Stuttgart - Die Suche nach neuen Talenten und deren Ausbildung wird kaum in einer anderen Liga so intensiv betrieben wie in der Bundesliga. Der VfB Stuttgart gehört mit zehn A-Jugend und sechs B-Jugend-Titeln zu den erfolgreichsten Ausbildungsclubs. Jetzt haben die Schwaben ein neues Leistungszentrum eröffnet.

Kann man sich im Ausbildungsbetrieb fühlen wie im Sticker-Sammelalbum? Man kann. Jedenfalls, wenn es um das neue Nachwuchs-Leistungszentrum des VfB Stuttgart geht. Die Idee ist so einfach wie pfiffig: Überall im neuen, über 2700 Quadratmeter großen Nachwuchsleistungszentrum für U-11 bis U-19 Teams direkt neben der Clubzentrale und der Mercedes-Benz-Arena kleben die Gesichter von Spielern, die der schwäbische Club einmal bis in den Profifußball führte - und dazwischen ist immer Platz für neue Abzieh-Bilder. Die Botschaft, die dahinter steckt, hat mit der Motivation zu tun, alles zu geben: Schau hin, da ist noch Platz für Dein Foto.

Spitzen-Wert im deutschen Fußball

Motivation steht für die Schwaben neben der bis ins Detail altersgerechten Ausbildung im Mittelpunkt ihres Nachwuchskonzeptes. Weitere Beispiele gefällig? Im Innenhof der neuen Anlage ist ein Kunstrasenplatz installiert: Fußballspielen ausdrücklich zu jeder Tageszeit erlaubt! Dazu wurde eine Sprintstrecke im Gebäude gebaut - sprinten jederzeit erlaubt. Jede U-Mannschaft verfügt über eine eigene Kabine, die in aufsteigender Reihenfolge nebeneinander angeordnet sind. Die Botschaft dahinter: Einsatz lohnt sich, er führt direkt zur nächsten Stufe, sprich in die nächste Kabine. Immer zu sehen sind das Stadion und die Trainingsplätze der Profis - quasi als Zielvorgabe.

Und, wenn es darum geht, zu veranschaulichen, wie "erfolgreich" der Club als Ausbildungsverein ist, durchforstet der VfB regelmäßig jeden Montag die Aufstellungen von Fußballclubs. Und das weltweit. Das Forschungs-Ergebnis kann sich sehen lassen. Dahinter steht der Versuch, zu "beweisen": Wie gut schafft es der schwäbische Club, den Fußball-Nachwuchs bis ans Ziel zu führen, eben bis in den Profikader. "Rund fünf Prozent der in Deutschland ausgebildeten Nachwuchs-Fußballer, die es in einen Profikader schaffen, kommen vom VfB Stuttgart“, sagt VfB-Direktor Stefan Heim. Das ist neben dem Wert von Bayern München der Spitzen-Wert im deutschen Fußball.

"Ausbildungskonzept immer weiter entwickeln"

"Alle Clubs tun sehr viel für die Ausbildung junger Nachwuchsspieler", sagt Stefan Heim. "Deshalb ist es wichtig, das Ausbildungskonzept immer weiter zu entwickeln. Wir wollen durch die Erhebung auch zeigen, es lohnt sich, den Nachwuchs in unsere Hände zu geben, weil dort die Chance, es zu schaffen, mit am höchsten ist".          

Manchmal sind kleine Zwischenschritte nötig, bis man ganz oben angekommen ist. Eine Möglichkeit schon vor dem Schritt in den Profifußball im Kreise der rund 200 schwäbischen Nachwuchskicker auf sich aufmerksam zu machen, wäre die Wahl zum "Tor des Jahres". Der spektakulärste oder schönste Treffer wird auf der großen Weihnachtsfeier aller Nachwuchsteams gewählt.

Um keine Zweifel aufkommen zu lassen: Kein Treffer aus der großen Bundesliga steht hier zur Wahl, sondern es geht ausschließlich um Tore der VfB-Jugendteams. Dass sich die lange Ausbildung lohnen kann zeigen auch einige aktuelle Beispiele aus dem Stuttgarter Kader: Torwart Sven Ulreich, die beiden Verteidiger Timo Baumgartl und Antonio Rüdiger, Mittelfeldspieler Christian Gentner und Stürmer Timo Werner wurden im eigenen Club ausgebildet und schafften den Sprung. "Wir erfinden hier nicht das Rad neu, aber wir bemühen uns, es noch ein Stückchen besser zu machen", sagt Stab-Direktor Heim.

Oliver Trust