Zusammenfassung

  • Fußballer aus Brasilien prägen seit fast 30 Jahren das Gesicht der Bundesliga

  • 1964 war Zézé beim 1. FC Köln der erste Sambakicker in Deutschlands Eliteklasse

  • Aktuell spielen elf Brasilianer in der Bundesliga, darunter Rekordhalter Naldo

Köln – Manchmal beginnt auch eine Erfolgsstory recht holprig: Als der 1. FC Köln im Sommer 1964 den Brasilianer José Gilson Rodriguez, besser bekannt als Zézé, verpflichtete, versprachen sich die "Geißböcke" eine Menge von ihrem exotischen Neuzugang. Doch der Angreifer konnte die Erwartungen nicht erfüllen: Der erste Brasilianer in der Bundesliga erwies sich als Transferflop und kehrte nach nur einer Saison mit fünf Partien in seine Heimat zurück.

War Zeze damals noch eine echte Rarität in der Bundesliga, sind Kicker vom Zuckerhut heute zwar immer noch eine Attraktion, aber gehören längst zugehörig zum Alltag: Elf Brasilianer stehen derzeit bei den 18 Vereinen unter Vertrag, darunter Leistungsträger wie Caiuby (FC Augsburg) oder Bayer Leverkusens Außenverteidiger Wendell. Heraussticht besonders Naldo: Der Schalker Abwehrchef, einst auch für Werder Bremen und den VfL Wolfsburg aktiv, überflügelte in dieser Saison Ze Roberto als Brasilianer mit den meisten Bundesliga-Einsätzen.

Video: Brasilianer in der Bundesliga (Archiv)

Der Brasilien-Boom in Deutschland begann Ende der achtziger Jahre in Leverkusen: Die Werkself verstärkte sich 1987 mit Tita, der am Rhein richtig einschlagen sollte. Zehn Treffer verbuchte der offensive Mittelfeldspieler in 21 Bundesliga-Spielen, am Ende der Saison gewann Bayer 04 sogar den UEFA-Cup. Tita zog weiter nach Italien, hinterließ aber die Basis für eine brasilianische Ära in Leverkusen. Zwei Jahre nach ihm kam Jorginho ins Rheinland – und überzeugte auf ganzer Linie: Der Abwehrmann avanciert zum absoluten Führungsspieler bei der Werkself, wechselt 1992 zum FC Bayern München und wird 1994 Deutscher Meister sowie Weltmeister.

>>> Tita – der kleine große Mann vom Zuckerhut (bayer04.de)

Sambakicker prägen die neunziger Jahre

Es ist der Auftakt zu einer großen Zeit für Kicker vom Zuckerhut in der Bundesliga: Ob Carlos Dunga in Stuttgart, Julio Cesar bei Borussia Dortmund oder Paulo Sergio in Leverkusen – Brasilianer beeindruckten die Zuschauer reihenweise mit ihrem großen Können. Gerade bei Bayer setzte die Vereinsführung zunehmend auf importierte Stars aus Südamerika: Emerson, Lucio und Ze Roberto überzeugten bei der Werkself und entwickelten sich zu international umworbenen Spitzenspielern, die der Bundesliga ihren Stempel aufdrückten. Auch der FC Bayern profitierte davon, sicherte sich rund um den Jahrtausendwechsel die Dienste von Lucio, Ze Roberto und Paulo Sergio.

Brasilianischer Rekordtorschütze der Bundesliga: Giovane Elber © gettyimages / Martin Rose/Bongarts

Ein weiterer Topstar des Rekordmeisters in dieser Phase war ebenfalls ein Sambakicker: Giovane Elber, 1995 aus Zürich zum VfB Stuttgart gestoßen, war für fast eine Dekade einer der dominierenden Stürmer in der Bundesliga. Bei den Schwaben bildete er zusammen mit Fredi Bobic und Krassimir Balakov das "Magische Dreieck", 1997 wechselte er zum FC Bayern. Dort wurde der Weltklasse-Stürmer vier Mal Deutscher Meister, drei Mal Pokalsieger und gewann 2000/01 die Champions League mit den Münchenern. Elber ist brasilianischer Rekordtorschütze der Bundesliga: 133 Treffer erzielte er in 260 Bundesliga-Spielen.

Offensivkünstler wie Diego, Marcio Amoroso und Ailton

Auch darüber hinaus prägten brasilianische Offensivstars als auch starke Verteidiger vom Zuckerhut das Bild der Bundesliga: Marcio Amoroso führte Borussia Dortmund in seiner Premierensaison 2001/02 als erster brasilianischer Torschützenkönig zur Meisterschaft. Und wer erinnert sich nicht gern an „Kugelblitz“ Ailton, der 2003/04 mit 28 Treffern der Ballermann der Bundesliga war und mit Werder Bremen das Double feierte? Oder an den begnadeten Spielmacher Diego, der im Bremer und Wolfsburger Mittelfeld die Fäden zog? Bei den "Wölfen" begeisterte auch Grafite, der in der VfL-Meistersaison gemeinsam mit Edin Dzeko das gefährlichste Sturmduo der Bundesliga-Historie bildete. In der Abwehr sorgten derweil Verteidiger wie Marcelo Bordon (Stuttgart, Schalke) oder eben Naldo (Bremen, Wolfsburg, Schalke) für defensive Stabilität.

Rekord-Brasilianer der Bundesliga: S04-Abwehrchef Naldo lässt Ze Roberto hinter sich © imago

Diese brasilianische Mischung aus Freigeistern und Ballkünstlern in der Offensive und harten Abwehrarbeitern ist auch heute noch in der Bundesliga angesagt: Wendell wirbelt auf der linken Außenbahn für Leverkusen, Rekord-Brasilianer Naldo ist bei Schalke im Zentrum der Viererkette gesetzt und Rafinha ist bei Bayern der "Mann für alle Fälle". In der Offensive setzen dagegen spielerisch starke Zauberer wie Raffael (Borussia Mönchengladbach) und körperlich robuste Akteure wie Augsburgs Caiuby die Akzente. Die Erfolgsgeschichte, die einst mit Zézé holprig begann, ist noch längst nicht auserzählt.