Brasilien nur der Anfang

Stuttgart/München - Nach dem Abpfiff glichen die Tribünen in der Mercedes-Benz Arena in Stuttgart einem Fahnenmeer. Völlig begeistert vom 3:2 gegen Brasilien feierten die deutschen Fans die Nationalmannschaft minutenlang mit stehenden Ovationen. Die Art und Weise, wie das DFB-Team den Rekordweltmeister phasenweise dominierte, war dabei besonders beeindruckend - auch, wenn es nur ein Freundschaftsspiel war.

"Die Euphorie ist berechtigt. Wir sind in der EM-Qualifikation bisher mit sieben Siegen aus sieben Spielen durchmarschiert, haben nun zum ersten Mal seit 18 Jahren Brasilien geschlagen. Das ist ein großer Erfolg", erklärte Kapitän Philipp Lahm, der mit 27 Jahren zu Spielbeginn der älteste deutsche Spieler auf dem Rasen war.

"Wir haben gut begonnen, mit gutem Tempo. Wir haben auch in der zweiten Halbzeit gut kombiniert. Wenn man sieht, mit welcher Freude und welcher Lust die Spieler agiert haben, das war schon stark", freute sich auch Bundestrainer Joachim Löw über die Leistung seiner Kicker, die er im ungewohnten 4-1-4-1-System aufs Feld schickte.

"Außergewöhnliche Orientierungsmöglichkeiten"

Für die zauberhaften Momente sorgten nicht wie erwartet Brasiliens Superstars Neymar, Pato oder Robinho. Nein, es war der Dortmunder Mario Götze, der mit seiner direkten und trickreichen Spielweise den Zuschauern immer wieder einen Sonderapplaus abrang. Mit dem zwischenzeitlichen 2:0 krönte er seinen Auftritt.

"Mario Götze hat außergewöhnliche Orientierungsmöglichkeiten. Er findet immer Lösungen. Es sind die einfachen Dinge, die ihn so stark machen", verteilte Löw ein Sonderlob an den 19-Jährigen.

Götze selbst gab die Lorbeeren an seine Mitspieler weiter: "Ich habe jeden Moment genossen. Die Mannschaft hat sehr gut gespielt und mir sehr geholfen. Ich habe mich zunächst gefreut, dass ich spielen durfte. Es hat dann ganz gut funktioniert."

Neuer gewohnt sicher

Gespannt durfte man auch auf die Leistung des Bayern-Blocks sein. Der Bundestrainer berief gleich sieben Spieler des Rekordmeisters in die Startelf. Die Münchner zeigten sich nach dem verpatzten Saisonauftakt gegen Borussia Mönchengladbach vom Wochenende aber hochkonzentriert und ebenfalls mit sehr viel Spielfreude. Manuel Neuer war nach seinem Fehlgriff gegen die "Fohlen" der gewohnt sichere Rückhalt und Ruhepol.

Nicht so gut lief es für Lukas Podolski, der im DFB-Dress momentan einfach nicht an die Leistungen vergangener Tage anknüpfen kann und zur Pause für Andre Schürrle Platz machen musste.

Der Leverkusener rechtfertige erneut seinen Einsatz und empfahl sich für weitere Aufgaben. "Es ist etwas ganz Besonderes, gegen Brasilien zu spielen. Dass mein Schuss zum 3:1 so genau gepasst hat, ist natürlich schön für mich", meinte Schürrle.

Löw schaut in die Zukunft

Der Auftakt in die EM-Saison ist also vollauf geglückt. Die nächste Aufgabe in der EURO-Qualifikation gegen Österreich am 2. September kann kommen. Der Bundestrainer blickt aber schon ein bisschen weiter voraus - nämlich auf die Endrunde in Polen und die Ukraine.

"Ich bin froh, dass ich personell so viele Möglichkeiten habe Jetzt heißt es: weiter arbeiten. Wir sind 2008 und 2010 in Turnieren knapp gescheitert", meinte Löw. Diese junge, offensive Nationalmannschaft wird sich bis zum nächsten Jahr hoffentlich noch weiter in die richtige Richtung entwickeln.

Michael Reis