Stuttgart - Reha- und Präventions-Training Seite an Seite mit Fußball-Profis. Beim VfB Stuttgart ist das in der vereinseigenen "Reha-Welt" möglich. Die Stuttgarter Macher haben festgestellt, der "Kontakt" zur Außenwelt tut auch den eigenen Profi-Patienten gut.

An der Mercedes-Straße in Stuttgart Bad Cannstatt wird geschuftet. Nicht immer da, wo Fußballprofis am liebsten trainieren: auf dem Rasen. Manchmal ist der berühmte Schritt zurück notwendig, wenn es eine Verletzung zu überwinden gilt. Aber selbst wenn Geduld gefragt ist, bis es zurück ins Team-Training geht, auf eines müssen die Profis des VfB Stuttgart - ebenso wie alle anderen Patienten - hier nicht verzichten: Den direkten (und motivierenden) Blick auf die Mercedes-Benz-Arena und die Trainingsplätze der Profis und Nachwuchsteams der Schwaben.

Einzigartig in Deutschlands Sportlandschaft

Dass die "Reha-Welt" des VfB direkt neben Stadion und Clubgelände liegt, ist kein Zufall sagt Stefan Heim, der zuständige Direktor der Stuttgarter. "Eine Verletzung oder auch Prävention ist immer auch Kopfsache", sagt Heim. Deshalb schaut der Patient selbst aus dem Bewegungsbecken direkt auf den "Fußball-Hot-Spot" nebenan. Nur knappe 100 Meter trennen die Welt, die ein umfassendes Angebot an Sportmedizin, Gesundheit, Rehabilitation und spannende Events bietet, von der Welt, in der für den letzten Schliff in Sachen Wettkampf gesorgt wird.

Das kann durchaus spannend sein, denn auf den über 1000 Quadratmetern Gesundheits-Welt kommt es nicht selten vor, dass der "normale Patient" neben etwa VfB-Torwart Sven Ulreich auf dem Ergometer schwitzt oder einem anderen der Stuttgarter Profis. Als die Stuttgarter im Heim-WM-Jahr 2006 darüber nach dachten, die umfassende Rehabilitation ihrer Profis in die eigene Hand zu nehmen, um den gesamten Weg der Gesundung besser im Blick zu haben, kam ein Projekt heraus, das relativ einzigartig in Deutschlands Sportlandschaft sein dürfte.

Profis schätzen das Angebot

Seitdem jedenfalls kümmert sich ein Team aus rund 30 erfahrenen Sport-Ärzten, Physio-Therapeuten Sport-Therapeuten und Psychologen nicht nur um die VfB-Profis, das Bundesliga-Volleyball-Team der MTV Allianz-Frauen, Sportler anderer Disziplinen, im Ausland spielende Profis oder die Profitänzer des Musicals "Tarzan". Der "normale Patient" zählt ebenso zum Kundenkreis.

"Dass sie beim Reha-Training auch andere Menschen treffen, und nicht zur Reha an einen weiter entfernten Ort fahren müssen, um dort wieder andere Fußball-Profis zu treffen, schätzen unsere Profis sehr", beschreibt VfB-Direktor Stefan Heim die Vorteile, zu denen eben auch die "kurzen Wege" zählen. Ebenso können Fußball-Profis und Ärzte auf eine lückenlose Krankenakte zurückgreifen, die nicht erst mühsam überall zusammen gesucht werden muss. Und obendrein werden die Fußball-Profis von ihnen vertrauten Ärzten und Physios die gesamte Reha-Zeit über betreut.

In "Boot-Camps" wird intensiv trainiert

Mittlerweile haben die Stuttgarter Macher ihr Angebot ausgeweitet, um neben Reha-Training und Präventions-Kursen noch mehr Abwechslung zu bieten. In so genannten "Boot-Camps" wird beispielsweise eine Woche lang auf Mallorca intensiv unter der Anleitung von VfB-Reha-Welt Mitarbeitern trainiert.

Der in Moskau spielende Mittelstürmer Kevin Kuranyi hat sich einmal für diese Variante entschieden. Ebenso VfB-Ex-Profi und deutscher Meister von 2007 Fernando Meira. Seit Neuestem gibt es im mediterranen Klima dazu ein so genanntes einwöchiges Aufbau-Training für gestresste Mit-Menschen, die ihren Akku wieder aufladen wollen.

Wenn sich Körper Geist und Seele, umfassend erholen können, steigen bei Profis wie dem "normalen" Fußballfreund Lebens-Qualität und Wohlbefinden. Ums schwitzen allerdings kommt man auch in der Stuttgarter Reha-Welt nicht herum.  

Oliver Trust