Am Dienstag stand Jörg Butt endlich wieder bei einem Pflichtspiel zwischen den Pfosten. Sein erstes Spiel für den FC Bayern München wird allerdings nicht zu seinen wichtigsten zählen. Fast anderthalb Jahre liegt sein letzter große Tag für den Fußballer Jörg Butt schon her.

Am 29. Oktober 2007, um 22.16 Uhr, wurde der dreimalige Nationaltorwart im Heimspiel von Benfica Lissabon beim Stand von 1:1 gegen Maritimo Funchal für Stammkeeper Quim eingewechselt.

Butts Rivale hatte die Rote Karte gesehen, und 44.000 Zuschauer im Estadio da Luz schauten nun gebannt auf den Deutschen und seine erste Aktion in der portugiesischen SuperLiga. Funchals Ariza Makukula lief an - und Butt parierte mit seinem ersten Ballkontakt den Foulelfmeter.

Klinsmann: "Jörg hat eine Chance verdient"

Die Fans waren begeistert, Benfica siegte in Unterzahl noch 2:1. Doch im darauffolgenden Spiel musste Butt wieder dahin zurück, wo er zuvor sieben Ligaspiele und 31 Minuten verbracht hatte: auf die Bank. Im Landespokal durfte er zwar ran, zuletzt im Februar 2008. Doch in der Liga blieben 59 Minuten Einsatzzeit und ein gehaltener Elfmeter alles, woran es sich nach dem einjährigen Aufenthalt bei Benfica zu erinnern lohnt für den mittlerweile 34 Jahre alten Torwart.

Dass Butt am Dienstagabend gegen Sporting Lissabon für seinen neuen Club Bayern München nun in der Champions League seine lang ersehnte Premiere ausgerechnet gegen den ehemaligen Stadtrivalen erlebte, bedeutete für ihn "eine zusätzliche Motivation", wie er sagte: "Auf diesen Tag habe ich mich die ganze Zeit vorbereitet, dafür habe ich jeden Tag hart gearbeitet. Die Vorfreude war vor dem Spiel riesengroß. Die Champions League ist immer etwas Besonderes und es ist auch etwas Besonderes, für den FC Bayern zu spielen. Deswegen bin ich glücklich, dass das Spiel so gelaufen ist."

Treffsicherster Torwart der deutschen Fußballgeschichte

Möglich wurde der Tausch im Tor mit Stammkeeper Michael Rensing auch durch den 5:0-Auswärtssieg im Achtelfinalhinspiel. Das Risiko personeller Rochaden war für Jürgen Klinsmann angesichts des überaus komfortablen Vorsprungs überschaubar. "Jörg hat eine Chance verdient", sagte der Trainer über den Routinier, der sich stets loyal verhalten hatte, als Rensing in die Kritik geraten war.

Butt wollte diese Chance nutzen und sich für weitere Einsätze empfehlen. "Ich war immer die Nummer 1, ob in Hamburg oder in Leverkusen. Es ist auch grundsätzlich hier mein Ziel zu spielen", sagte der gebürtige Oldenburger, der sich in seiner Karriere nicht nur als Elfmeterkiller, sondern auch als Schütze vom Punkt einen Namen gemacht hat. Mit 26 Toren in 324 Bundesligaspielen ist er der treffsicherste Torwart der deutschen Fußballgeschichte.

Lobende Worte an die Vorderleute

Am Dienstag hätte er sein Torekonto erhöhen können, aber den Strafstoß in der 82. Minute durfte Miroslav Klose verwandeln. "Für mich ist das ein bisschen blöd, weil ich mit dem Luca hätte gleichziehen können mit drei Toren in der Champions League." Aber Butt gönnte seinem Kollegen den Treffer, denn der Stürmer war bis dahin im Spiel ohne Treffer geblieben. Den Bayern-Keeper beschäftigte eher der Gegentreffer durch Lissabons Moutinho.

"Man ärgert sich als Torhüter immer über ein Gegentor." Nach dem Spiel fand Butt als erstes lobende Worte für seine Vorderleute. "Man muss der Mannschaft ein riesen Kompliment machen. Nach dem hohen Hinspielerfolg so konzentriert bis zum Schluss zu spielen, das zeigt den Charakter. Da müssen wir weitermachen. Wir müssen jetzt nicht jedes Spiel 7:1 gewinnen, aber hochkonzentriert in die nächsten Partien gehen, um in der Bundesliga weiter nach vorne zu kommen."

Vize-Meister mit Bayer Leverkusen

Nur zu einem Titel hat es für Butt, über den Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sagt, er kenne "vom Charakter her keinen besseren Spieler", nie gereicht. Mit Bayer Leverkusen wurde er 2002 Vize-Meister, Vize-Pokalsieger und an der Seite des aktuellen Nationalmannschaftskapitäns Michael Ballack Zweiter der Champions League. Wenig später folgte Vize Nummer 4: Als Ersatzmann hinter Oliver Kahn und Jens Lehmann mit der Nationalmannschaft bei der WM in Südkorea und Japan.

Mit Bayern München hat er nun die Chance auf die ersten zwei Titel seiner Karriere. "Wenn wir so weitermachen wie bis jetzt, dann können wir in dieser Saison einiges erreichen." Für dieses Ziel will er sogar seine persönlichen Interessen zurückstellen.

Vertrag bis 2010

"In erster Linie geht es um den Verein und darum, gemeinsam mit der Mannschaft Titel zu gewinnen. Wir haben viel Potenzial, können Meister werden und auch in der Champions League weit kommen. Daraus ziehe ich Motivation und will meinen Teil beitragen", sagte Butt, fügte aber hinzu: "Im Moment ist die Reihenfolge klar, aber im Fußball geht es manchmal ganz schnell. Das habe ich selbst schon erlebt."

Das war in Leverkusen, als er vom heutigen Nationaltorwart Rene Adler verdrängt wurde. Danach ging er zu Benfica, um einmal einen Elfmeter halten zu dürfen. Dass er sich von seinem Engagement bei den Bayern mehr verspricht, hatte er schon nach seinem ablösefreien Wechsel im Sommer 2008 verdeutlicht. Er freue sich riesig auf die Champions League und sei überzeugt, dass er auch gebraucht werde, sagte Butt damals. Bis Juni 2010 läuft sein Vertrag.