Hannover - Leverkusens Trainer Jupp Heynckes lobte den Gegner und stellte klar, dass es "kein Zufall war, dass Hannover gegen Frankfurt und auf Schalke" mit zwei Siegen in die Saison startete. Seiner Mannschaft attestierte er immerhin, bis zum Gegentreffer "20 Minuten gut gespielt" und den "glücklichen Ausgleich" geschafft zu haben. Innenverteidiger Sami Hyypiä war allerdings nicht zufrieden mit dem einen Punkt.

Im Interview mit bundesliga.de nimmt der Routinier das 0:1, das Heynckes als Knackpunkt ausgemacht hatte, "auf meine Kappe". Von einem Fehlstart will der 36-Jährige nicht reden, auch wenn Leverkusen im Vorjahr nach drei Spieltagen Tabellenführer war und nun auf Rang 8 steht: "Wir haben noch eine lange Saison vor uns. Es ist noch alles drin."

bundesliga.de: Trotz des Ausgleichs in letzter Minute war ihr Sportdirektor Rudi Völler mit dem Spiel von Bayer Leverkusen überhaupt nicht zufrieden. Wie sehen Sie die Partie?

Sami Hyypiä: Wir können nicht zufrieden sein. Wir haben fast eine Stunde gegen zehn Mann gespielt und uns trotzdem kaum Torchancen erarbeitet.

bundesliga.de: Woran lag es?

Hyypiä: Hannover hat sehr gut gestanden in der Verteidigung - auch mit einem Mann weniger.

bundesliga.de: Sie sahen beim 0:1 nicht gut aus...

Hyypiä: Das ist richtig. Das Tor geht auf meine Kappe. Ich habe den Ball einen Moment nicht abgedeckt. Darauf hatte Ya Konan offensichtlich spekuliert und seine Chance eiskalt genutzt. Hannover hat zwei schnelle, sehr wendige Stürmer. Die waren stets gefährlich.

bundesliga.de: In der vergangenen Saison hat es 24 Spiele gedauert bis zur ersten Niederlage von Leverkusen, der Club stand nach drei Spieltagen an der Tabellenspitze. Jetzt sind Sie auf Platz 8 der Tabelle. Ein Fehlstart?

Hyypiä: Kein guter Start, aber auch kein Grund, unruhig zu werden. Wir haben noch eine lange Saison vor uns. Es ist noch alles drin.

bundesliga.de: Auch andere Mit-Favoriten wie Bayern München, Schalke 04, Werder Bremen sind nicht optimal in die Saison gestartet. Woran liegt das? Immer wieder wird die mangelnde Vorbereitung auf Grund der WM genannt.

Hyypiä: Ich weiß nicht, woran es bei den anderen Vereinen liegt. Uns ist möglicherweise nach den letzten beiden Spielen ein bisschen Selbstvertrauen abhanden gekommen. Wenn wir wieder ein Erfolgserlebnis haben, dann ist auch das Selbstvertrauen wieder da.

bundesliga.de: Wirken da auch noch die letzten Spieltage der vergangenen Saison nach, an denen Meisterschaft und Champions-League-Teilnahme verspielt wurden?

Hyypiä: Na, wir haben immerhin zu Beginn dieser Saison in Dortmund gewonnen. Aber es ist richtig, zum Ende der letzten Spielzeit stimmten die Ergebnisse nicht und wir haben am Ende noch die Champions League verpasst. Das wirkt vielleicht noch ein wenig nach.

bundesliga.de: Schalke-Trainer Felix Magath reagierte auf den schwachen Saisonstart mit vielen Wechseln, ihr Coach Jupp Heynckes vertraut seiner Start-Elf. Liegt die Lösung vielleicht in der Mitte?

Hyypiä: Nein. Wir sollten nicht zu viel umbauen und mit einer Stammformation beginnen. Wie sollten wir uns sonst einspielen. Durch die zusätzliche Belastung im Europapokal werden automatisch alle Spieler ihre Einsatzzeit bekommen. Da hilft es sehr, dass wir auch über die erste Elf hinaus einen starken Kader haben.

bundesliga.de: In der Vorsaison hat Bayer eine Rekord-Serie hingelegt. Das spricht für das System von Heynckes. Wurde in der Vorbereitung das System verändert und auf Michael Ballack zugeschnitten oder musste Ballack sich dem Leverkusener System anpassen?

Hyypiä (lacht): Darauf habe ich gewartet. Es hat noch nie so lange gedauert, bis nach Michael gefragt wurde... Aber im Ernst: Wir sind ein Team und Michael Ballack ist ein Spieler in dem Team. Dass er sich jetzt wieder so schwer verletzt hat, ist bitter. Denn jetzt wird es länger dauern, bis er zeigen wird, wie sehr er dieser Mannschaft nützen kann - und umgekehrt.

Das Gespräch führte Jürgen Blöhs