Mönchengladbach - Timothee Kolodziejczak möchte "Kolo" genannt werden, so steht es auch auf seinem Trikot. Der 25-Jährige, der vom amtierenden Europa-League-Sieger FC Sevilla zu Borussia Mönchengladbach gewechselt ist, soll den Fohlen zunächst vor allem defensive Stabilität verleihen. Im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de spricht der Abwehrspieler, der einen französischen und einen polnischen Pass besitzt, über seine Beweggründe für die Borussia und die ersten Tage mit seinem neuen Team sowie darüber, was er unter einem Führungsspieler versteht.

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bundesliga.de: Kolo, zum Jahreswechsel haben Sie ein Foto mit Ihrer Freundin gepostet und Ihren Fans auf verschiedenen Sprachen, unter anderem auf Deutsch "ein frohes neues Jahr" gewünscht. War das Ihre Art, den Borussen-Fans zu sagen: "Ich komme"?

Timothee Kolodziejczak: Ja, das war doch praktisch (lacht). Der Wechsel war in trockenen Tüchern, aber noch nicht offiziell verkündet. Ich habe mir gedacht, dass ich auf diesem Weg schon einmal eine Botschaft schicken und den Borussen-Fans so eine kleine Freude zu Neujahr bereiten kann.

bundesliga.de: Wie haben Sie sich in der Folge - in den vergangenen zweieinhalb Wochen - bei der Borussia eingelebt?

Kolo: Mannschaft, Trainerteam und alle um das Team herum haben mich toll aufgenommen, sodass ich mich hier schon vom ersten Tag an sehr wohl fühle. Und ich habe das Gefühl, dass ich mich von Tag zu Tag besser zurechtfinde. Noch wohne ich zwar im Hotel, Anfang Februar aber beziehe ich mit meiner Freundin unsere neue Wohnung.

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bundesliga.de: Sind aktuell die französisch-sprachigen Spieler wie Thorgan Hazard im Kader Ihre ersten Ansprechpartner?

Kolo: Das ist richtig. Thorgan, den ich bereits aus unserer gemeinsamen Zeit beim RC Lens kenne – Thorgan war dort damals noch Jugendspieler – aber auch "Ibo" (Ibrahima Traoré; d. Red.) oder Yann Sommer, der ebenfalls gut französisch spricht, sind meine erste Anlaufstelle. Trotzdem versuche ich mit möglichst allen schnell in Kontakt zu kommen, so unterhalte ich mich mit Raffael zum Beispiel auf Spanisch. Und ich bin sicher, dass das alles noch runder läuft, wenn ich bald besser Deutsch kann.

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bundesliga.de: Bereits im Februar sowie im November 2015 konnten Sie mit dem FC Sevilla in der Europa League respektive der Champions League den Borussia-Park kennenlernen. Welchen Eindruck hatten Sie damals vom Stadion?

Kolo: Das waren beides sehr schwierige Spiele für meinen damaligen Club. Nicht zuletzt lag das an der Atmosphäre im Borussia-Park, denn die Fans haben die Borussia enorm gepusht. Dieses Stadion hat ganz deutlich eine Seele, die ihm die Fans geben, und ich freue mich sehr darauf, diese tolle Stimmung nun schon bald von der anderen Seite aus erleben zu dürfen.

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bundesliga.de: Obwohl Sie erst 25 sind, haben Sie mit Sevilla bereits zweimal die Europa League gewonnen. Warum haben Sie sich für die Borussia entschieden und nicht für einen Club, der Ihnen auch in der kommenden Saison einen internationalen Wettbewerb garantiert hätte?

Kolo: Der Kontakt zur Borussia bestand bereits seit einiger Zeit und die Gespräche waren von Anfang an sehr gut. Deshalb ist meine persönliche Entscheidung für Borussia sehr schnell gefallen. Borussia Mönchengladbach ist ein großer Club in Deutschland, der eine große Tradition mit vielen Erfolgen aufweisen kann. Zudem spielen wir in dieser Saison ja auch noch in der Europa League. Dass wir in der Bundesliga-Tabelle aktuell nicht so gut dastehen, das ist richtig. Trotzdem denke ich, dass wir diesen Rückstand noch aufholen können, wenn wir eine Serie starten und einen Lauf haben.

bundesliga.de: Sie kennen die spanische Primera División und die französische Ligue 1 und trainieren nun in der Bundesliga. Ihr Teamkollege Andreas Christensen etwa sagt, dass das Training in der Bundesliga "Schwerstarbeit" sei und viel härter als in der Premier League. Ist Ihnen bereits Ähnliches aufgefallen?

Kolo: Zunächst einmal möchte ich sagen, dass das alles tolle Ligen sind. Wie die Spieler das Training empfinden, das hängt zunächst vor allem vom jeweiligen Trainer ab. Jeder Trainer hat seine eigene Herangehensweise und seine eigene Philosophie. Nichtsdestotrotz ist es natürlich so, dass die Mentalitäten in den Ländern verschieden sind. Ich lerne die Bundesliga und damit die deutsche Mentalität aber gerade erst kennen und möchte mit einem Urteil noch warten. Ich bin aber schon jetzt - nach wenigen Tagen - davon überzeugt, dass mich diese neuen Erfahrungen, die ich hier sammeln kann, als Spieler und auch als Mensch weiterbringen werden.

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bundesliga.de: Sie sind in ein Team gekommen, dem es zuletzt an defensiver Stabilität gemangelt hat. Stabilität, die man sich nun gerade auch von Ihnen verspricht. Ist das eine Bürde?

Kolo: Nein. Ich weiß, was man von mir erwartet. Und ich bin ja gekommen, um zu helfen. Selbstverständlich muss jeder Spieler im Team seinen Beitrag leisten, damit wir schon gegen Darmstadt defensiv gut und sicher agieren und möglichst erfolgreich sind. Weil Abwehrspieler wie zum Beispiel Jannik (Vestergaard; d. Red.), Andreas (Christensen; d. Red.) oder auch ich das Spiel aber meist vor uns haben, sehen wir bisweilen vielleicht mehr als die Spieler, die weiter vorne postiert sind. Dann ist es unsere Aufgabe, schnell zu reagieren.

bundesliga.de: Sehen Sie Ihre Stärken vor allem im defensiven Bereich oder möchten Sie sich auch offensiv einschalten?

Kolo: Ich sehe mich als Spieler, der das Spiel eröffnen und den ersten einleitenden Pass spielen kann und der grundsätzlich versucht, die Probleme auf dem Rasen zunächst einmal mit spielerischen Mitteln zu lösen.

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bundesliga.de: In der Hinrunde wurde bei Borussia viel über eine Dreier- oder eine Viererkette diskutiert. Was bevorzugen Sie?

Kolo: Im Endeffekt entscheidet das selbstverständlich der Trainer. Ich halte es für wichtig, dass wir beide Varianten beherrschen und in beiden gleich stabil sind. Ich komme mit beiden gut zurecht, wir haben das in der Vorbereitung auch intensiv trainiert.

bundesliga.de: Nach den Abgängen von Martin Stranzl, Roel Brouwers und Granit Xhaka sehnt man sich bei Borussia zudem nach einem neuen Leader. Können beziehungsweise wollen Sie diese Rolle annehmen?

Kolo: Keine Frage. Ich denke, ich kann diese Rolle ausfüllen! Dafür bin ich unter anderem auch zur Borussia gekommen. Ich will meiner Mannschaft immer helfen und bin in der Tat ein Spieler, der mit seinen Kollegen auf dem Platz viel kommuniziert und sie dadurch führt.

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bundesliga.de: Oder sollte ein neuer Spieler zunächst Zurückhaltung üben, weil einige Teamkollegen möglicherweise Probleme mit einem solchen Führungsanspruch haben könnten?

Kolo: Das kommt immer darauf an, wie man die Dinge angeht. Ich stelle mich ja nicht hin und sage: "So, jetzt bin ich da, und jetzt bin ich gleich auch der neue Chef". Das ist ganz bestimmt nicht meine Art! Vielmehr geht es darum in schwierigen Situationen schon mal etwas Unterstützendes oder Aufmunterndes zu den Kollegen zu sagen und ihnen Mut zuzusprechen, wenn gerade etwas nicht so gut gelaufen ist – so wie es auch Momente geben wird, in denen ich Unterstützung benötige. Dabei darf es ruhig mal etwas lauter werden.

Das Gespräch führte Andreas Kötter