Den ersten Fanbeauftragten der Bundesliga hat Borussia Mönchengladbach bereits 1988 eingestellt. Seitdem hat sich dieser Beruf zu einer wichtigen und unverzichtbaren Säule in der Fanarbeit aller Bundesligisten entwickelt.

Der in anderen europäischen Ländern nahezu unbekannte Beruf des Fanbeauftragten soll dort jetzt offiziell eingeführt werden.

Europäischer Fußball-Fankongress (EFFC) in Barcelona

Neben Thomas Schneider, Koordinator Fnangelegenheiten der DFL, nahm auch Mönchengladbachs Fanbeauftragter Thomas "Tower" Weinmann jüngst am europäischen Fußball-Fankongress (EFFC) in Barcelona teil und stellte dort die Arbeit der Fanbeauftragten in Deutschland vor.

In Barcelona nahmen mehr als 200 Fans aus 30 UEFA-Ländern an den sechs verschiedenen Workshops und an der Mitgliederversammlung teil. Der EFFC wurde 2008 auf Initiative der UEFA ins Leben gerufen.

"Spanien und Italien haben großen Nachholbedarf"

"Im Vorfeld gab es von der UEFA bereits einige Arbeitstreffen, so dass mit dem Resultat aus dem Kongress bereits ein Ergebnis erzielt wurde. Die Vereine, die ab der Saison 2012/2013 in der Champions- oder Europa League spielen, müssen einen Fanbeauftragten hauptamtlich im Verein eingestellt haben", nennt Weinmann den Beschluss "als großen Erfolg".

In der Bundesliga arbeiten inzwischen mit Ausnahme des SC Freiburg alle Clubs mit hauptamtlich angestellten Fanbeauftragten. "In anderen europäischen Ländern ist das allerdings ganz anders. Da gibt es so etwas überhaupt nicht. Vor allem Spanien und Italien haben in diesem Bereich großen Nachholbedarf. Für sie ist das ganze absolutes Neuland", sagt Weinmann.

Enormer Schub für Fanarbeit

"Es wird der Fanarbeit sicher einen enormen Schub geben, wenn europaweit das bei uns so erfolgreiche Modell Fanbeauftragte eingeführt wird, denn das macht eine neue Kooperationsebene möglich. Welche dann wiederum weitere Netzwerkarbeit mit mehr Berücksichtigung von Faninteressen und einen angemessenen Umgang mit Fans als Teil des Spiels möglich machen", ist Thomas Schneider überzeugt.

Noch gibt es in anderen Ländern Bedenken unter den Fans, dass ein Fanbeauftragter, der vom Verein bezahlt wird, nicht mehr die Interessen der Fans vertreten kann. Diese Bedenken galt es auszuräumen. "Der Fanbeauftragte hat innerhalb eines Fußballvereins eine ganz wichtige Puffer-Funktion. Er muss zwischen den Interessen der Fans und dem Verein vermitteln. Er muss eine starke Persönlichkeit haben und beide Seiten verstehen", erklärt Weinmann.

"Bundesliga ist sicher der Maßstab"

Thomas Schneider weiß, dass andere Länder den Standard der Bundesliga aber nicht von heute auf morgen erreichen werden: "Die Bundesliga ist sicher der Maßstab, kann aber auch nicht unbedingt heute schon das Vorbild für Europa in Sachen Fanbetreuung durch die Clubs sein. Dazu sind die Strukturen und Voraussetzungen in den Ländern und Ligen noch zu unterschiedlich.

Entscheidend wird sein, dass die jeweiligen Fankulturen ihre Beziehungen und Kommunikationskanäle zu den Verantwortlichen von Staat, Polizei und den Clubs auf ein vernünftiges Niveau upgraden."