Beim 2:1-Auswärtssieg bei Hertha BSC zeigte Borussia Mönchengladbach richtig guten Fußball. Dennoch ist bei dem Champions-League-Aspiranten vor dem direkten Duell gegen Bayer Leverkusen noch nicht alles perfekt.

Es war schon beeindruckend, was die Fohlen-Elf der Neuzeit am Sonntagnachmittag auf den Rasen des Berliner Olympiastadions zauberte. Mit einer unglaublichen Sicherheit ließ das Team von Lucien Favre an dessen erster Wirkungsstätte in Deutschland das Spielgerät in den eigenen Reihen zirkulieren. Als Auswärtsmannschaft über 70 Prozent Ballbesitz und 90 Prozent Passquote (Topdaten) - das erinnert an die großen Bayern. 60 Prozent gewonnene Zweikämpfe sind ebenfalls ein fantastischer Wert.

Kruse mit großem Abstand Topscorer

"Unsere Qualität ist, dass wir Woche für Woche sehr gute Leistungen auf den Platz bringen", brachte es Mönchengladbach Toptorschütze Max Kruse (zehn Treffer, wie Patrick Herrmann) nach dem Spiel in der Hauptstadt mit großem Selbstbewusstsein auf den Punkt. Der 27-Jährige erzielte schon zum siebten Mal in dieser Saison das wichtige 1:0 für die Borussia. Mit 18 direkten Torbeteiligungen ist der Nationalspieler mit großem Abstand Topscorer des VfL.

Doch Kruse hat nicht nur Grund, auf seine eigene Leistung stolz zu sein: Mönchengladbach ist seit elf Spielen ungeschlagen (acht Siege, drei Remis), so eine Serie hat die Borussia zuletzt vor 24 Jahren geschafft. Und: Die Favre-Elf holte in der zweiten Saisonhälfte 33 Punkte, so viele wie kein anderes Team – besser schnitt Mönchengladbach an den ersten 14 Rückrunden-Spieltagen noch nie ab. So betrachtet, kommt der Zuschauer derzeit in den Genuss der besten Mönchengladbacher Borussia aller Zeiten.

Bei der Chancenverwertung hapert es

Dennoch ist noch nicht alles perfekt bei der Elf vom Niederrhein. Sonst stünde sie nicht "nur" auf Platz 3 der Tabelle. Zudem hat sie von allen vier Topteams mit 47 die wenigsten Tore geschossen. Der VfL Wolfsburg brachte es bereits auf 65 Treffer in der Liga, Bayer Leverkusen immerhin auf 59. Mit diesen beiden Teams liefert sich Gladbach ein heißes Rennen um die Plätze 2 und 3, die die direkte Qualifikation für die Champions-League-Gruppenphase bedeuten.

Was auffällt bei der Borussia: Sie hat von allen vier Topteams mit 26 Prozent die schlechteste Chancenverwertung und erspielt sich zudem im Vergleich zu München, Wolfsburg und Leverkusen die wenigsten Torchancen. Das wurde auch im Gastspiel bei der Hertha deutlich: Zwar gab man 18 Torschüsse ab, davon allerdings nur die Hälfte von innerhalb des Sechzehnmeterraumes.

Fehlt ein »echter Neuner«?

Vielleicht fehlt Mönchengladbach dafür ein bisschen ein "echter Neuner". Kruse, Herrmann und Raffael – die drei besten VfL-Torschützen – sind allesamt eher welche von der mitspielenden Sorte. Sie kommen aus der Tiefe, über die Flügel, wechseln die Seiten. Ein Typ, der im Strafraum den Zielspieler, auch für hohe Flanken, gibt, könnte helfen, Bollwerke wie das der Hertha am Sonntag zu knacken. Ein Typ wie Stefan Kießling bei Bayer Leverkusen.

Am Samstag um 15:30 Uhr treffen die beiden Champions-League-Aspiranten im direkten Duell aufeinander. Dann könnte sich zeigen, welches Team aktuell den besseren Kader hat und besser in Form ist. Interimskapitän Tony Jantschke sagt: "Leverkusen ist im Moment brutal stark", um im gleichen Atemzug anzufügen: "Wie wir." Zusammen mit den Bayern seien Leverkusen und Gladbach schließlich die besten Rückrundenmannschaften. Ibrahima Traoré, der mit seinem späten Jokertor die Borussia in Berlin doch noch auf die Siegerstraße brachte, freut sich schon auf die Partie: "Das Spiel wird ein absolutes Highlight." Zugleich lässt der Guiner keinen Zweifel an der Marschroute: "Wir spielen zu Hause und wollen gewinnen."

André Anchuelo