In Hamburg ist HSV-Jungstar Maxim Choupo-Moting offizieller Botschafter, in Berlin der deutsch-türkische Musiker Muhabbat. Im Rahmen des außergewöhnlichen Projektes der Frankfurter Buchmesse "Fußball trifft Kultur" haben die beiden eine wichtige Vorbildfunktion für junge Schüler übernommen.

Kicken und Lernen, Dribbeln und Lesen, Tore schießen und dabei soziale Kompetenzen stärken: Was im ersten Moment unvereinbar zu sein scheint, sind feste Bestandteile des Projekts "Fußball trifft Kultur". Schüler aus bildungsfernen Familien erhalten zweimal pro Woche professionelles Fußballtraining und zusätzlichen Förderunterricht.

Durch die Begeisterung der Kinder für den Sport soll die Lust aufs Lernen und Lesen geweckt werden. Das Projekt wurde erstmals im Schuljahr 2007/2008 mit großem Erfolg in Frankfurt am Main an der Karmeliterschule durchgeführt, Kooperationspartner war dabei die Fußballschule von Eintracht Frankfurt. Am 22. Oktober beginnt das zweite Schuljahr.

Auch in Berlin und Hamburg treffen jetzt Fußball und Kultur mit Unterstützung von Hertha BSC und des HSV sowie der Hilfe von Sozialarbeitern aufeinander: Am 15. September hat das Projekt an zwei Schulen in Berlin begonnen, am 7. Oktober ging es erstmals in Hamburg an den Start.

Positive Auswirkungen des Sports auf die Lernbereitschaft

"Unser Fernziel ist es, dass mal alle Bundesliga-Städte bei dem Projekt mitmachen", sagt Karin Plötz, die Initiatorin und Leiterin des Projekts. Die eigentliche Idee hat sie aus England importiert. Ein Lehrer, der in London die Fächer Sport, Mathe und Physik unterrichtet, hatte von den positiven Auswirkungen des Sports auf die Lernbereitschaft in seinen anderen Fächern berichtet.

"Wenn bereits in den ersten beiden Schuljahren die Grundlagen nicht richtig gelernt werden, fällt es immer schwerer, den Anschluss zu halten", sagt Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse. "Genau hier setzt das Projekt an: Der Sport ermöglicht einen neuen, unbeschwerten Zugang zum Lernen und motiviert die Jugendlichen dazu, sich mit Kultur auseinanderzusetzen."

Bildung als Grundlage für Chancengleichheit

"Die Kinder lernen im Sport, Regeln einzuhalten und sich an Fairness zu halten. Und sie haben Erfolgserlebnisse, die ihr Selbstbewusstsein stärken. Das überträgt sich auch auf den anderen Unterricht. Anfangs haben manche Schüler noch versucht, sich vor dem Förderunterricht zu drücken. Aber am Ende hat keiner das Projekt abgebrochen", berichtet Plötz.

"Unterm Strich war das Projekt besonders für die Schüler eine großartige Sache", bilanziert Monika Lack, Schulleiterin der Karmeliterschule. "Ich habe viele der Kinder von einer ganz neuen Seite kennengelernt. Das war auch für mich eine sehr gute Erfahrung."

Die Schule liegt im Frankfurter Bahnhofsviertel und hat einen sehr hohen Migrantenanteil, was die besondere Relevanz von Bildung als Grundlage für Chancengleichheit deutlich macht.

"Habe jetzt mehr Spaß am Lesen"

"Ich habe vorher beim Fußball immer viel gefoult und dabei den anderen manchmal weh getan", erzählt Yasemin Duroglu, eine der Teilnehmer. "Aber jetzt ist meine Technik besser, und ich muss gar nicht mehr foulen. Ich bin sogar Kapitän meiner Mannschaft im Verein geworden, weil ich so gut geworden bin."

Vor oder nach dem Training gab es noch zusätzlichen Unterricht für die Kinder. Auch hier drehte sich beim Lernen viel um das Thema Fußball. "Ich habe jetzt mehr Spaß am Lesen und Schreiben als vorher und bin da auch besser geworden", sagt Soleman Samiri, ein weiterer Teilnehmer des Projekts. "Am liebsten lese ich spannende Bücher, Krimis und so. Und aufs Lernen habe ich auch mehr Lust als früher."

Sonderaktionen bei allen Projekten

Neben dem Fußballtraining und den Ergänzungsunterricht wird es bei allen Projekten auch Sonderaktionen geben: Geplant sind beispielsweise ein Rap-Poetry-Workshop, ein Kochkurs oder der Besuch eines Museums. Im kommenden Jahr soll "Fußball trifft Kultur" auch auf andere Länder ausgeweitet werden.

Für seinen innovativen Ansatz wurde "Fußball trifft Kultur" im August 2007 als "Ausgewählter Ort 2007" der Standortinitiative "Deutschland – Land der Ideen" ausgezeichnet.