Hamburg. Für den Hamburger SV steht am Freitagabend mit der Auftaktpartie zum 4. Spieltag der Bundesliga bei Borussia Mönchengladbach nach der bitteren 1:2-Niederlage in Köln vor zwei Wochen das zweite schwere Auswärtsspiel in Folge an. Doch trotz vieler verletzter und gesperrter Spieler freut sich HSV-Coach Bruno Labbadia auf den Vergleich mit den Fohlen.

Genau 100 Tage ist es her, dass der HSV in Karlsruhe den Kopf noch einmal aus der Schlinge gezogen und den Abstieg in die 2. Bundesliga auf dramatische Art und Weise verhindert hat. Jetzt, dreieinhalb Monate später, sieht die Situation an der Elbe nur bedingt besser aus. Mit erst einem Sieg und schon neun Gegentoren ist Hamburg wieder unten dabei. Der große Umbruch, in dessen Zuge 15 Spieler den Club verließen, darunter ehemalige HSV-Heroen wie Rafael van der Vaart, Heiko Westermann und Marcel Jansen, hat noch keine Früchte getragen.

Steiniger Weg

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"Dass noch ein steiniger Weg vor uns liegen wird, war klar", stellt Labbadia vor dem Gladbach-Match noch einmal klar. "Wir sind immer noch auf der Suche nach Stabilität. Das geht nicht von heute auf morgen, aber die Mannschaft ist willig". Der Trainer vertraut seinem Kader. Der Faustpfand der Hamburger ist der Teamgeist. Nach dem Abgang von Regisseur van der Vaart wird ein "Leader" im Team vergeblich gesucht. Die teils fehlende individuelle Klasse kompensiert der HSV durch mannschaftliche Geschlossenheit.

In Mönchengladbach muss Labbadia sein Team wieder verändern aufgrund von Verletzungen und der Rotsperre von Emir Spahic (Foto). Besonderes Kopfzerbrechen bereitet ihm dabei die Abwehr. "Es ist schwierig für mich zu planen, da ich nicht weiß, ob ich einen oder sogar zwei Spieler am Freitag ersetzen muss." Spahic wird auf jeden Fall fehlen.

Labbadia muss improvisieren

Hoffnung auf einen Einsatz besteht noch bei Kapitän Johan Djourou. Der Schweizer laboriert an einem Muskelfaserriß, den er sich beim Heimsieg gegen Stuttgart zuzog. Als Ersatz stehen Gojko Kacar, Gideon Jung und Cleber bereit. Im Tor wird Routinier Jaroslav Drobny stehen, der die verletzten René Adler und Andreas Hirzel ersetzen wird. Bei beiden Keepern geht die Tendenz dahin, dass sie ausfallen werden.

"Drobny hat die Länderspielpause genutzt. Besonders das Testspiel gegen den VfL Osnabrück (4:1) war wichtig für ihn, um wieder Spielpraxis zu bekommen", erklärt Labbadia. Der Tscheche stand zuletzt am 25. Spieltag der vergangenen Saison im Kasten des HSV. In Hoffenheim sah er damals die Rote Karte. Am Ende der Saison zog sich Drobny dann eine Schultereckgelenkssprengung zu.

Der Japaner Gotoku Sakai kehrte erst am Mittwochabend zurück in die Hansestadt. Er war genauso wie Albin Ekdal und Michael Gregoritsch auf Länderspielreise. Letztgenannter konnte mit der österreichischen U21-Nationalmannschaft ordentlich Selbstvertrauen tanken. Gregoritsch erzielte in zwei Spielen in Aserbaidschan und gegen Russland drei Tore. "Die Erfolgserlebnisse mit Österreich haben ihm gut getan und werden ihm sicherlich einen Schub geben", glaubt Labbadia.

"Einer wie Hunt hat im Kader gefehlt"

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Eine Premiere im Team der Rothosen wird wahrscheinlich Neuzugang Aaron Hunt (Foto) feiern. "Wir hatten ihn schon lange auf dem Zettel", freut sich Labbadia über seinen Last-Minute-Coup. "Er kann hinter der Spitze agieren, aber auch auf den Halbpositionen. Außerdem ist er torgefährlich und besitzt ein gutes Passspiel. Das hat uns im Kader noch gefehlt", sagt Labbadia. Für den Ex-Wolfsburger Hunt ist Gegner Mönchengladbach ein gutes Omen. In seinem ersten Bundesliga-Spiel 2005 im Trikot des SV Werder traf der 29-Jährige gegen die Fohlen.

Apropos Fohlen. Die Gladbacher sind äußerst enttäuschend in die Saison gestartet und verloren die ersten drei Spiele. "Die Gladbacher wollen unbedingt die ersten Punkte einfahren und ihr erstes Spiel gewinnen. Das wird ein intensives Spiel, in dem wir eine hohe taktische Disziplin an den Tag legen müssen", weiß Labbadia.

Neuer Mannschaftsbus symbolisiert HSV-Tugend

Die Fahrt aus Mönchengladbach zurück an die Elbe werden Labbadia und Co übrigens im brandneuen Mannschaftsbus antreten. Das finale Design des 480 PS starken Gefährts, über das rund 3000 Fans online abgestimmt haben, symbolisiert das, was den HSV vor allem in der vergangenen Saison auszeichnete: der Zusammenhalt zwischen Mannschaft und Fans. Labbadia gefällt das neue Design: "Es spiegelt die Geschlossenheit in unserem Verein und die wichtige Rolle unser Fans wider."

Aus Hamburg berichtet Alexander Barklage