Zusammenfassung

  • Beim 7:0-Kantersieg gegen den 1. FC Nürnberg feiert Borussia Dortmund ein Torfestival
  • Dabei überzeugen vor allem die jungen Wilden um Christian Pulisic und Jacob Bruun Larsen
  • BVB-Trainer Lucien Favre: "Es macht so viel Spaß mit dieser Mannschaft"

Dortmund – Torfestival und Offensivfeuerwerk statt Selbstzweifel und fehlender Durchschlagskraft: Nach dem 7:0-Kantersieg über Nürnberg ist bei Borussia Dortmund die Brust ein Stück breiter geworden und das Selbstvertrauen vor dem Duell bei Bayer Leverkusen gehörig gewachsen. Vor allem die Youngster präsentieren sich als Versprechen für die BVB-Zukunft. Allein drei der Torschützen gegen den Club sind maximal 20 Jahre alt.

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Als Borussia Dortmund in der Bundesliga zum letzten Mal einen 7:0-Erfolg feiern konnte, war noch keiner der Spieler geboren, die da jetzt den 1. FC Nürnberg gehörig durcheinander gewirbelt haben. Damals, auf den Tag genau 32 Jahre vor dem jetzigen Schützenfest, wurde BW Berlin an die Wand gespielt und auch ein gewisser Michael Zorc zählte zu den Torschützen.

Video: 7:0! BVB mit Offensiv-Gala

Als Sportdirektor ist Zorc heute mit für die Mannschaft verantwortlich, die den bedauernswerten Aufsteiger fast vorgeführt, zumindest aber in allen Belangen beherrscht hat. 73 Prozent Ballbesitz, eine Passquote von 93 Prozent, 19:4 Torschüsse und sieben teils wunderschön herausgespielte Treffer sprachen eine deutliche Sprache. Spielwitz, Tempo und Tore sorgten auf den Tribünen und beim Trainer für Verzückung. "Es macht so viel Spaß mit dieser Mannschaft", freute sich Lucien Favre sichtlich.

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Auch Michael Zorc fand nach der Gala nur lobende Worte, hob aber vor allem einen Aspekt hervor: "Mit den jungen Spielern ist es immer eine große Freude.  Und es gefällt mir natürlich sehr gut, dass der eine oder andere aus der eigenen Jugend mit im Team war. Sie haben es sehr gut gemacht." Das war freilich fast noch untertrieben, denn die Abteilung "Jugend forscht" drückte dem Dortmunder Spiel im Verbund mit den erfahrenen Kräften um den herausragenden Doppeltorschützen Marco Reus und Axel Witsel ihren Stempel mit einer Selbstverständlichkeit auf, die für die Zukunft einiges erwarten lässt.

"Mit den jungen Spielern ist es immer eine große Freude.  Und es gefällt mir natürlich sehr gut, dass der eine oder andere aus der eigenen Jugend mit im Team war" Michael Zorc (Sportdirektor Borussia Dortmund)
Jacob Bruun Larsen eröffnte den Torreigen beim 7:0 gegen Nürnberg © DFL DEUTSCHE FUSSBALL LIGA / Simon Hofmann

Jacob Bruun Larsen und Christian Pulisic sind zwei der Spieler, die schon in der B-Jugend das schwarz-gelbe Trikot trugen und mit ihren 20 Jahren jetzt die Bundesliga aufmischen. Dazu bewies der erst 18-jährige Jadon Sancho einmal mehr, warum er als Joker "eine echte Waffe ist", wie es Reus anerkennend ausdrückte. Der Engländer hat noch keine 800 Bundesligaminuten absolviert, aber bereits zwei Tore und sieben Vorlagen auf dem Konto.

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Premierentreffer für Dortmunder Trio

Gegen Nürnberg trugen sich aber auch die jungen Defensivkräfte in die Torschützenliste ein. Achraf Hakimi, 19-jährige Leihgabe aus Madrid, überzeugte nicht nur mit abgezocktem Zweikampfverhalten und Offensivdrang, sondern erzielte gleich beim ersten Einsatz sein Premierentor für den BVB – ebenso wie Bruun Larsen und Manuel Akanji. Auch der Schweizer Innenverteidiger,  im Schnellverfahren zum Führungsspieler gereift und nach der Auswechslung von Marco Reus sogar Kapitän, zählt mit seinen 23 Jahren zu den Spielern, die der Borussia beste Perspektiven eröffnen. "Er ist jemand, der in der Mannschaft und auf dem Platz Verantwortung übernimmt", freut sich Zorc.

Gleich sieben Mal durfte Borussia Dortmund gegen den 1. FC Nürnberg ein Tor bejubeln © imago / Jan Huebner

Insgesamt sechs verschiedene Spieler trafen gegen Nürnberg, das hatte es in der Bundesligahistorie des BVB zuvor noch nicht gegeben. Nach den ersten fünf  Spieltagen verteilen sich die Dortmunder Tore sogar auf zwölf verschiedene Torschützen – ein weiterer Pluspunkt für die neue Borussia unter Lucien Favre. Die Mannschaft ist kaum ausrechenbar, kann auch in der Breite auf viel Qualität bauen. Und 15 Tore hat in der Liga noch keiner erzielt – nicht mal die Bayern.

Kehl lobt BVB-Offensive: "Das war großartig"

"Man hat gegen Nürnberg gesehen, welche Qualität im vorderen Bereich da ist. Diese Mannschaft hatte viel Spaß, sie will auch nach vorne spielen. Das war großartig", durfte Sebastian Kehl zufrieden bilanzieren. Für den Leiter der Lizenzspielerabteilung war die Partie auch ein Beleg für die neue Mentalität im Kader, die man in der vergangenen Saison noch schmerzlich vermisst hatte. "Wir haben eine hohe Qualität auf der Bank und die Jungs nehmen ihre Chance wahr, wenn sie reinkommen", freute sich Kehl mit Blick auf die hoffnungsvollen Talente wie Dan-Axel Zagadou oder Hakimi.

"Man hat gegen Nürnberg gesehen, welche Qualität im vorderen Bereich da ist. Diese Mannschaft hatte viel Spaß, sie will auch nach vorne spielen. Das war großartig" Sebastian Kehl (Leiter der Lizenzspielabteilung bei Borussia Dortmund)

Gerade auf die jungen Spieler wartet aber schon schnell die nächste Bewährungsprobe. Am Samstag ist Borusia Dortmund zu Gast bei Bayer Leverkusen, das sich nach einem schwierigen Saisonstart mit zuletzt drei Pflichtspielsiegen auch wieder im Aufwind wähnt. Das werde wieder ein ganz anderes Spiel als noch gegen Nürnberg, warnt Michael Zorc: "Leverkusen ist eine Mannschaft, die individuell hoch besetzt ist und zu den besten Mannschaften in der Liga gehört. Aber wir wollen auch dort gewinnen."

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte

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