Dortmund - Die beiden Hauptprotagonisten gönnten sich nach dem Abpfiff des 5:1-Siegs gegen den FC Augsburg einen kleinen Spaß. BVB-Doppelpacker Marco Reus schnappte sich das Mikro und interviewte Dreierpacker Pierre-Emerick Aubameyang für das vereinseigene Online-TV. Wie viele Tore er denn nun auf dem Konto habe, wollte Reus vom Gabuner wissen. "13 in der Bundesliga, insgesamt 20", antwortete der und fragte seinen besten Kumpel frech: "Du auch?"

Beide mussten lachen, lagen sich feixend in den Armen. Keine Frage: Die Stimmung bei Borussia Dortmund ist nach dem 5:1-Sieg über Augsburg wieder prächtig, die Gefühlslage bei den beiden Torjägern ohnehin. Reus steht zwar "erst" bei insgesamt neun Pflichtspieltoren, davon fünf in der Bundesliga. Doch gemeinsam mit Aubameyang ist er einer der Gründe, warum das schwarz-gelbe Offensivfeuerwerk in dieser Saison schon so oft zündete und nach einem kleinen Zwischentief wieder zu gewohnter Form aufläuft.

Kagawa "wird gar nicht müde"

Nicht zu vergessen der quirlige Shinji Kagawa, der gegen Augsburg nicht nur mit 11,5 Kilometern die mit Abstand meisten Meter machte. "Man hat das Gefühl, er wird gar nicht müde", staunte Sportdirektor Michael Zorc. Vor allem aber legte der 26-Jährige seinen Nebenleuten gleich drei Mal vorbildlich auf – Hackentrick vor dem dritten Tor inklusive. 

Sieben Assists stehen jetzt in der Bundesliga für Kagawa zu Buche, womit er bester Vorlagengeber seiner Mannschaft ist und nicht nur für Zorc "ein ganz wichtiger Baustein unserer Offensive". Thomas Tuchel machte sich einen Spaß daraus, nach der Partie einer japanischen Journalistin mit todernster Miene zu erklären, Shinji sei "not so good this season". Um nach kurzer Pause mit breitem Grinsen aufzuklären, er spiele "just amazing".

Dass mit dem angeschlagenen Henrikh Mkhitaryan (4 Tore, 3 Vorlagen) gegen Augsburg einer aus der famosen Dortmunder Offensivabteilung hatte passen müssen, war kaum ins Gewicht gefallen. Eben auch, weil Reus und Aubameyang wieder richtig heiß liefen. Für Marco Reus war es auch eine gewisse Genugtuung, gleich zwei Mal zu treffen, nachdem er zuletzt die eine oder andere Möglichkeit ausgelassen hatte: "Es tat schon gut. Aber ich habe mich auch nicht davon aus der Ruhe bringen lassen, die Chancen mal nicht gemacht zu haben. Schlimmer wäre es gewesen, ich hätte sie gar nicht gehabt. Und ich wusste, wenn ich Gas gebe, wird es automatisch wieder klappen."

Aubameyang mit neuem BVB-Rekord

Thomas Tuchel bescheinigte dem Nationalstürmer ausdrücklich, genau das getan zu haben. Ernsthaft und aufmerksam habe Marco Reus auf ihn in den letzten Tagen gewirkt: "Er ist sehr fleißig und diszipliniert." Auch Michael Zorc sieht Reus auf einem guten Weg – "den muss er jetzt weitergehen und sich immer wieder fordern."

Kein Wunder, dass sich auch der Dortmunder Sportdirektor nach der Tor-Party gegen Augsburg "besonders für unsere Matchwinner Reus und Aubameyang" freute. Wobei Letzterer eigentlich nur fortsetzte, was er seit Wochen mit viel Lust und Konsequenz tut – er knipst ein Tor nach dem anderen. Erst der Dreierpack in der Europa League gegen Qäbälä, jetzt der nächste Dreierpack gegen Augsburg, insgesamt 20 Tore in 17 Pflichtspielen. Und ein neuer Vereinsrekord: 13 Bundesliga-Treffer nach zehn Spieltagen, das hat vor Pierre-Emerick Aubameyang noch kein Kicker in der langen BVB-Historie geschafft.

Fokussiert, Relaxt und locker

"Er agiert schon länger auf absolutem Top-Niveau", lobte Zorc. "Er macht nicht nur die Tore, er braucht auch viel weniger Chancen als früher." Sechs Torschüsse standen gegen Augsburg für Aubameyang zu Buche, die Hälfte davon versenkte er im Kasten. Marco Reus bescheinigte seinem Kumpel, "unheimlich fokussiert, aber zugleich auch relaxt und extrem locker" zu sein. Und gesegnet mit einem gesunden Selbstbewusstsein, hätte er noch hinzufügen können. Immerhin hatte Aubameyang einen Tag vor der Partie mit seinem Bruder noch ganz frech gewettet, dass er wieder drei Tore machen werde.

Trotz dieser kleinen Verrücktheiten ist der Gabuner aber auch ein echter Teamplayer, und auch dafür lieben sie ihn beim BVB – die Fans ebenso wie Trainer und Mitspieler. "Er gibt viel in die Mannschaft und bekommt viel zurück", schwärmte Thomas Tuchel. "Wenn man sieht, wie er sich freut, wenn wie in Mainz Marco und Miki die Tore machen und er beide aufgelegt hat, dann geht mir das Herz auf." Marco Reus brachte es noch kürzer, aber ebenso treffend auf den Punkt: „"Es macht einfach unheimlich viel Spaß, mit Auba zu arbeiten."

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte