ich denke, aufgrund der zweiten Halbzeit haben wir dann auch verdient gewonnen. Unsere direkten Konkurrenten spielen gegeneinander, Schalke hat Punkte liegen lassen - deswegen sind diese Punkte für uns besonders wichtig.

Frage: Der BVB könnte nach Abschluss dieses Spieltages fünf bzw. sechs Punkte Vorsprung auf Rang fünf haben. Ist das schon ein Fingerzeig für den Rest der Saison?

Sahin: Warten wir mal das Derby ab. Ich denke da noch etwas höher. Jetzt will ich auch das Derby gewinnen, dann wären wir in der Tabelle Zweiter. Natürlich ist es auch gut, ein Polster schaffen zu können. Wir spielen noch gegen Schalke und Leverkusen, Hoffenheim wird auch nochmal von hinten angreifen. Dieser Sieg war daher enorm wichtig. Wenn man einen Blick auf die letzten sechs Saisonspiele wirft, dann war Stuttgart für mich ein Schlüsselspiel.

"Seit ich Profi bin, habe ich es 2005 während der Finanzkrise einmal erlebt, dass beim BVB mehr über alles andere geredet wurde als über Fußball." Nuri Sahin über die aktuelle Situation beim BVB.

Frage: Sie haben nach langer Zeit mal wieder von Beginn an gespielt – und das ziemlich überzeugend. Wie war die Partie für Sie persönlich? Und wie fühlt es sich jetzt an?

Sahin: Ich bin total kaputt, aber meine Frau will noch auf ein Konzert. Eigentlich wäre es schön, mit der Familie einfach nur auf der Couch zu liegen und den Abend zu genießen. (lacht) Aber man hat ja Pflichten als Ehemann. Es war wirklich ein schöner Tag für mich. Bei mir ist es seit zwei, drei Jahren immer hop oder top. Ein Mittelding gibt es bei mir anscheinend nicht. Entweder spiele ich oder ich bin komplett raus. Bis zur Besprechung wusste ich nicht, ob ich spiele. In der ersten Halbzeit haben wir uns alle noch etwas schwer getan, aber danach dann gut gespielt. Ich finde auch, dass ich ein gutes Spiel gemacht und mich für die letzten fünf Wochen empfohlen habe.

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Nuri Sahin spielte gegen den VfB Stuttgart mal wieder eine tragende Rolle im BVB-Mittelfeld
Nuri Sahin spielte gegen den VfB Stuttgart mal wieder eine tragende Rolle im BVB-Mittelfeld © gettyimages / Stollarz / AFP

Frage: Mit dem Führungstreffer ist es ein komplett anderes Spiel geworden. Zeigt das, wie viel beim BVB im Moment tatsächlich Kopfsache ist?

Sahin: Ein Spiel wie das letzte Woche in München, das du hochverdient mit 0:6 verlierst, das schüttelt man nicht einfach so ab. Gefühlt hätte es ja sogar noch schlimmer enden können. Gerade für die Jungs, die in der ersten Halbzeit in München auf dem Platz gestanden haben, war es schwer. Das hat man auch gegen Stuttgart auf dem Platz noch gemerkt. Aber ab dem Führungstreffer haben wir wirklich ordentlich bis gut gespielt und hochverdient gewonnen.

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Frage: Haben Sie als Spieler auf dem Platz dieses Mal auch das Potenzial gespürt, das in dieser Mannschaft steckt?

Sahin: Nach dem Tor zum 2:0 hat man schon wieder mehr Fußball gesehen. Wir hatten Ballstafetten, haben den Gegner überspielt, haben den Ball offensiv angenommen statt Sicherheitsbälle zu spielen. Da hat man schon auch das Potenzial gesehen, das wir auf jeden Fall haben. Und wir hatten wieder einen Spieler wie Marco Reus dabei, der das Level nochmal komplett anhebt.

Revierderby-Wahnsinn zwischen BVB und Schalke

Frage: War es besonders wichtig, jetzt vor dem Derby gegen Schalke auch mal ein Signal in die positive Richtung zu setzen?

Sahin: Seit ich Profi bin, habe ich es 2005 während der Finanzkrise einmal erlebt, dass beim BVB mehr über alles andere geredet wurde als über Fußball. Jetzt haben wir eine ähnliche Situation. Da ist es wirklich nicht einfach. Wir haben jede Woche neue Schlagzeilen, es passiert so viel. Ich habe vor dem Spiel in der Kabine zu den Jungs gesagt: Für uns muss es jetzt heißen noch sechs Spiele, 18 Punkte - wie viele holen wir? Danach kann man dann knallhart analysieren. Das machen wir Jungs doch auch. Es ist doch nicht so, dass wir keine Kritik üben, keine Selbstkritik anbringen. Das ist ja alles vorhanden. Aber wir haben jetzt schlicht keine Zeit. Wir können keine neuen Experimente versuchen, wir können nicht einen Spieler drei, vier Wochen aufbauen – dann ist die Saison zu Ende. Es gilt, jetzt noch fünf Mal 90 Minuten unsere Leistung zu bringen und die Spiele zu gewinnen. Und so gehen wir die Sache auch an.

Frage: Der Fokus gilt jetzt ganz dem Derby. Wird da in der Mannschaft auch noch einmal das 4:4 aus dem Hinspiel ein Thema sein, als der BVB eine 4:0-Führung noch aus der Hand gegeben hat?

Sahin: (lacht gequält) Ich will über das Hinspiel nicht mehr reden. Es ist klar, dass jetzt im Umfeld noch einmal viel über dieses 4:4 gesprochen wird. Das haben wir uns selbst eingebrockt. Es ist ein Derby, da geht es immer um sehr viel. Aber jetzt ist noch einmal zusätzliche Brisanz dabei, weil der Gewinner dann auf dem zweiten Tabellenplatz steht. Das alleine reicht schon als Motivation.

"Es ist klar, dass jetzt im Umfeld noch einmal viel über dieses 4:4 gesprochen wird. Das haben wir uns selbst eingebrockt." Nuri Sahin über das Hinspiel gegen den FC Schalke 04.

Frage: Ihr Saisonziel ist also ganz klar die Vize-Meisterschaft?

Sahin: Schön wär’s! Das wäre der Idealfall. Hauptziel bleibt natürlich, sich für die Champions League zu qualifizieren. Das auf dem zweiten Tabellenplatz zu schaffen, wäre natürlich schön. Dann hätten wir unsere Nachbarn überholt und hätten auch ein versöhnliches Ende einer sehr, sehr interessanten Saison.

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte