Nach dem Abpfiff eines nervenaufreibenden Spiels marschierte Borussia-Trainer Hans Meyer erst einmal schnurstracks in die Kabine. Der erfahrene Coach musste sich erst einmal sammeln, hatte er doch gerade eine Achterbahnfahrt der Gefühle durchmachen müssen.

"Wir sind auf dem richtigen Weg, dass wir in eine Situation kommen, in der alle Fans wieder berechtigt hoffen dürfen", meinte er später erleichtert. Mit einer kleinen Serie von drei Spielen ohne Niederlage und fünf gewonnenen Punkten konnte die Borussia den Abstand auf den rettenden 15. Platz auf nur noch drei Zähler verringern.

Oliver Neuville trifft als Joker

Es war ein Tanz auf der Rasierklinge. Zwischen Himmel und Hölle lagen sechs Minuten, die Zeit, die die "Fohlenelf" benötigte, um nach dem Ausgleich der Hannoveraner wieder in Führung zu gehen. Wäre es beim 2:2 geblieben, die Kritik am Coach wäre heftiger geworden.

Unter dem gellenden Pfeifkonzert der Fans hatte Hans Meyer in der 70. Spielminute bei einer 2:1-Führung seinen Aktivposten und Torschützen Marko Marin ausgewechselt. Wie schon zwei Wochen zuvor gegen Hofffenheim in einer ähnlichen Situation. Und wieder schien der Schuss nach hinten loszugehen.

Dabei war der Spielertausch nötig, da Marin bereits in der Halbzeit über Wadenprobleme klagte, und letztlich war sie auch spielentscheidend. Denn der eingewechselte Joker Oliver Neuville avancierte mit seinem Siegtor zum Matchwinner. So hatte Hans Meyer alles richtig gemacht. Borussia hat das Spiel gewonnen, und die Spieler haben wieder den Glauben an die Rettung gefunden.

Serie in Berlin fortsetzen

"Der Sieg ist ein ganz wichtiger Sieg für das Selbstvertrauen", freute sich Gladbachs Kapitän Filip Daems. "Ein Unentschieden wäre für uns ein verlorenes Spiel gewesen. Ein Punkt bringt ganz wenig. Wir haben jetzt drei Spiele hintereinander nicht verloren. Wir mussten eine Serie machen. Die wollen wir in Berlin fortsetzen."

Doch bei den heimstarken Herthanern muss die Borussia anders auftreten als bei den letzten Auswärtspartien. "Wir müssen in Berlin anders spielen als in Bremen, sonst brauchen wir wieder ein Wunder", weiß Daems. "Wir haben genug Qualität, um auch im Spiel nach vorne etwas zu machen. In Bremen war das viel zu wenig. Da haben wir mit viel Glück und einem guten Torwart einen Punkt geholt. Das wollen wir in Berlin anders machen."

Die Borussia scheint nach der Winterpause auch mental stabiler geworden zu sein. Rückschläge wie die Hannover Aufholjagd oder das späte Bremer Führungstor eine Woche zuvor steckt die Treppe besser weg. "Das Selbstvertrauen steigt von Spiel zu Spiel", hat Marko Marin festgestellt. "Dann kann man auch befreiter aufspielen. Auch wenn wir dann einmal ein Tor kassieren, lassen wir nicht den Kopf hängen."

Einspruch gegen die Wertung des Hoffenheim-Spiels

Für die neue Stabilität sorgen nicht zuletzt die in der Winterpause verpflichteten Neuzugänge. "Wir haben Jungs mit Qualität und Erfahrung dazubekommen", sagt Filip Daems. Dank den Reflexen des starken Torwarts Bailly und der Erfahrung der Routiniers Paul Stalteri und Tomas Galasek hat die Borussia an Sicherheit gewonnen.

"Wenn wir so weitermachen, werden wir da unten rauskommen", hofft der seit Wochen groß aufspielende Mittelfeldspieler Alexander Baumjohann. "Wir haben dreimal nicht verloren, das war aber nur der Anfang. Wenn wir am 34. Spieltag über dem Strich stehen, dann können wir feiern."

Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Sportlich ist die Borussia wieder auf den richtigen Kurs gekommen. Und vielleicht kommen auch noch unerwartete Punkte am grünen Tisch dazu. Denn nach dem möglichen Hoffenheimer Verstoß gegen Dopingrichtlinien hat die Borussia "zur Wahrung etwaiger Ansprüche" Einspruch gegen die Wertung des Spiels (1:1) eingelegt.

Aus Mönchengladbach berichtet Tobias Gonscherowski