Saarbrücken - Obwohl er den Flieger Richtung Paderborn erwischen musste, nahm sich Jürgen Klopp auf der Pressekonferenz die Zeit, um gut gelaunt über den Genuss der Stadion-Spezialität zu sinnieren. Eine "richtig geile Bratwurst" sei es gewesen, die nach dem Spiel zu 25 Stück in die Kabine geliefert wurde. "Wir hatten schon in Mainz Bratwurst nach dem Spiel. Da ist wohl jemand aus unserem Tross abergläubisch. Aber lecker!", sagte der Dortmund-Trainer.

Gut geschmeckt hatte ihm zuvor auch der Auftritt seiner Mannschaft, die durch ein souveränes 2:0 beim Drittligisten 1. FC Saarbrücken zum 14. Mal ins Viertelfinale des DFB-Pokals eingezogen war. Obwohl praktisch mit dem letzten Aufgebot angetreten, ließ der BVB dem vermeintlichen Pokalschreck keine Chance, auch wenn er bei einem Pfostenschuss eine kurze Schrecksekunde zu überstehen hatte.

84 Prozent Ballbesitz - Rekord

Das Tempo, das die Borussen von Beginn an vorgaben, ließ schnell einen Zwei-Klassen-Unterschied erkennen. Am Ende standen 84 Prozent Ballbesitz für Schwarz-Gelb zu Buche. Ein Wert, den der BVB nie zuvor in einem Pflichtspiel erreicht hatte.

"Es roch nicht eine Minute nach einer Sensation. Wir haben ein tolles Spiel gemacht, auch wenn die Chancenverwertung hätte etwas konsequenter sein können. Alles andere war perfekt", sagte Klopp, der vor allem von der Leistung seiner "Jungs mit wenig Spielpraxis" sehr angetan war. Jonas Hofmann, Julian Schieber, Oliver Kirch und Co. konnten sich alle problemlos in die Mannschaft einfügen und für kommende Aufgaben empfehlen.

Neben den Langzeitverletzen Neven Subotic, Mats Hummels und Marcel Schmelzer traten die angeschlagenen Sven Bender, Marco Reus und Nuri Sahin die Reise ins Saarland gar nicht erst an und feuerten die Kollegen gemeinsam daheim von der Couch aus an, wie Sahin via Twitter verkündete - "Kuba" und Lukas Piszczek kamen von der Bank, Robert Lewandowski stand für den Notfall bereit.

Der zweite Anzug passt

Klopp schickte im altehrwürdigen Ludwigsparkstadion, das mit seinen Flutlichtmasten, der verwitterten Tartanbahn und der antiquierten Anzeigetafel den Charme der 80er Jahre versprüht, eine Elf aufs Feld, die in dieser Konstellation womöglich nicht mehr zusammenspielen wird.

Doch schnell wurde klar, dass auch der zweite Anzug passt und sich, wie Klopp befand, top-seriös präsentierte. "Als ich die Aufstellung gemacht habe, dachte ich, dass es trotz der vielen Ausfälle immer noch eine geile Mannschaft ist", meinte der Coach. "Es liegt daran, dass wir einfach super Jungs im Kader haben. Selbst in der Konstellation von heute brauchen wir uns vor niemandem zu verstecken", sagte Manuel Friedrich.

"Jetzt Bayer überholen"

Im erstmals seit 21 Jahren ausverkauften Saarbrücker Stadion konnte der BVB nach den schweren Spielen der vergangenen Wochen mit seinen Kräften vergleichsweise gut haushalten. Zudem sollen rechtzeitig zum Top-Spiel am Samstag gegen Leverkusen einige der angeschlagenen Stammkräfte wieder fit werden.

"Keiner hat sich hier wehgetan und ich hoffe, dass die Jungs, die sich zuhause etwas ausruhen konnten, wieder mitmachen können", sagte Klopp, denn dann gilt es "Bayer zu überholen und Platz zwei zurückzuholen", wie Friedrich, der 147 Bundesliga-Spiele für die Werkself bestritten hat, vor dem Duell mit den alten Kollegen im Gespräch mit bundesliga.de erklärte.

Wollen wieder Zweiter sein

Zuvor gilt es, sich auf den Gegner, der laut BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke eine "unfassbar starke Saison spielt" optimal einzustellen.

"Wenn ich sehe, dass wir mit 31 Punkten an dritter Stelle stehen und in England Tabellenführer Arsenal London mit gleicher Punktzahl vier Zähler Vorsprung hat, dann weiß man, was Leverkusen leistet." Mit Respekt, aber auch mit breiter Brust wollen die Schwarz-Gelben die Aufgabe angehen.

"Wir wollen am Samstagabend den zweiten Tabellenplatz zurück. Das ist keine Frage. Dafür werden wir alles tun. Das wird zwar ein schweres Spiel, aber wir sind bereit", sagte Watzke.

Ein Sieg und der BVB zieht aufgrund des besseren Torverhältnisses wieder an Leverkusen vorbei. Dann wird womöglich in der BVB-Kabine der Appetit wieder groß sein, denn auch in Dortmund gibt es richtig leckere Bratwurst.

Aus Saarbrücken berichtet Markus Hoffmann