Berlin - Sami Khedira scherzte mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, Lukas Podolski schoss schnell ein Erinnerungsfoto per Handy und selbst  wieder schmunzeln. Die Stimmung war gelöst, als die Weltmeister am Montag in Berlin das Silberne Lorbeerblatt erhielten - die höchste staatliche Auszeichnung für Sportler.

Bundespräsident Joachim Gauck würdigte die 21 anwesenden Weltmeister nach dem 25. Jahrestag des Mauerfalls für ihr völker- und nationverbindendes Auftreten. Gauck lobte die Nationalmannschaft im Schloss Bellevue für das gestiftete "Wir-Gefühl", die gelebte Integration und die Rolle als sympathische Botschafter.

Interner Zusammenhalt als "großartige Botschaft"

"Wir alle in Deutschland haben uns gefühlt, als wären wir Weltmeister geworden", erklärte Gauck: "Tatsache ist, dass der Fußball in Deutschland es vermag, ein starkes Wir-Gefühl zu erzeugen." Die vier WM-Titel Deutschlands 1954, 1974, 1990 und nun 2014 markierten "wichtige Etappen auf dem Weg unseres Landes nach dem Krieg".

So hätten sich schon 1954 - Gauck war damals 14 - "viele im Osten genauso als Weltmeister gefühlt wie die Westdeutschen. Man durfte es im Osten nur nicht so furchtbar laut sagen". Und auch 20 Jahre später waren "wir im Osten wie selbstverständlich mit Weltmeister geworden", denn es habe "immer so etwas wie 'Fußballdeutschland'" gegeben, "ein Zusammengehörigkeitsgefühl über die Grenze hinweg".

Die "großartige Botschaft" dieser Mannschaft sei zudem der interne Zusammenhalt, "die ganz selbstverständliche Spiegelung der Einwanderungsgesellschaft". Und so schwärmte der 74-Jährige: "Was für eine starke und sympathische, sportlich und menschlich rundum begeisternde Mannschaft." Und zwar mit "Fußball, der oft, meistens begeisternd war, der Freude und Spaß ausgelöst hat und der meilenweit entfernt war von einer verbissenen Erfolg-um-jeden-Preis-Mentalität".

Lahm bedankt sich für die Unterstützung

Der nach der WM zurückgetretene Kapitän Philipp Lahm bedankte sich bei Gauck und Merkel für die Unterstützung: "Es war immer etwas Besonderes, wenn Sie bei uns in der Kabine waren." Anschließend überreichte er einen goldenenen Bildband "One Night In Rio", weil Sie "zwar dabei waren, aber eben nicht die gesamten sechs Wochen".

Insgesamt waren am Montag 130 Gäste im Schloss Bellevue anwesend. Neben Merkel, Innenminister Thomas de Maizière, FIFA-Boss Joseph S. Blatter und DFB-Präsident Wolfgang Niersbach gehörten auch die brasilianische Botschafterin, Mitglieder des Sportausschusses und die sportliche Leitung sowie der Betreuerstab der Nationalelf dazu. Am Abend steht im Berliner Sony-Center die Weltpremiere des WM-Films "Die Mannschaft" auf dem Programm.

Die Spieler, die nach den Weltmeisterschaften 2002, 2006 oder 2010 bereits das Silberne Lorbeerblatt erhalten hatten, bekamen dieses Mal eine Ehrennadel. Teammanager Oliver Bierhoff wurde bereits zum fünften Mal geehrt: "Ich kann mir bald einen Kranz machen", sagte er.

SID