Zusammenfassung

  • BVB bietet im Supercup trotz Niederlage eine starke Leistung

  • Felix Passlack ragt heraus und begeistert in der Abwehrreihe

  • Tuchel ist positiv überrascht, sieht den Abstand zu Bayern aber noch als groß an

Dortmund - Auch wenn es nicht für den ersten Titel der Saison gereicht hat - der Supercup hat deutlich gemacht, dass dieser runderneuerte BVB durchaus zum Titelrivalen der Bayern werden kann. Die Dortmunder zeigten bereits gute Ansätze und waren über weite Strecken sogar die bessere Mannschaft. Das nötigte sogar dem skeptischen Thomas Tuchel ein dickes Kompliment ab.

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Wer nach dem intensiven Duell der beiden besten deutschen Mannschaften einen Blick auf die Statistik warf, sah ein eindeutiges Bild: 20:9 Torschüsse, 54 Prozent Ballbesitz, dazu eine bessere Pass- und Zweikampfquote – und das alles für Borussia Dortmund. Die Schwarz-Gelben hatten zwar das Spiel verloren, aber Eindruck hinterlassen. Und zwar beim Gegner, bei den eigenen Fans und auch bei Thomas Tuchel: "Ich bin begeistert von dem, was die Mannschaft investiert und gezeigt hat. Die Mannschaft hat eine gute Energie gehabt auf dem Platz."

Rode fügt sich nahtlos ein

Dabei war der Trainer im Vorfeld durchaus skeptisch gewesen. "Es gab schon bessere Ausgangspositionen, um die Bayern zu fordern", hatte Tuchel vor dem Prestigeduell vermutet angesichts der vielen personellen Veränderungen im Dortmunder Kader. Doch seine Spieler belehrten ihn über weite Strecken des Supercup-Duells eines Besseren. Der BVB dominierte sogar rund eine Stunde lang Partie und Gegner und kreierte einige hochkarätige Chancen, was Sebastian Rode ebenso erstaunt wie zufrieden zur Kenntnis nahm: "Wir haben es geschafft, die Bayern in deren Hälfte einzuschnüren. Aus dieser Leistung können wir viel Positives ziehen."

© gettyimages / Oliver Hardt

Rode ist einer der Neuzugänge, die im ersten Pflichtspiel der Saison den Eindruck untermauerten, dass Dortmund bei seinem massiven Kaderumbau ein gutes Händchen hatte. Der ehemalige Münchner strahlte im Mittelfeld Präsenz aus und war mit seiner Übersicht und Laufstärke einer der Gründe für das dominante Spiel der Borussia. In der Defensive näherte der aus Barcelona gekommene Marc Bartra die Hoffnung, einen adäquaten Ersatz für Mats Hummels gefunden zu haben – nicht nur defensiv, sondern auch mit feinen Pässen für den Spielaufbau, von denen der 25-Jährige erste Kostproben gab.

Dazu hat der BVB mit Ousmane Dembélé einen echten Rohdiamanten verpflichtet. Der 19-Jährige hat zwar im Defensivspiel noch Schwächen, doch seine offensiven Qualitäten verwirrten die Bayern ein ums andere Mal. Ein gutes Ballgefühl, hohes Tempo und vor allem der Mut zum Dribbling dürften der Borussia noch viel Freude bereiten. Auf der anderen Seite lieferte mit Felix Passlack ein weiterer Youngster den Beweis für das große Potenzial ab, das in diesem Kader steckt – auch dank einer guten Jugendarbeit. Der 18-Jährige ging seine Rolle als Rechtsverteidiger mit gesundem Selbstbewusstsein an und überzeugte mit einer aggressiven Zweikampfführung, die seinen Kontrahenten Franck Ribery sichtlich entnervte.  

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Tuchel: "Haben einen weiteren Schritt gemacht"

Dass Borussia Dortmund am Ende trotz einer guten Vorstellung den Platz nicht als Sieger verlassen durfte, lag vor allem an der Abschlussschwäche. "Man hat die Cleverness der Bayern gesehen. Sie haben effizienter gespielt", brachte es Passlack auf den Punkt. Für Marcel Schmelzer muss die Mannschaft daran jetzt verstärkt arbeiten. "Das ist genau unser Problem, das sich auch durch die Vorbereitung zieht. Wir machen ein richtig gutes Spiel, aber wir machen die Tore nicht", stellte der Kapitän fest.

© gettyimages / Oliver Hardt

Thomas Tuchel möchte seine Mannschaft dafür auch noch konstanter sehen als gerade gegen die Bayern. "Die Aufgabe ist es, die Dichte und die Energie in unseren Aktionen zu halten, nicht zurückzuweichen und immer wieder aufzubringen über 90 Minuten." Das sei eine Frage der körperlichen Fitness und der Konzentration, aber auch des Zusammenspiels. Und vielleicht auch eine Frage der Qualität, die Tuchel demnächst noch zusätzlich ins Rennen schicken kann. Julian Weigl und André Schürrle standen im Supercup nur kurz auf dem Platz; Mario Götze, Lukasz Piszczek und Raphael Guerreiro kamen gar nicht zum Einsatz.

Das verspricht einiges an Potenzial, das Borussia Dortmund in den nächsten Wochen und Monaten noch abrufen kann. Und es lässt rund um den Borsigplatz auch wieder Träume reifen, eventuell doch schon in dieser Saison wieder ein ernsthafter Herausforderer für die Münchner zu sein. Vielleicht trat Thomas Tuchel auch deswegen am Ende noch einmal ein wenig auf die Euphoriebremse. "Wir haben gegen Bayern einen weiteren Schritt gemacht", stellte Tuchel fest, "aber der Weg ist noch lang."

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte