Für Olcay Beiersdorfer ist die Sache klar. Die Ehefrau von Dietmar Beiersdorfer hält natürlich zu ihrem Mann und damit zum Hamburger SV, wo der 45-Jährige als Sportchef tätig ist. Ihr Vater Oruc Yagbasan allerdings ist glühender Fan von Galatasaray und steckt damit am Donnerstag (ab 17:45 Uhr im Live-Ticker) in einem echten Gewissenskonflikt, wenn beide Teams im Achtelfinal-Hinspiel des UEFA-Pokals in der Hansestadt aufeinandertreffen.

Ein typisches Familienschicksal in der höchsten Führungsebene des Bundesligisten. 60.000 Türken leben in Hamburg, die der Partie entgegenfiebern. Das Stadion ist mit 52.000 Zuschauern ausverkauft, in den freien Verkauf ging allerdings keine Karte. Nur das Pflichtkontigent von etwa 5.000 Tickets wurde an die türkischen Fans verkauft, der Rest muss sich für Wucherpreise auf dem Schwarzmarkt versorgen. "Ich hoffe sehr, dass es am Donnerstag so fair zugeht, wie im Sommer, als bei der EURO Deutsche und Türken im Halbfinale aufeinandertrafen", sagt Beiersdorfer, "da haben alle miteinander gefeiert."

"Das Spiel hat Champions-League-Charakter"

Auf dem Platz allerdings wird es auf jeden Fall heiß zugehen. Nach der 1:4-Pleite in Mönchengladbach fordert HSV-Trainer Martin Jol "mehr Aggressivität". Die Fehler wurden auf Video analysiert, die Mannschaft noch einmal auf die große Aufgabe eingeschworen. "Wir arbeiten daran, wieder Selbstvertrauen aufzubauen", so Jol, der sich entschieden hat, mit einem Kuschelkurs einer möglichen Krise zu entkommen, statt draufzuhauen: "Ich rechne mit einer Trotzreaktion", sagt er, "das ist immer so bei guten Mannschaften."

Schon macht doch wieder das Gerede vom "traditionellen" Frühjahrsabsturz der Hanseaten die Runde. Der emotionale Knaller gegen den türkischen Meister kommt da möglicherweise gerade recht. "Das Spiel hat Champions-League-Charakter", sagt Mittelfeldspieler Piotr Trochowski.

Intern hat es schon gescheppert. "Es gibt Situationen, in denen man auch mal auf den Tisch hauen muss, das ist jetzt passiert", sagte Torjäger Mladen Petric und Mannschaftskapitän David Jarolim erklärte: "Von Krise ist hier keine Rede, wir werden nicht zurückfallen. Wir haben ein anderes Jahr und einen anderen Trainer."

Baros ist gesperrt

Der atmete auf, dass sich Innenverteidiger Michael Gravgaard nach seinem Fingerbruch wieder zurückmeldete. Eine Sorge weniger in der so brüchigen Defensive, wo auch Guy Demel und die langzeitverletzten Bastian Reinhardt und Thimothee Atouba ausfallen. Alex Silva kann somit wieder in das Mittelfeld vorrücken.

Personalprobleme hat aber auch sein Gegenüber Bülent Korkmaz. Erst am Dienstag wurde der ehemalige Stuttgarter Fernando Meira an Zenit St. Petersburg verkauft. Stürmer Milan Baros ist gesperrt, die etatmäßige Innenverteidigung fällt aus. "Wir sollten in Hamburg vorlegen, mit einem 2:0 wäre ich sehr zufrieden", sagt Jol, "hier haben wir schließlich die Unterstützung unserer Fans - darunter auch Olca Beiersdorfer.

Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:

Hamburg: Rost, Boateng, Gravgaard, Mathijsen, Aogo, Jarolim, Silva, Trochowski, Jansen, Petric, Olic

Istanbul: De Sanctis, Sabri, Emre Asik, Hakan Balta, Yaman, Özbek, Ayhan Akman, Kewell, Arda, Lincoln, Nonda

Schiedsrichter: Viktor Kassai (Ungarn)