Sinsheim - Am Sonntag geht es für die TSG 1899 Hoffenheim gegen Schalke. Zum Start in die Saison fuhr die Mannschaft vier Remis in vier Spielen ein. Mark Alexander Uth spricht im Vorwege der Partie über die aktuelle Situation der TSG und den nächsten Gegner.

Frage: Herr Uth, Sie erleben mit der TSG Hoffenheim ein Wechselbad der Gefühle: Nach dem 4:4 in Mainz nach einem 1:4-Rückstand wurde die Mentalität der Mannschaft gelobt, nach dem spätem 1:1-Ausgleich in Darmstadt wieder die Wankelmütigkeit kritisiert. Wo steht Hoffenheim aktuell?

Mark Alexander Uth: Ich denke, wir stehen irgendwo dazwischen. Der Punkt gegen Mainz war sehr gut, das Remis am Ende gegen Darmstadt natürlich schlecht. Eine Enttäuschung mussten wir auch beim 2:2 gegen Leipzig hinnehmen. Positiv ist, dass wir noch kein Spiel verloren haben.

Frage: Was muss die Elf im Heimspiel gegen Schalke am Sonntag besser machen, damit es mit dem ersten Saisonsieg klappt?

Uth: Wir haben uns in der zweiten Halbzeit in Darmstadt dem Spiel des Gegners angepasst und nur noch lange Bälle nach vorne geschlagen. Wir müssen nicht nur 45 oder 60 Minuten unser Spiel durchziehen, sondern 90 Minuten und auch bis zur letzten Sekunde kollektiv besser verteidigen.

>>> Alle Infos zu #TSGS04 im Matchcenter

Frage: Ist der desolate Start von Schalke 04 mit Null Punkten ein Vorteil für euch, oder eher ein Nachteil?

Uth: Das ist eine gute Frage. Vielleicht sind sie nervös, weil sie unter Druck stehen, vielleicht motiviert, weil sie unbedingt punkten müssen. Ich weiß es nicht. Ich weiß aber, dass Schalke eine gute Mannschaft ist, die sich noch nicht gefunden hat. Wir müssen unser Spiel spielen und die Partie wie eine normale Bundesligabegegnung angehen. Wir haben die Klasse, das Spiel zu gewinnen.

Frage: Vor Ihren Wechsel aus Heerenveen nach Hoffenheim, soll auch der FC Schalke an Ihnen interessiert gewesen sein…

Uth: …ich denke, ich habe mit dem Schritt nach Hoffenheim alles richtig gemacht.

Frage: Zu Beginn der vergangenen Runde wollte Ihnen der Sprung in die Stammelf nicht gelingen, hatten Sie da Zweifel an sich?

Uth: Nein, nie. Man muss auch in schlechten Zeiten hart weiterarbeiten und darf den Kopf nicht hängen lassen.

Frage: Der Durchbruch gelang Ihnen aber erst, nachdem Julian Nagelsmann das Traineramt in höchster Not übernommen hatte.

Uth: Ich denke, dass der Fußball, den Julian spielen lässt, am besten zu mir passt. Dieses Offensivpressing mit dem schnellen Umschalten und dem schnellen Torabschluss entspricht meiner Spielweise.

Frage: Sie haben aktuell drei Tore in vier Spielen erzielt, hatten aber auch Chancen für mehr Treffer.

Uth: Es stimmt, dass ich ein, zwei Mal besser hätte abschließen können. Aber wenn ich aus jeder Chance ein Tor machen würde, dann würde ich beim FC Barcelona spielen.

Frage: Machen Sie sich nicht kleiner als Sie sind: Schon vor dem EM gab es Gerüchte, dass Sie auf dem Nominierungszettel von Bundestrainer Joachim Löw stehen.

Uth: Es ist natürlich ein Traum und es wäre Wahnsinn, wenn ich tatsächlich einmal für die Deutsche Nationalmannschaft auflaufen würde. Aber daran denke ich aktuell nicht. Im Moment ist es wichtig, dass wir mit der TSG endlich den ersten Sieg einfahren, am besten schon am Sonntag gegen Schalke.

Frage: In Hoffenheim haben Sie den Sprung in die Bundesliga erst im zweiten Anlauf geschafft. Warum hat es in Ihrer Heimatstadt Köln beim FC nicht geklappt?

Uth: Ich wurde beim FC mit 17 aussortiert, weil ich angeblich zu dünn und schmächtig war. Nach zwei Jahren bei Viktoria Köln haben sie dann beim FC ihre Meinung geändert und mich wieder zurückgeholt. Damals war es aber schwer für junge Spieler, in der Profimannschaft wurde mehr auf erfahrene Spieler und Profis aus dem Ausland gesetzt.

>>> Jetzt Mark Alexander Uth im offiziellen Bundesliga Fantasy Manager holen

Frage: Sie sind dann in die Niederlande gewechselt, wo Sie in Heerenveen und in Almelo in der Eredivisie gespielt haben. Was hat Sie dort voran gebracht?

Uth: Hauptsächlich, dass ich regelmäßig erste Liga gespielt habe. Wenn man sich immer auf höchstem Niveau mit anderen misst, dann bringt einen das weiter. Die Zeit in Holland war sehr wichtig für meine Entwicklung.

Frage: In welchen Bereichen mussten Sie sich dann erneut verbessern nach der Rückkehr nach Deutschland und dem Wechsel nach Hoffenheim?

Uth: Der größte Unterschied zwischen der Eredivisie und der Bundesliga liegt in der viel höheren Trainingsintensität und dem größeren Erfolgs- und Konkurrenzdruck in Deutschland. Dieser Intensität muss man sich stellen und sich ihr anpassen.

Frage: Sie sind ein Stürmer, dessen Unberechenbarkeit herausragendes Merkmal ist. Auf welcher Position sind Sie eigentlich ausgebildet?

Uth: Ich bin eigentlich ein Mittelstürmer, das habe ich auch in Holland gespielt. In Hoffenheim hat mich auch Markus Gisdol aber schon als Rechtsaußen ausprobiert, mittlerweile habe ich diese Position angenommen. Julian Nagelsmann gibt mir auf ihr viele Freiheiten, ich kann breit bleiben, aber auch nach Innen ziehen.

Frage: Letztes Jahr bildete noch Kevin Volland mit Andrej Kramaric und Ihnen das Angriffstrio. Mit Sandro Wagner aus Darmstadt kam für Volland, er nach Leverkusen wechselte, ein anderer Spielertyp: ein klassischer Mittelstürmer. Hat das Ihr Spiel verändert?

Uth: Sandro ist eher ein Wandspieler. Als Andrej letzte Saison vorne drin gespielt hat, ließ er sich häufig auch zurückfallen. Sandro bleibt tiefer und bindet so auch die Innenverteidiger. Die überlegen sich zwei Mal, ob sie so einen Stürmer alleine lassen. Das gibt natürlich auch den anderen Offensivspielern ein bisschen größere Freiheiten.

Frage: Im Oktober beginnen Sie ein Sport-Business -Fernstudium. Das ist ungewöhnlich für einen Profi während der Karriere.

Uth: Es gibt ja auch ein Leben nach der Karriere. Fußball ist mein Leben und ich will auch nach meiner Laufbahn in diesem Bereich weiterarbeiten. Dafür will ich mich früh genug breit aufstellen. Und wenn man ein paar Jahre nichts mehr gemacht hat, dann merkt man schon, dass die grauen Zellen zurückgehen (lacht). Nein, ich denke, es kann nichts schaden.

 

Das Interview führte Tobias Schächter