Hannover - Vierundzwanzigeinhalb Jahre alt waren die Spieler im Durchschnitt, die in der Startformation von Hannover 96 gegen den 1. FC Köln standen. Und der Trend bei den "Roten" geht weiter Richtung Jugend.

Nicht nur mangels des nötigen Geldes verzichten die Norddeutschen auf teure Neuverpflichtungen, sondern auch auf Grund guter Erfahrungen: Konstantin Rausch, Christopher Avevor und Manuel Schmiedebach, die beim 2:1 gegen Köln in der Anfangsformation standen, sind eine Bestätigung für den eingeschlagenen Weg. Ebenso wie der eingewechselte Ex-Karlsruher Lars Stindl sowie Tim Hofmann, Felix Burmeister und Willi Evseev, die zu Saisonbeginn aus dem eigenen Nachwuchs den Sprung in den Profikader schafften.

Hannover verzichtet auf Fußball-Internat

Dabei verzichtet Hannover bewusst auf ein Fußball-Internat und konzentriert sich auf Talente aus der Umgebung der niedersächsischen Landeshauptstadt. "Es ist für Jungs in dem Alter für ihre Stabilität wichtig, die Familie im Rücken zu haben", begründet U-17-Trainer Daniel Stendel die Philosophie der 96er. Sollte trotzdem jemand fernab seiner Heimat für die "Jungen Roten" spielen wollen, wird er in einer Jugend-WG untergebracht.

In der lebt auch Christopher Avevor, der aus Kiel an die Leine kam und über die U 19 den Sprung in den Profikader schaffte. Gegen Köln bestritt der 18-Jährige sein drittes Spiel in der Bundesliga von Beginn an. Im Interview mit bundesliga.de sprach der junge Verteidiger danach über das Gefühl, in der Bundesliga zu spielen, und über die Ziele in dieser Saison.

bundesliga.de: Christopher Avevor, das dritte Bundesligaspiel von Beginn an, Lukas Podolski als Gegenspieler. Was geht da in Ihnen vor?

Christopher Avevor: Es war immer mein Traum, ganz oben zu spielen. Bundesliga ist ein geiles Gefühl. Ich weiß natürlich, dass ich derzeit dabei bin, weil Emanuel Pogatetz leider verletzt ist und auch andere Innenverteidiger bei uns nicht zur Verfügung stehen oder standen. Mein Ziel bleibt aber natürlich ein Stammplatz.

bundesliga.de: Wie beurteilen Sie die Partie gegen Köln?

Avevor: Ich denke, wir haben verdient gewonnen. Wir haben sehr gut gestanden und kaum Chancen zugelassen. Köln wurde erst gegen Ende der Partie stärker. Da haben wir uns vielleicht ein wenig zu weit zurückgezogen.

bundesliga.de: Im Frühjahr hat Hannover gegen denselben Gegner noch 1:4 verloren. Was bedeutet dieser Sieg?

Avevor: In erster Linie drei Punkte. Und nach den beiden Niederlagen zuvor ist dieser Sieg wichtig fürs Selbstvertrauen, denn mit Hoffenheim, Dortmund, Mainz und dem Hamburger SV kommen in den nächsten Wochen schwere Brocken auf uns zu.

bundesliga.de: Sie sind erst 18 Jahre alt. Helfen Ihnen die erfahrenen Spieler?

Avevor: Auf dem Feld bleibt dafür kaum die Zeit. Da hilft jeder jedem. Wir leben auch von unserem Teamgeist. Aber im Training gibt es schon Tipps von den erfahrenen Kollegen. Die Stimmung in der Mannschaft ist super.

bundesliga.de: Nach dem besten Saisonstart von Hannover 96 gab es zwei Niederlagen in Folge. Kamen da Gedanken an die vergangene Saison auf?

Avevor: Nein. Natürlich war die Heimniederlage gegen St. Pauli bitter. Da hätten wir schon gern gewonnen. In München darf man verlieren. Uns ist doch allen klar, dass wir ein paar Monate nachdem wir im letzten Moment den Abstieg vermieden haben, nicht auf einmal jedes Spiel gewinnen. Für uns ist jetzt das Ziel, dass wir weiterspielen wie zu Beginn der Saison.

Das Gespräch führte Jürgen Blöhs