Zusammenfassung

  • Patrick Herrmann denkt gerne an seinen Doppelpack gegen die Bayern zurück.
  • Der Flügelspieler steht seit mittlerweile zehn Jahren bei der Borussia unter Vertrag.
  • Nachdem die Zeichen fast auf Abschied standen, ist er inzwischen Stammspieler.

Mönchengladbach - Borussia Mönchengladbach ist sehr gut in die Saison gestartet. Einen der bisherigen Leistungsträger aber hatte man vor der Saison nicht unbedingt auf der Rechnung. Patrick Herrmann, vor der Saison kaum mit Chancen auf Spielzeit, zeigt seit Wochen gute Leistungen und Trainer Dieter Hecking hat das zuletzt wiederholt mit einem Platz in der Startelf belohnt.

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Vor dem Gastspiel beim FC Bayern München spricht Herrmann im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de über Gefühlsexplosionen, Spiele gegen die Bayern und Borussias neuen Torjäger Alassane Plea.

bundesliga.de: Herr Herrmann, Borussia hat die englische Woche mit vier Punkten beendet. Wie zufrieden sind Sie mit der Ausbeute?

Patrick Herrmann: Ich denke, wir können insgesamt sehr zufrieden sein, mit dem, was wir in den ersten Spielen der Saison erreicht haben. Vor allem, wenn man bedenkt, dass unter unseren Gegnern bereits ambitionierte Mannschaften wie Bayer 04 Leverkusen oder der FC Schalke 04 waren. Zudem ist nicht nur die Punkt-Ausbeute gut, sondern auch die Art und Weise, in der wir auftreten. Wir sind von Beginn an immer sofort da, pressen gut und punkten verdient.

Patrick Herrmann im Einsatz für Borussia Mönchengladbach
Patrick Herrmann im Einsatz für Borussia Mönchengladbach © gettyimages / Martin Rose

bundesliga.de: Jetzt folgt die Partie beim FC Bayern. Sind die Münchner nach zuletzt nur einem Punkt aus zwei Spielen angeschlagen?

Herrmann: Wenn es überhaupt eine echte Herausforderung für die Bayern gibt, sehe ich die eher darin, dass sie selbst irgendwo Punkte liegen lassen und dadurch vielleicht in Schwierigkeiten kommen. Dass es aber einer anderen Mannschaft gelingt, durch ihre Leistungen die Bayern so zu bedrängen, dass sich über die ganze Saison immer weiter Druck aufbaut, das dürfte sehr schwer werden. Und trotz der Niederlage gegen Berlin ist bisher für mich auch nicht abzusehen, dass das passieren könnte.

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bundesliga.de: Gegen die Bayern haben Sie vor Jahren eines Ihrer besten Spiele gemacht; sind das Erinnerungen, die Ihnen geholfen haben, als Ihr Verbleib bei Borussia unsicher war – oder denkt man in einer solchen Situation nur "vorwärts"?

Herrmann: Beides ist der Fall. Es tut schon gut, an solche Zeiten und ein solches Spiel (Am 20. Januar 2012 besiegte Gladbach die Bayern im Borussia Park mit 3:1, zwei Treffer erzielte Herrmann; d. Red.) zurückzudenken. Trotzdem schaue ich immer auch nach vorne, und werde alles versuchen, irgendwann noch einmal zwei Tore gegen die Bayern zu erzielen.

"Wer mich kennt weiß, dass ich sehr an diesem Club hänge"

bundesliga.de: Sie sind mittlerweile zehn Jahre bei der Borussia; was für ein Gefühl war es, als man Ihnen zunächst mitgeteilt hat, dass es für Sie schwer werden würde, Einsatzzeiten zu bekommen?

Herrmann: Das war schon zwiespältig. Ich bin mittlerweile so lange hier und wer mich kennt weiß, dass ich sehr an diesem Club hänge. Im Sommer gab es mehrere Gespräche, in denen wir sehr sachlich über meine nicht einfache Situation gesprochen haben. Ich habe mich entschieden zu bleiben und alles daran gesetzt mich durchzubeißen. Und jetzt läuft es ja ganz gut für mich.

bundesliga.de: Sie sind einer der Publikumslieblinge bei Borussia. Haben Reaktionen der Fans eine Rolle bei Ihrer Entscheidung gespielt?

Herrmann: Keine Frage! Ich bin jetzt so lange hier, und wir alle haben so viel miteinander erlebt, von der Relegation über die Europa League bis hin zur Champions League. Das verbindet sehr! Und solche Zeiten, in denen es nicht nur für mich persönlich, sondern vor allem auch für die Mannschaft und den Verein gut läuft, die würde ich nur allzu gerne noch einmal erleben. Alle gemeinsam wollen wir da unbedingt noch einmal hin. Wenn man dann noch sieht, was sich in diesen zehn Jahren hier in Sachen Infrastruktur getan hat – unglaublich! Davon hat man vor zehn Jahren nicht einmal geträumt.

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bundesliga.de: Wie aber ist es Ihnen gelungen, sich aus diesem emotionalen Tief herauszuarbeiten?

Herrmann: Am Anfang war es schon ein bisschen schwierig. Letztlich geht es einzig und allein darum, dass es einem gelingt, den Schalter im Kopf umzulegen, so dass man ab diesem Moment wieder Vollgas geben kann. Man muss sich regelrecht reinbeißen in die Aufgabe und in das Training. Das habe ich gemacht. Und als mir beim 3:0-Sieg im Test beim FC Southampton ein Doppelpack gelungen ist, hat sich das ausgezahlt und ist auch honoriert worden.

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bundesliga.de: Tatsächlich haben Sie in fünf Spielen Einsatzzeiten bekommen und zuletzt zweimal in der Startelf gestanden...

Herrmann: Darin sieht man, dass es bei uns wirklich nach dem Leistungsprinzip geht, niemand wird abgeschrieben. Und damit kann ich gut leben. Gerade auf meiner Position ist die Konkurrenz groß. Wenn einer der Jungs super trainiert und super spielt, gehört es für einen Profi dazu, das anzuerkennen und auch einmal den Platz auf der Bank zu akzeptieren. Ebenso habe ich aber die Gewissheit, dass auch meine Leistungen, wenn sie denn stimmen, honoriert werden.

"Dann ist es plötzlich, als würde ein Blitz einschlagen, und du denkst 'ich bekomme noch eine Chance, und ich mache dieses verdammte Tor!'"

bundesliga.de: Gegen Schalke haben Sie sich mit ihrem ersten Treffer nach 20 Monaten belohnt. Ihrem Jubel nach zu urteilen, muss das eine regelrechte Explosion der Gefühle gewesen sein?

Herrmann: Absolut! In dieser Situation, in der ich mich in den ersten Wochen der Saison befunden habe, eingewechselt zu werden, noch dazu in einem Heimspiel, und ein Tor zu machen – das ist unbeschreiblich! In diesem Augenblick ist wirklich sehr viel Last von mir abgefallen.

bundesliga.de: Kurz zuvor hatten Sie bereits eine Chance, der Ball ging aber knapp vorbei. Lässt man in einem solchem Moment eher den Kopf hängen, oder denkt man auch hier "vorwärts"?

Herrmann: Meine Gefühlslage hat sich da innerhalb von Sekunden geändert. Im ersten Moment habe ich gedacht "Verdammt, jetzt bringt dich der Trainer vor heimischen Publikum und du hast umgehend die Chance zu treffen...und dann vergibst du sie!". Und dann ist es plötzlich, als würde ein Blitz einschlagen, und du denkst "ich bekomme noch eine Chance, und ich mache dieses verdammte Tor!". Und so ist es ja auch gekommen.

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bundesliga.de: Aufgelegt hat Ihnen diesen Treffer Ihr neuer Team-Kollege Alassane Plea. Ist der Franzose angekommen bei Borussia?

Herrmann: Auf jeden Fall. Alassane ist ein super Transfer und eine große Bereicherung für uns. Man sieht seine Qualität in jedem Training. Wie er den Ball gegen Frankfurt oben ins kurze Eck reingeschweißt hat oder in Wolfsburg in die lange Ecke gezirkelt hat, das ist absolute Extra-Klasse!

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bundesliga.de: Wie sehen nun Ihre Perspektive, denken Sie schon über Ihr Vertragsende im Sommer 2019 hinaus?

Herrmann: Soweit denke ich überhaupt noch nicht. Für mich steht an erster und zurzeit einziger Stelle, dass wir in dieser Saison erfolgreich sind. Und dazu möchte ich so viel beitragen wie möglich. Die Voraussetzungen dafür sind gut. Allerdings sollten wir die Latte nicht zu hoch hängen. Es ist besser, sich vor jedem Spiel hundertprozentig immer nur auf diese eine Aufgabe zu fokussieren, anstatt schon Wochen vorauszudenken. Damit sind wir zuletzt sehr gut gefahren.

Das Gespräch führte Andreas Kötter