München - Zwei Argentinier, die das Versprechen auf die ganz große Karriere nie erfüllen konnten, sind die prominentesten Spieler bei Schalkes Gegner Benfica Lissabon. Einer von ihnen trifft auf alte Bekannte - das Augenmerk aber liegt derzeit auf einem jungen Profi, der nun auch in Europa richtig durchstarten will. Und dann ist da ja noch ein WM-Teilnehmer...

Als Javier Saviola im Jahr 1999 zu Südamerikas "Fußballer des Jahres" gewählt wurde, waren sich die Fans und Experten wieder einmal sicher: Dieser erst 17 Jahre alte Spieler, genannt "das Kaninchen", sollte endlich der lang ersehnte Nachfolger des Über-Argeniniers Diego Armando Maradona werden. Und so schien die Weltkarriere vorgezeichnet, als er 2001 von River Plate Buenos Aires zum großen FC Barcelona wechselte. Allein, es kam anders.

Über die Zwischenstationen Monaco und Sevilla, an die er ausgeliehen war, kehrte Saviola zwar noch einmal nach Barcelona zurück und wechselte 2007 sogar zum Erzrivalen Real Madrid. Aber auch dort konnte er das Versprechen auf eine große Karriere, das er auch durch eine gute WM 2006 gegeben hatte, nicht einlösen. Seit 2009 spielt er daher bei Benfica. Ironie der Geschichte: In seinem letzten halben Jahr bei Real kam er kaum zum Einsatz, weil er einen neuen Sturmkonkurrenten namens Klaas Jan Huntelaar hatte - am Mittwoch (ab 20:30 Uhr im Live-Ticker) natürlich im Schalke-Sturm gesetzt.

Saviola und Aimar: Keine Einsätze mehr im Nationalteam

In Lissabon traf er mit Pablo Aimar auf einen argentinischen Landsmann, dessen Karriere ebenfalls nicht so glanzvoll verlief, wie manch einer geglaubt hatte. Die heutige Nummer "10" von Benfica gewann zwar einst mit dem FC Valenica die spanische Meisterschaft und den UEFA-Cup, kam dann über Saragossa nach Lissabon. Aber auch er spielt in der Nationalmannschaft schon lange keine Rolle mehr - wie Saviola, der einstige Nachfolger von Maradona.

Bei Benfica zeigen beide Spieler doch noch einmal, was in ihnen steckt. Raus aus dem Scheinwerferlicht, rein in eine funktionierende Mannschaft: Es scheint, als hätte ihnen der Abschied von der ganz großen Bühne gut getan - auf die sie im ersten Gruppenspiel dieser Champions-League-Saison mit einem 2:0 gegen Tel Aviv überzeugend zurückkehrten.

2010 gewinnt Lissabon den Titel - mit 78 Toren

Im vergangenen Jahr gewann Benfica mit einer beeindruckenden Offensive die Meisterschaft: 78:20 Tore in 30 Spielen standen schließlich zu Buche. Saviola schoss elf Treffer, Aimar gab hinter den Spitzen einen überzeugenden Strippenzieher im Mittelfeld. Die Speerspitze im Angriff war (und ist) allerdings ein anderer Südamerikaner: Oscar Cardozo netzte 26 Mal ein, wurde Torschützenkönig und nahm mit Paraguay an der WM in Südafrika teil. Auch in dieser Spielzeit traf der 27 Jahre alte Angreifer bereits drei Mal in sechs Partien.

Dennoch verlief der Saisonstart für den portugiesischen Rekordmeister durchwachsen. Nur neun Punkte gab es - Spitzenreiter Porto hat bereits 18. Das ist nicht weiter verwunderlich, weil mit Ramires (Chelsea) und Angel di Maria (Real Madrid) zwei Leistungsträger den Club verließen. Immerhin: Die vergangenen beiden Spiele gewann Benfica ohne Gegentor, darunter das Stadtderby gegen Sporting mit 2:0. Torschütze: Zwei Mal Cardozo.

Markenzeichen Benficas: Schnelles, direktes Spiel

Das entscheidende 1:0 erzielte beim jüngsten Erfolg bei Maritimo Funchal indes ein 22 Jahre alter Spieler, der seine große Karriere wohl noch vor sich hat: Fabio Coentrao. Der linke Verteidiger wurde nach der WM von Topclubs in Europa gejagt, blieb aber bei Benfica und verlängerte seinen Vertrag jüngst bis 2016. Sein Trainer Jorge Jesus versetzte ihn kürzlich ins linke Mittelfeld - mit Erfolg.

Der 30 Jahre alte Aimar, der 28-jährige Saviola, Cardozo und Coentrao - auf die Schalker Abwehr kommt eine brandgefährliche Offensive zu. Schnelles, direktes Spiel sind Lissabons Markenzeichen, ebenso wie Konter und Abschlüsse über die Außenbahnen.

Auf Schalke treffen sich viele alte Bekannte

Eine geordnete Defensive um David Luiz, Cesar Peixoto und den Brasilianer Luisao macht die Aufgabe für die Schalker "Knappen" keineswegs leichter. "Benfica steht hinten sehr gut und lässt nur wenige Chancen zu. Vorne sind sie extrem stark, da gilt es für uns alle, 90 Minuten lang hoch konzentriert zu sein", warnt der Schalker Lukas Schmitz.

Gut, dass Übungsleiter Felix Magath Experten im Team hat: Ex-Real-Star Christoph Metzelder spielte im Training mehr als ein Mal gegen Saviola, Huntelaar durfte ihn ein halbes Jahr lang erleben. Auch Raul stand 2009 noch gemeinsam mit dem Argentinier im Real-Kader - und machte im Gegensatz zum kleinen Argentinier 37 Spiele und 18 Tore. Nun treffen alle vier in der Veltins-Arena wieder aufeinander. Saviola wird sicher alles dafür tun, das Versprechen auf große Leistungen endlich einzulösen.

Peter Seiffert