Als Kevin Kuranyi einem sensationellen Bundesliga-Topspiel die Krone aufgesetzt hatte und die Zuschauer tobten, musste Felix Magath Bruno Labbadia trösten. "Bruno, es tut mir leid. Wir haben es euch versaut", sagte der Trainer und Manager von Schalke 04 - und tätschelte dem Coach des Hamburger SV nach dem grandiosen 3:3 (0:2) väterlich die Hand.

Labbadia hätte mit den Hanseaten am Sonntag im Sturm die Tabellenspitze übernehmen können. Doch in letzter Minute schlug Kuranyi zu und sorgte für die x-te Wende in einem berauschenden Topspiel mit sechs Toren, zwei Dutzend Torchancen und einer Roten Karte. Am Ende waren beide Seiten unzufrieden - Gewinner waren die Zuschauer.

"Alle hatten Spaß - nur ich nicht"

"Es war ein großes Spiel. Daran hatten alle Spaß, aber ich nicht. Für mich haben wir zwei Punkte verloren", sagte Magath: "Drei Punkte und ein weniger aufregendes Spiel wären mir deutlich lieber gewesen." Labbadia fühlte sich ebenfalls wie ein Verlierer: "Nach dem Platzverweis haben wir sensationell gearbeitet. Aber es bleibt der Makel, dass wir nicht gewonnen haben. Aber wir dürfen nun nicht jammern, sondern müssen die Ärmel hochkrempeln."

Magath wollte trotz einer starken Leistung seines Teams nicht den Titelkampf ausrufen: "Ganz im Gegenteil. Ich sehe mich bestätigt, dass wir im Moment noch keine Spitzenmannschaft sind. Der HSV, der ist eine."

Schalke dreht zwei Mal einen Rückstand

Weil die Schalker Fans und Spieler sich aber über den Punkt freuten, handelten sie sich Spott vom HSV-Torhüter und ehemaligen Schalker Frank Rost ein: "Die feiern hier ein Unentschieden gegen nur zehn Mann, dabei haben sie immer noch die teuerste und eine der qualitativ besten Mannschaften der Bundesliga. Da sind die Ansprüche ganz schön gesunken."

Nach zweimaligem Rückstand waren die "Königsblauen" zurückgekommen. Und wäre Gerald Asamoah ein etwas besserer Kopfballspieler, sie hätten in der 94. Minute sogar noch einen draufsetzen können. Wie Magath seine Mannschaft nach dem 0:2 zur Pause wachgerüttelt hatte, wollte Kuranyi nicht verraten. "Nein, besser nicht. Es sind Kinder hier", sagte der Doppeltorschütze - es muss heftig gewesen sein. Die Ansprache aber hatte der Angreifer mit neuer Kurzhaarfrisur verinnerlicht: "Wir müssen noch viel lernen."

"Alle haben großen Respekt vor uns"

Der HSV "geht auf dem Zahnfleisch", wie Labbadia angesichts einer schlimmen Verletztenmisere konstatierte. Da es auf Schalke dennoch in Unterzahl nach dem Platzverweis für David Rozehnal zum Punktgewinn reichte, lässt den sechsmaligen Deutschen Meister von höchsten Zielen träumen.

"Natürlich dürfen wir jetzt an den Titel denken. Sehr viele Spieler sind verletzt, aber wir sind trotzdem noch gut. Wir müssen weitermachen, jedes Spiel als Endspiel betrachten, dann werden wir noch stärker", sagte Doppeltorschütze Marcus Berg: "Alle haben großen Respekt vor uns."

Auch dank überragender Einzelkönner wie Eljero Elia und Ze Roberto, der mit der "gottgegebenen Dynamik" (Labbadia) das dritte HSV-Tor vorbereitete. Wenn Mladen Petric, Paolo Guerrero, Jerome Boateng und Co. zurückkehren, kann der HSV titelreif werden. Und dann müsste sich Labbadia vielleicht bei Magath entschuldigen.