Vigo/Köln - Neue Spieler, Rückkehr zum alten System, neuer Kapitän: Mit einer völlig veränderten Mannschaft wird Bundestrainer Joachim Löw Weltmeister Deutschland am Dienstag in das letzte Länderspiel des Jahres bei Europameister Spanien in Vigo (ab 20.30 Uhr im Liveticker) schicken. 

Allerdings stehen Löw im Prestigeduell zum Jahresabschluss nur noch elf Weltmeister zur Verfügung, lediglich vier von ihnen waren im Finale von Rio zum Einsatz gekommen. Schon nach dem mageren 4:0 gegen Gibraltar kündigte Löw eine "andere Mannschaft" an, danach sagten in Manuel Neuer und Jerome Boateng zwei Weltmeister ab, zudem bestand das erstmals seit langem praktizierte 3-5-2-System den Test nicht.

Löw wird wohl zum 4-2-3-1 zurückkehren. Kapitän wird in Abwesenheit von Bastian Schweinsteiger und seiner Dauer-Vertretung Manuel Neuer diesmal Sami Khedira sein, falls er trotz einer Knöchelverletzung spielen kann.

"Müssen Abstriche machen"

"Dieses Jahr war sensationell gut und wird in unserer Geschichte immer einen besonderen Stellenwert haben. Das wäre auch von einer Niederlage in einem Testspiel nicht anzukratzen", verkündete der 54-jährige Bundestrainer. "Ob die technischen und taktischen Abläufe klappen, da bin ich mir auch nicht zu 100 Prozent sicher. Da muss ich schon Abstriche machen", sagte Löw, der zudem "andere Vorzeichen" erwartet, "weil wir es in dieser Zusammensetzung wohl nicht schaffen werden, mehr Ballbesitz zu haben".

Sollte nach fünf enttäuschenden Auftritten seit dem WM-Triumph auch dieses Spiel verloren gehen, wäre dies für den Bundestrainer denn auch kein Drama. "Es ist nicht schön, wenn man am Ende des Jahres verliert", meinte er: "Aber es ist keine Hypothek. Für das nächste Jahr spielt das überhaupt keine Rolle. Und im Hinblick auf das Turnier 2016 schon gar nicht. Wenn wir unseren taktischen Horizont erweitern, uns qualifizieren und eine gute Vorbereitung auf die EM haben können, ist alles gut." Bei dieser EM, so stellte Löw klar, bleibe der Titel "das Ziel. Aber da haben wir ja noch ein bisschen Zeit."

Volland in der Startelf

Von anfangs 23 berufenen Spielern stehen Löw trotz der Nachnominierung des Wolfsburger Neulings Robin Knoche nur noch 19 zur Verfügung. 17 von ihnen könnten zum Einsatz kommen, weil Löw das Wechselkontingent je nach Spielverlauf komplett ausschöpfen wird. Für den Sturm kündigte Löw den Einsatz des Hoffenheimers Kevin Volland an.

Im Tor werden Roman Weidenfeller und Ron-Robert Zieler wohl je eine Halbzeit spielen, eine endgültige Entscheidung ist noch nicht gefallen. Zentral defensiv dürfte Löw auf Benedikt Höwedes vertrauen. Links liegen Erik Durm und Gibraltar-Debütant Jonas Hector wohl gleichauf. Zudem werden vermutlich Antonio Rüdiger und der noch von einer Wadenprellung geplagte Shkodran Mustafi in der Abwehr spielen, beide können sowohl innen als auch rechts agieren.

Zentral defensiv dürften Sami Khedira oder Toni Kroos spielen. Rechts offensiv hat sich Karim Bellarabi erst einmal festgespielt, auf links dürfte Mario Götze rutschen, zentral ist Thomas Müller zu erwarten. 

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Spanien: Casilla/Espanyol Barcelona (28 Jahre/0 Länderspiele) - Azpilicueta/FC Chelsea (25/9), Bartra/FC Barcelona (23/3), Sergio Ramos/Real Madrid (28/123), Bernat/Bayern München (21/1) - Raul Garcia/Atlético Madrid (28/1), Koke/Atlético Madrid (22/15), Ignacio Camacho/FC Malaga (24/0), Isco/Real Madrid (22/5) - Morata/Juventus Turin (22/1), Paco Alcacer/FC Valencia (21/5). - Trainer: Del Bosque

Deutschland: Weidenfeller/Borussia Dortmund (34 Jahre/4 Länderspiele) - Rüdiger/VfB Stuttgart (21/4), Mustafi/FC Valencia (22/5), Höwedes/Schalke 04 (26/30), Durm/Borussia Dortmund (22/6) - Khedira/Real Madrid (27/52) Kroos/Real Madrid (24/56) - Bellarabi/Bayer Leverkusen (24/3), Müller/Bayern München (25/61), Götze/Bayern München (22/40) - Volland/1899 Hoffenheim (22/2) - Trainer: Löw

sid