Brüssel - Einsam stand Jürgen Klopp am Mittelkreis im Stadion Constant Vanden Stock. Auf den ersten Blick konnte er einem ein bisschen Leid tun. Diese Szene allein zu betrachten, würde der aktuellen sportlichen Situation bei Borussia Dortmund vielleicht gerecht werden.

In Wirklichkeit zeigte sie aber einen fokussierten Dortmunder Trainer vor Beginn des Abschlusstrainings, der es ebenso wie seine Spieler gar nicht erwarten kann, in der Champions League gegen den RSC Anderlecht vieles besser zu machen, als in den vergangenen drei Bundesligapartien.

Die nötigen Kraftreserven könnten fehlen

"Wir wollen für Anderlecht der unangenehmste Gegner sein, den sie sich vorstellen können. Anderlecht ist die belgische Fußballmannschaft schlechthin, aber sie spielt nicht jeden Tag gegen Borussia Dortmund. Diesen Unterschied müssen wir deutlich machen", erklärte Klopp aus voller Überzeugung auf der Pressekonferenz einen Tag vor dem Spiel.

Doch fraglich ist, ob die verletzungsgeplagte Dortmunder Mannschaft im sechsten Pflichtspiel binnen 18 Tagen noch die nötigen Kraftreserven aufbieten kann, um dem 33-maligen belgischen Meister Paroli bieten zu können.

"Müssen uns für jedes Spiel Neues überlegen"

"Wir haben zu wenig Sicherheit in unseren Abläufen im Offensivspiel, weil wir zu viele verletzte Spieler haben. Wir müssen uns für jedes Spiel etwas Neues überlegen und trotzdem versuchen, Belastung zu verteilen. Sonst machen wir die Jungs kaputt, die uns zur Verfügung stehen", haderte der Coach mit dem Schicksal, fügte aber selbstkritisch an: "Nichtsdestotrotz hätten wir jedes unserer Spiele erfolgreicher gestalten können. Vorne aber haben wir die Chance nicht genutzt und uns die Bälle hinten selbst reingehauen."

Ohne Marco Reus (Bänderriss), Ilkay Gündogan (Trainingsrückstand), Henrikh Mkhitaryan (knöcherner Bandausriss) und Nuri Sahin (Knie-OP) stellt sich das Mittelfeld schon fast von allein auf. Nur gut, dass Sebastian Kehl nach überstandenen Adduktorenproblemen scheinbar wieder beschwerdefrei ist. Am Abschlusstraining nahm der Routinier auf jeden Fall im vollen Umfang teil. "Ich habe in den letzten beiden Tagen die meisten Sachen beim Training mitmachen können. Es geht mir deutlich besser. Deshalb bin ich ja auch mit dabei", so Kehl.

Dreier ist gute Ausgangsposition

Ob mit Kehl oder ohne: Die Fans hoffen auf einen erneuen Gala-Auftritt ihrer Idole wie zum Gruppenauftakt gegen den FC Arsenal. Die Auftritte in der Liga mit zuletzt elf Gegentoren und lediglich einem Punkt aus drei Spielen sollen vergessen gemacht werden.

Wie das gehen kann, verriet Klopp mit einer Prise Humor: "Alle guten Spiele, die wir irgendwann mal gemacht haben - die Älteren unter Euch werden sich erinnern -, sind der Maßstab, wie man solche Spiele angeht."

Mit einem Dreier im Brüsseler Stadtteil Anderlecht würde sich der BVB in der Königsklasse mit dann sechs Punkten nicht nur eine komfortable Ausgangsposition in der Gruppe verschaffen. Es wäre auch eine gute Antwort auf die Negativschlagzeilen der vergangenen Tage. "Es war ein schwieriger Anfang für uns. Aber man kann nicht von einer Krise reden. Wir müssen aufwachen und die Spiele besser gestalten", meinte Stürmer Pierre-Emerick Aubameyang. Am besten fangen die Dortmunder damit heute Abend wieder an.

Aus Brüssel berichtet Michael Reis