Mönchengladbach - Das Wunder ist vollbracht. Borussia Mönchengladbach hat den noch vor wenigen Wochen unmöglich scheinenden Klassenerhalt geschafft. Nach zwei nervenaufreibenden Relegationsspielen, in denen der "Fohlenelf" alles abverlangt wurde, reichte der Borussia ein 1:1-Unentschieden beim VfL Bochum zum Verbleib in der Bundesliga.

Als das Werk vollendet war, mussten die Emotionen raus. Freude pur herrschte bei den Borussen. Da blieb keine Zeit für die üblichen Rituale der Fußballneuzeit. Es gab keine vorbereiteten T-Shirts, keine Bierduschen, sondern einfach nur jubelnde und tanzende Spieler, die dann ihren Trainer packten und immer wieder in die Luft warfen und hochleben ließen.

In den letzten Spielen unbesiegt

Und der Baumeister des Erfolgs strahlte über beide Backen. Lucien Favre hat etwas erreicht, was an ein Fußballwunder grenzt. Er hat den abgeschlagenen Tabellenletzten in kürzester Zeit konkurrenzfähig gemacht, die Schießbude geschlossen, das System verändert, die Mannschaft personell umgestellt und ihr einen unerschütterlichen Glauben implementiert.

Die Borussia blieb inklusive Relegation in den letzten sechs Spielen unbesiegt und ließ nur noch zwei Gegentore zu. Sie bezwang dabei den Deutschen Meister Borussia Dortmund, siegte beim Europa-League-Teilnehmer Hannover 96 und behauptete sich auch gegen einen bärenstarken VfL Bochum in der Relegation, der in der Rückrunde ganz starke 37 Punkte in der 2. Bundsliga eingefahren hatte.

Borussias Husarenritt

Die "Elf vom Niederrhein" legte den bemerkenswertesten Husarenritt der Bundesliga seit 1999 hin, als die Frankfurter Eintracht sogar die letzten vier Begegnungen gewinnen und sich mit einem Tor Vorsprung retten konnte. "Jörg Berger hätte sogar die Titanic gerettet", sagte der Frankfurter Stürmer Jan-Age Fjörtoft damals im Überschwang der Gefühle über seinen Trainer.

Ähnlich aussichtslos schien die Situation in Mönchengladbach zu sein. Beim Amtsantritt Favres nach dem 22. Spieltag betrug der Rückstand der Borussia auf den Relegationsrang 16 satte sieben Punkte. "Es wird schwer, aber wir können es schaffen", sagte Favre immer wieder. Er sollte recht behalten.

Die Rettung hatte ihren Preis

"Unsere Stärke war der Glaube und die Überzeugung, immer weiterzumachen. Es gibt in jedem Spiel eine neue Chance. Daran haben wir geglaubt", jubelte Borussia-Stürmer Mike Hanke nach dem Schlusspfiff in Bochum überschwenglich: "Der Klassenerhalt ist letztendlich verdient, weil wir auch schon in der Schlussphase der Bundesliga unsere Spiele gewonnen haben und richtig gut gespielt haben. Borussia gehört einfach in die Bundesliga."

Die Rettung forderte ihren Preis und persönliche Opfer. Marco Reus, der Schütze des alles entscheidenden Tores in Bochum, brachte sie. Tagelang wurde er rund um die Uhr betreut und doch noch rechtzeitig fit gemacht für das absolute Endspiel.

Dante nun mit nacktem Kopf

"Ich habe die Verletzung das ganze Spiel gemerkt", meinte Borussias "Nichtabstiegsversicherung": "Es war nicht einfach, aber ich wollte unbedingt bei dem enorm wichtigen Spiel der Mannschaft helfen. Ich habe auf die Zähne gebissen."

Es hat sich gelohnt. Allein schon für den Anblick des geschorenen Schädels von Borussias Innenverteidiger Dante. Der hatte Wort gehalten und in der Kabine eine Rasur seiner einzigartigen Haarpracht über sich ergehen lassen. Die abgeschnittenen Locken präsentierten dann die halbnackten Mike Hanke und Thorben Marx bei einer zweiten ausgelassenen Ehrenrunde den Fans im Bochumer Stadion.

"Einen Schritt nach vorne machen"

Dante wurde dagegen ernster. "Es kann nicht sein, dass dieser Verein mit dieser Qualität in zwei der letzten drei Jahre gegen den Abstieg gespielt hat", kritisierte der 27-jährige Brasilianer: "Wir haben jeden Tag gesehen, dass wir die Qualität haben. Wir müssen jetzt einen Schritt nach vorne machen. Der ist mit der Borussia möglich."

Die Fans werden das gerne hören. Denn trotz aller Freude über das Happy End, wollen sie einen solchen Tanz auf der Rasierklinge in der kommenden Saison sicher nicht noch einmal erleben.

Tobias Gonscherowski

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