Zusammenfassung

  • Guerreiro hat sich nach vier Monaten Pause eindrucksvoll zurückgemeldet.

  • Der Allrounder erlitt im Juni im Confed Cup mit Portugal einen Fußbruch.

  • Taktisch bieten sich seinem Trainer nun frische Optionen.

Dortmund - Raphael Guerreiro ist zurück! Der 23-Jährige hat sich nach überstandener Verletzung bei Borussia Dortmund schnell zurück in die erste Elf gespielt. In der Champions League spielte er gegen Nikosia zuletzt erstmals wieder von Beginn an und erzielte direkt ein Tor. BVB-Coach Peter Bosz dürfte die Guerreiro-Rückkehr nicht nur wegen der spielerischen Extraklasse des portugiesischen Nationalakteurs freuen. Guerreiro sorgt für ein unberechenbares Dortmunder System - weil er auf fast jeder Position auflaufen kann.

"Glück im Unglück", hieß es am 22. Juni auf der Borussia-Website. Guerreiro habe sich auf der Länderspielreise lediglich eine Prellung zugezogen. Zweieinhalb Wochen später war klar, dass sein Fuß doch einen Bruch aufwies, eine Operation nötig war. "Der Ausfall wiegt schwer", sagte der Sportliche Leiter Michael Zorc. "Raphael hat ein extrem hohes spielerisches Element in die Mannschaft gebracht."

Qualität trifft Flexibilität

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Dieses "spielerische Element" des Mannes, der als linker Flügelspieler - ob defensiv oder offensiv - ins Ruhrgebiet kam, lässt sich unterschiedlich beschreiben. Erstmal sind da die herausragenden Fähigkeiten, die er mitbringt. Guerreiro ist ein Dribbler, kontrolliert den Ball auch in der Bewegung problemlos. Sein Passspiel weist enorme Präzision auf, seine Flanken führen zu Torraumszenen. Im Antritt überragt der gebürtige Franzosen. Er ist zudem zweikampfstark, und kann schießen - was er in der letzten Saison nicht nur, aber unter anderem, gegen den FC Bayern eindrucksvoll unter Beweis stellte.

Dieses "spielerische Element" hat jedoch auch noch eine zweite Ebene. Guerreiro ist beim BVB in der letzten Spielzeit auf der linken Außenbahn und im zentralen Mittelfeld zum Einsatz gekommen - jeweils defensiv und offensiv. Einige Akteure können heutzutage mehrere Positionen ausfüllen, nur wenige aber ohne Anpassungsschwierigkeiten so viele. Außenverteidiger, Achter, offensiver Flügel, Sechser - auf höchstem Niveau.

Einer für alle

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Seitdem Bosz im Amt ist, agiert Dortmund in einem 4-3-3. Eine Viererkette sichert mit Unterstützung eines defensiven Mittelfeldspielers ab. Zwei etwas weiter vorne positionierte Akteure komplettieren das Trio in der Zentrale, zwei schnelle und torgefährliche Männer besetzen die Angriffsseiten. In der Spitze sorgt ein Stürmer - der amtierende Torschützenkönig Pierre-Emerick Aubameyang - für Gefahr.

Guerreiro könnte sich für den Trainer als Trumpf entpuppen. Einerseits kann er hinten links verteidigen - seine Stammposition, auf der er mit Portugal im Jahr 2016 Europameister wurde. Andererseits macht er die Borussia im Mittelfeld stärker. Quantitativ und qualitativ sind die Westfalen hier zwar gut aufgestellt - der Linksfuß aber bringt neue Qualitäten mit. Auf der Acht sorgt er im Vergleich mit Mario Götze, Gonzalo Castro und Shinji Kagawa für mehr Tempo und Zug zum Tor. Außen kann er eine neue Option zu Christian Pulisic, Andrey Yarmolenko und Maximilian Philipp sein, muss es jedoch nicht zwangsläufig, denn hier ist Dortmund in der Breite gut aufgestellt.

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Nachdem es sieben Clubs zum Start der Saison nicht gelang, die Bosz-Elf zu bezwingen, feierte Leipzig am 8. Spieltag ein 3:2 im Ruhrgebiet - weil RB taktisch perfekt auf den Gegner eingestellt war. Zuletzt taten sich die Borussen zunehmend schwerer und mussten einige Rückschläge verkraften. Guerreiro kann der Spieler sein, der neue Dynamik ins BVB-Spiel bringt. Den kommenden Kontrahenten dürfte es dann wieder schwerer fallen, Schwarz-Gelb die Stirn zu bieten.

Felix Tschon

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