Zusammenfassung

  • Die 0:6-Klatsche beim FC Bayern München war dem BVB in der Anfangsphase noch deutlich anzumerken.

  • Nach dem Führungstreffer spielte die Stöger-Truppe aber befreit auf und schoss sich fürs Derby warm.

  • Nuri Sahin und Maximilian Philipp können im Schlussspurt enorm wichtig für die Borussia werden.

Dortmund - Neues Selbstbewusstsein, neuer Mut und neue Lust auf den Derbysieg: Bei Borussia Dortmund ist nach dem 3:0-Erfolg über Stuttgart eine gewisse Befreiung zu spüren. Plötzlich ist der Optimismus zurück, am Sonntag auch beim Revierrivalen auf Schalke triumphieren zu können. "Wir fahren dahin, um das Spiel zu gewinnen. Ich brenne auf den Derbysieg", bringt es Christian Pulisic auf den Punkt.

Natürlich gibt es in diesen Tagen im Ruhrpott nur ein Thema. Die Mutter aller Derbys elektrisiert die Region und die Fans laufen warm für dieses Dauerduell der besonderen Art. Das war schon am Sonntag im Signal Iduna Park zu spüren, als die Südtribüne verbal mobil machte für den Kracher gegen den Nachbarn aus Gelsenkirchen. Mit der 3:0-Führung gegen Stuttgart im Rücken brach sich nach rund 80 Minuten die Vorfreude Bahn und das Derbyfieber aus. „Wir wollen den Derbysieg“, skandierten die Schwarz-Gelben zu Tausenden. Der Glaube, im Duell mit Schalke bestehen zu können, ist wieder da – das Derby kann kommen!

Vorzeichen für den BVB haben sich wieder geändert

Vor der Partie gegen die Schwaben hatte das noch ganz anders ausgesehen. Bei der 0:6-Klatsche beim FC Bayern hatte der BVB eine Woche zuvor ordentlich Prügel bezogen und war in seinem Selbstverständnis arg getroffen worden. Schalke wiederum hatte da gerade den sechsten Sieg in Serie gefeiert und grüßte von Platz zwei der Tabelle hinab zur angeschlagenen Borussia.

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Maximilian Philipp zeigte gegen Stuttgart eine starke Leistung und erzielte seinen ersten Treffer nach langer Verletzungspause
Maximilian Philipp zeigte gegen Stuttgart eine starke Leistung und erzielte seinen ersten Treffer nach langer Verletzungspause © DFL DEUTSCHE FUSSBALL LIGA / Hangst

Dort residieren die Knappen zwar noch immer, aber der Rückstand des BVB beträgt nur noch einen kleinen Zähler. Während die Schalker beim HSV ihre erste Niederlage nach fast zwei Monaten einstecken mussten, ist die Brust der Dortmunder nach dem letztlich klaren Erfolg über Stuttgart wieder ein gutes Stück breiter und der Kopf wieder deutlich freier geworden. "Natürlich gibt uns das jetzt Selbstvertrauen vor dem Derby", stellte Maximilian Philipp zufrieden fest, der nach seiner Knieverletzung erst zum zweiten Mal wieder in der Startelf stand und gleich ein Tor erzielte.

Wie sehr die Mannschaft an dem Debakel von München mental zu knabbern hatte, war in der Anfangsphase gegen die Schwaben zu sehen. Mutlos und nervös, mit wenig Energie trat die Borussia auf, leistete sich immer wieder Ballverluste. Die Verunsicherung spielte beständig mit. In dieser Phase habe man "den Rucksack gesehen, den wir nach dem 0:6 auf dem Rücken hatten", analysierte auch Sportdirektor Michael Zorc.

Sahin lobt das spielerische Element gegen den VfB

Der Führungstreffer durch Christian Pulisic war eine Befreiung, danach entdeckte auch Zorc auf dem Rasen wieder "die gewohnten Abläufe". Was für den BVB bedeutet: spielstark, offensivfreudig, mit sehenswerten Kombinationen wie dem Doppelpass zwischen Sahin und Batshuayi, der zum 2:0 führte. "Wir hatten Ballstafetten, haben den Gegner überspielt, haben den Ball offensiv angenommen statt Sicherheitsbälle zu spielen. Da hat man schon auch das Potenzial gesehen, das wir auf jeden Fall haben", lobte Nuri Sahin.

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Video: Revierderby-Wahnsinn zwischen BVB und Schalke

Der Mittelfeldstratege, bei Peter Stögers Umbaumaßnahmen erst zum zweiten Mal unter dem Österreicher in die Startelf gerutscht, war dabei mit seiner Übersicht und seinen perfekt getimten Pässen in die Spitze einer der Garanten für den Erfolg – und gilt jetzt auch als Hoffnungsträger für das Derby auf Schalke. Ein richtig gutes Spiel bescheinigte ihm Stöger nicht nur mit Blick auf die offensiven Qualitäten. Sahin habe auch "die Jungs eingeteilt und die Räume geschlossen", freute sich der Trainer.

Stöger fiebert seinem ersten Revierderby entgegen

Stöger selbst zeigt sich in diesen Tagen vor seinem ersten Revierduell auch schon infiziert vom Derbyfieber: "Es ist für Trainer und Spieler toll, dabei zu sein. Auf so ein emotionales Spiel freut man sich die ganze Woche." Auch Michael Zorc ist sicher, "dass hier alle sehr heiß sind – vor allem, wenn man das Hinspiel noch in  Erinnerung hat." Damals führte die Borussia im "Jahrhundertderby" zur Halbzeit schon mit 4:0, musste am Ende mit dem 4:4-Remis aber eine gefühlte Niederlage hinnehmen. "Gerade deswegen will ich dieses Mal unbedingt gewinnen", spricht  Christian Pulisic der Mannschaft aus der Seele.

Dabei geht es dieses Mal nicht nur um das Prestige und die Vorherrschaft im Revier, es geht eben auch um eine kleine Vorentscheidung um Platz zwei und die Vize-Meisterschaft. Entsprechend erwartet Zorc von seinen Profis am Sonntag "eine weitere Leistungssteigerung“, um tatsächlich mit drei Punkten am Nachbarn vorbei zu ziehen. Der letzte Sieg des BVB auf Schalke liegt schon viereinhalb Jahre zurück. Im Oktober 2013 hielt Roman Weidenfeller einen Elfmeter, während Pierre-Emerick Aubameyang und "Kuba" Blaszczykowski zwei der drei Tore zum 3:1-Sieg schossen. Treffer Nummer drei war ein satter Schuss in den Winkel – und kam von Nuri Sahin. Vielleicht nicht das schlechteste Omen.

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte