München - Wenn zum Auftakt des 2. Spieltags der 1. FSV Mainz 05 am Freitagabend die SpVgg Greuther Fürth empfängt, wird sich der Fokus des Interesses wieder auf die Seitenlinien richten. Denn dort arbeiten bei beiden Vereinen mit Thomas Tuchel und Mike Büskens zwei der auffälligsten Trainer der Bundesliga. Leidenschaft und Emotion verkörpern beide, wie vor ihnen nur Ewald Lienen und Jürgen Klopp. "Wenn ich am Spielfeldrand einpenne, gehe ich besser nach Hause!", sagte Ewald Lienen über seine Trainerzeit . Das gilt gewiss auch für die beiden authentischen Übungsleiter Büskens und Tuchel.

"Es gibt keine Saison, die als Abziehbild für eine künftige dient", sagt Thomas Tuchel im Gespräch mit bundesliga.de. Genau das Gleiche könnte man über die beiden Trainer sagen, die sich zwar neben dem Platz sehr ähnlich sind, in der Arbeit mit der Mannschaft aber ihren eigenen Stil prägen.

Von Nobodies zu Bundesligatrainern



Thomas Tuchel verfügte vor seinem Dienstantritt in der Saison 2009/10 als Trainer über keinerlei Erfahrungen im Profibereich, trotzdem führte er die "05er" im ersten Jahr souverän zum Klassenerhalt. Jetzt geht Tuchel bereits in seine vierte Saison mit den Mainzern. In dieser Zeit gelang es dem Übungsleiter unter anderem, die Rheinhessen in die Europa-League-Qualifikation zu führen. 2011 wurde er für seine Leistungen vom DFB mit dem Titel "Trainer des Jahres" ausgezeichnet.

Auch beim "Kleeblatt" geht Mike Büskens bereits in seine vierte Spielzeit mit dem Bundesligaaufsteiger. Nach den Engagements als Interimstrainer beim FC Schalke 04 gab Büskens bei der SpVgg sein Debüt als Chef, und führte die Mannschaft erstmals in der Vereinsgeschichte in die Bundesliga.

Fürth kann auch anders



Tuchel wie Büskens setzen taktische Disziplin bei den von ihnen favorisierten Spielsystemen voraus. Tuchel hat die Mainzer dank seiner akribischen Detailarbeit auf eine höhere taktische Entwicklungsstufe gehoben. Hohes Verteidigen, laufintensives Arbeiten gegen den Ball, schnelles Umschaltspiel mit flachen Pässen - all das wurde vom 39-Jährigen in Mainz nicht erfunden, aber so konsequent wie sonst bei kaum einem anderen Verein umgesetzt.

Büskens ließ in der 2. Bundesliga in der Regel mit einer "Doppel-Sechs" im defensiven Mittelfeld, zwei offensiven Außen und zwei echten Stürmern spielen. Mit dieser offensiven Ausrichtung waren die Fürther vor allem in der vergangen Saison sehr erfolgreich.

Doch auch die Variabilität in der taktischen Formation und der sich daraus ändernden Spielweise zeichnet beide Mannschaften aus. So agierten die Franken zum Bundesligastart gegen den FC Bayern in einem 4-1-4-1-System. Stephan Fürstner gab den einzigen "Sechser", die vier Akteure davor sollten die Räume zusätzlich eng machen.

Beeindruckende Mainzer Flexibilität



Solche Systemwechsel sind für Tuchel Grundvoraussetzung, um in der Bundesliga zu bestehen. "Der Trainerjob setzt meiner Meinung nach grundlegend voraus, dass man offen für Einflüsse von außen und lernwillig bleibt", sagt Tuchel. "Es ist eine ständige Weiterentwicklung." Diese in eine flexible Spielweise auf den Platz zu übertragen, gelingt den Mainzern sehr gut, seit Tuchel in der Verantwortung steht.

Folglich agieren die "05er" taktisch sehr flexibel, gleich mehrere Systeme werden beherrscht, um die legendären "Match-Pläne" des Trainers mit Leben zu füllen. Ein 4-2-3-1 gehört ebenso zum Repertoire wie das 4-4-2 mit klassischer "Doppelsechs" oder mit Raute, auch ein 4-3-3 oder 4-3-1-2 mit drei Abräumern ist den Mainzern nicht unbekannt. Oft wechselt die Mannschaft auch während des laufenden Spiels die taktische Ausrichtung. So vielseitig ist kaum eine andere deutsche Mannschaft.

"Wenn man sieht, wie stark wir uns in den letzten zwei Jahren weiterentwickelt haben, dann ist das ein Verdienst von Thomas Tuchel und seinem Trainerteam", lobt der Mainzer Mittelfeldspieler Eugen Polanski die Arbeit seines Chefs.

"Die Mannschaft wird alles aus sich herausholen"



Das Gleiche gilt für die Erfolgsgeschichte der SpVgg Greuther Fürth, die mit Büskens an der Seitenlinie endlich im geglückten Bundesligaaufstieg endete. "Es wird Enttäuschungen und Durststrecken geben. Aber diese Mannschaft wird alles aus sich herausholen, und ich bin sehr zuversichtlich, dass wir eine gute Rolle in der Bundesliga spielen werden", sagte Büskens im Gespräch mit bundesliga.de vor der Saison.

Dass dafür ein langfristiger Plan nötig ist, spiegelt sich auch in den Vertragsverlängerungen der beiden Übungsleiter wider. Die Bundesliga wird sich also auch weiterhin auf zwei Trainer freuen, die stets mit viel Leidenschaft an der Seitenlinie dabei sind und eher nach Hause gehen würden, als am Spielfeldrand einzupennen.

Steffen Hoss