Zusammenfassung

  • Im Dezember 2016 spielte Marius Wolf noch in der Regionalliga.

  • Bei Eintracht Frankfurt wurde er zum Stammspieler und Leistungsträger.

  • Kevin-Prince Boateng meint: Wolf kann Nationalspieler werden.

Frankfurt - Noch vor Beginn der Saison 2017/18 kannten Marius Wolf nur Experten, dann wurde der 23-Jährige der bekannteste Nobody der Bundesliga und einer der Garanten für die starke Saison von Eintracht Frankfurt. Jetzt hat sich Borussia Dortmund seine Dienste gesichert. Was können die BVB-Fans von ihm erwarten?

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Im Dezember 2016 spielte Marius Wolf noch in der Regionalliga für die zweite Mannschaft von Hannover 96. Im Mai 2018 aber gewann der vielseitige Spieler mit der Eintracht den DFB-Pokal und qualifizierte sich für die Europa League. Marius Wolf wurde in der abgelaufenen Saison zum unumstrittenen Stammspieler in Frankfurt und verstärkte mit seiner Schnelligkeit und Direktheit die Eintracht auf jeder Position. Egal, ob Trainer Niko Kovac ihn auf der rechten Verteidigerposition, im rechten oder zentralen Mittelfeld aufstellte, oder als Sonderbewacher für den gegnerischen Spielmacher wie gegen Hannover gegen den ehemaligen Eintracht-Kapitän Pirmin Schwegler – Wolf gehörte immer zu den Leistungsträgern.

„Er ist noch jung, das heißt, er wird sicher noch weiterwachsen." Niko Kovac

Fünf Tore und acht Vorlagen machen seine Bilanz außergewöhnlich. Lob ist Wolf mittlerweile gewohnt, nachdem er seine Chance ergriffen hat und er sich nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Timothy Chandler zunächst auf der rechten Verteidigerposition in die Stammelf spielte. Stürmt er mit Anlauf aus der Tiefe in die gegnerische Hälfte vor, ist er im Sprintduell kaum zu halten. Trainer Niko Kovac lobte den Senkrechtstarter immer wieder in höchsten Tönen: "Er ist noch jung, das heißt, er wird sicher noch weiterwachsen." Wenn Wolf seinen Weg konsequent weitergehe, so Kovac nach der Galavorstellung seines Spielers beim 4:2 gegen den 1. FC Köln Mitte Februar: "Dann ist vieles möglich." Und auch Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic schwärmt: "Er ist immer unterwegs, hoch und runter, den kriegst du nicht tot."

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Dabei lief es für den in Hannover aussortierten Coburger, der aus der Jugend von 1860 München stammt, auch nach seinem Leih-Wechsel nach Frankfurt im Januar 2017 zunächst nicht so gut. Eine schwere Schulterverletzung zwang ihn zur Pause. Doch in seiner ersten kompletten Saison startete er dann durch, Frankfurt zog die Kaufoption. Aus der Startelf war er nicht mehr wegzudenken. "Ich freue mich für ihn, er weiß jetzt, was er investieren muss in sich und seinen Körper, um solche Leistungen zu bringen", sagte Kovac. Körperlich legte Wolf in seiner Frankfurter Zeit enorm zu. Er ist robuster im Zweikampf geworden, weil er sein Kampfgewicht durch Krafttraining von 74 auf 79 Kilogramm steigerte. 

„Wenn der nicht Nationalspieler wird, dann höre ich auf.“ Kevin-Prince Boateng

In Hannover sei es einfach nicht gelaufen, erklärte Wolf einmal: "Frankfurt war meine letzte Chance." Und die hat der Athlet beeindruckend ergriffen. Auch weil sich ein Routinier um ihn bemühte, der selbst viele Höhen und Tiefen in seiner langen Karriere durchschritten hat. Kevin-Prince Boateng und Marius Wolf verstanden sich vom ersten Trainingstag an, nachdem der ehemalige Nationalspieler Ghanas vom spanischen Erstligisten Las Palmas nach Hessen gewechselt war. In einem kicker-Interview lobte Boateng Wolf in höchsten Tönen: "Wenn man in die Bundesliga schaut: Wer ist in seinem Alter und viel besser?", fragte Boateng und erklärte, wie er auf seinen Mitspieler eingewirkt hat: "Ich habe Marius einfach nur gesagt, dass er Vollgas geben muss. Und das macht er. Da gibt es gar keinen Halt." Boateng traut dem schnellen Wolf eine Länderspielkarriere zu, er sagte: "Wenn der nicht Nationalspieler wird, dann höre ich auf."

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Wolf und Boateng verstehen sich nicht nur auf dem Platz gut
Wolf und Boateng verstehen sich nicht nur auf dem Platz gut © imago

Längst sind die beiden enge Freunde, in einer Länderspielpause im vergangenen Jahr reisten sie zusammen nach Mailand, wo Boateng einst beim AC Milan kickte. Dort trafen sie auch Superstar Neymar von Paris St. Germain. Der bodenständig wirkende Wolf setzte sich sportlich höchste Ziele, auf das Treffen mit dem brasilianischen Weltstart angesprochen, sagte er: "Mein Ziel ist es, auch mal gegen ihn oder mit ihm zu spielen, man weiß ja nie." Jetzt könnte das schneller der Fall sein, als gedacht. Denn Paris ist ein möglicher Gegner des BVB in der Champions League.

Tobias Schächter