Köln - Borussia Dortmund:bleibt weiter auf der Suche nach der Konstanz auf höchstem Niveau. Der Gala von Madrid folgte beim 1:1-Unentschieden beim 1. FC Köln ein hart erarbeiteter Punktgewinn. Verantwortlich dafür war Marco Reus, durch dessen Ausgleich in letzter Minute der BVB den Rückstand auf die Tabellenspitze sogar um einen Punkt verkürzen konnte.

Marco Reus verkörpert seit seinem Comeback vor zweieinhalb Wochen die Konstanz, die Dortmund braucht, um in der Tabelle in höhere Regionen vorzudringen als der derzeit unbefriedigende 6. Platz. Fünf Spiele absolvierte der 27-Jährige seit seiner Rückkehr nach einer Schambeinentzünding, die ihn fast ein halbes Jahr außer Gefecht gesetzt hatte.

"Der wichtigste Spieler in der Offensive"

In diesen fünf Partien in Bundesliga und Champions League schoss Reus vier Tore, sechs weitere legte er auf. Das sind überragende Werte. Und die beiden letzten Treffer in Madrid und Köln sicherten kurz vor dem Abpfiff jeweils wichtige Punkte. Der Blondschopf beließ es in Köln dabei, seine Taten in Form seines 50. Treffers für den BVB für sich sprechen zu lassen. Er verzichtete auf alle Interviews.

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Dafür lobte ihn sein Kapitän überschwenglich. "Er ist der wichtigste Spieler unserer Offensive, ganz außergewöhnlich. Hoffentlich bleibt er uns lange erhalten", adelte Marcel Schmelzer seinen Teamkollegen. "Marco Reus ist ein Spieler, der durch seine Ausstrahlung, Torgefahr und auch seine Persönlichkeit nicht zu ersetzen ist", unterstrich auch BVB-Trainer Thomas Tuchel die Bedeutung des Fußballers des Jahres 2012. "Die Art und Weise wie er zurückgekommen ist, ist sehr eindrucksvoll. Seine Bedeutung war allen klar und wird jetzt schwarz auf weiß ganz offensichtlich."

BVB profitiert von RBL-Pleite

Während Pierre-Emerick Aubameyang, mit 15 Toren aktuell mit Abstand bester Bundesliga-Torjäger, wie immer gegen Köln leer ausging und total abgemeldet war, explodierte Marco Reus in der letzten Minute des Spiels mit einem knallharten Schuss ins kurze Eck auf schöne Vorarbeit von Adrian Ramos. Der erhoffte Dreier gegen den FC blieb zwar zum fünften Mal in Folge aus, trotzdem konnten die Westfalen dank der überraschenden Niederlage von Spitzenreiter Leipzig in Ingolstadt den Rückstand auf Platz 1 auf nunmehr acht Punkte verkürzen.

Dem konnte Michael Zorc aber nur wenig abgewinnen. Der BVB-Sportdirektor war stocksauer über den leichten Fehler von Marcel Schmelzer, der einen Ball im Mittelfeld verlor und danach Foul spielte. Aus dem fälligen Freistoß resultierte - "weil wir den ganz schlecht verteidigt haben", so Zorc - der Kölner Führungstreffer. "Und diesem Rückstand laufen wir 60 Minuten gegen eine sehr gut verteidigende Kölner Mannschaft hinterher", ärgerte sich Zorc. Immerhin: "Die Moral war in Ordnung. Wir müssen mit dem Punkt leben."

Tuchel stellt sich vor sein Team

Vom Spielausgang war auch Thomas Tuchel nicht begeistert. Anders aber als noch vor zwei Wochen nach der Niederlage in Frankfurt nahm er sein Team in Schutz und sah mehr das große Ganze. "Ich finde, dass eine Entwicklung auf jeden Fall erkennbar ist. Dass diese Entwicklung auch noch ein paar Dellen hat, ist die eine Sache", referierte der Dortmunder Coach.

"Man muss aufpassen, dass man nicht zu kritisch wird. Sie können einen Wetterbericht lesen, in dem Regen und Sturm angekündigt wird. Du weißt, was auf dichzukommt und erlebst es dann. Obwohl du das alles weißt, fühlt es sich trotzdem sch... an, wenn es passiert", sorgte er mit einem Vergleich für einige Lacher. "Du kannst wissen, welche Probleme in der Saison, in der du acht neue Spieler ohne Bundesliga-Erfahrung integrieren musst, kommen könnten und dann kommt es so und fühlt sich zäh an. Was ich aber heute gesehen habe, ist eine Basis, auf der wir weiter lernen, Punkte holen. Heute ist das Kompliment viel größer als der erhobene Zeigefinger." 

Die oftmals kritisierte fehlende Konstanz, die mitunter zähen Partien in der Bundesliga nach grandiosen Champions-League-Feiertagen, erklärt Tuchel mit der Dauerbelastung in den englischen Wochen und den fehlenden Trainingsmöglichkeiten. "Wir waren gegen Gladbach gut, weil wir vorher mal eine komplette Trainingswoche hatten. Wir hatten die Zeit, uns in Stimmung zu bringen, ordentlich zu regenerieren und mit der mentalen und körperlichen Frische das Spiel anzugehen." Sollte die These des Trainers stimmen, muss sich der kommende Gegner, die TSG Hoffenheim, warm anziehen. Denn in der nächsten Woche kann sich der BVB ganz auf die Partie im Kraichgau konzentrieren. 

Aus Köln berichtet Tobias Gonscherowski